Geschichten die das Leben schreibt

Moderne Mythen

„Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, dem ist neulich etwas merkwürdiges passiert…“ Kennen Sie diesen Gesprächseinstieg? Häufig wird damit die Erzählung eines sogenannten modernen Mythos eingeleitet. Doch was ist ein moderner Mythos, wie entsteht er und wie ist er hinsichtlich seines Wahrheitsgehaltes zu bewerten? Der Ursprung der Erzählung und dessen Urheber lässt sich kaum noch zurückverfolgen. Dementsprechend kann auch angezweifelt werden, dass die Alltags Sagen wahre Begebnisse wiedergeben.

Mythen und FaktenModerne Mythen, auch Alltags Sagen oder urbane Legenden genannt, befassen sich mit mehr oder weniger skurrilen oder gruseligen Begebenheiten. Sie werden meistens mündlich weitergegeben – vom Gesprächspartner meist mit der Überzeugung, es handle sich um eine wahre Begebenheit. Auch in Internetforen stößt man immer wieder auf moderne Mythen, oft auch mit dem Ziel, diese zu sammeln und den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Was Schauergeschichten und Volksmärchen im Mittelalter waren, sind heute moderne Sagen – am Lagerfeuer oder in der Kneipe hüllen sie die Gesprächsrunde in ein wohliges Schauern.

Die Spinne in der Yucca Palme

Als eine der bekanntesten modernen Sagen gilt die Geschichte von der Spinne in der Yucca-Palme. In diese Geschichte kauft eine Frau sich eine Palme und gießt diese regelmäßig. Dabei wundert sie sich über ein seltsames Quieken, das immer einsetzt, wenn sie sich um ihre Pflanze kümmert…Nachdem ihr dies eine Weile keine Ruhe gelassen hat, lässt sie von einem Kammerjäger die Pflanze überprüfen. Er findet eine hochgiftige Spinne in dieser, die sogar schon Eier gelegt hat und bei Angst immer quiekte.

Plausibel wäre die Geschichte der Yucca-Palme ja noch halbwegs, und sicher sind ähnliche Ereignisse auch schon geschehen. Urban Legends können aber weitaus unheimlicher sein, und auch den Zweck verfolgen, Menschen einzuschüchtern oder zu warnen.

So ging in den USA der Mythos um, dass es einen Mann gäbe, der zu Halloween an die Kinder Äpfel mit Rasierklingen verteile. In deutschen Diskotheken wird immer wieder vor einem aidskranken Mann gewarnt, der mit einer Spritze mit infiziertem Blut andere Gäste anstecken möchte. Regelmäßig muss sich das Unternehmen IKEA mit der urbanen Sage befassen, dass in den Möbelhäusern regelmäßig Kinder verloren gingen und dann wieder unter Drogen aufgefunden würden. Die Sorge um Kinder ist ohnehin ein beliebtes Motiv in urbanen Sagen. An einer Schule suchten besorgte Eltern den Direktor auf, der in einem Elternbrief vor Aufklebetattoos gewarnt hatte, die LSD erhielten und die Kinder süchtig machen würden – er musste zugeben, dass er keine Beweise für diese Theorie hatte und die Warnung – ohne sie zu hinterfragen – für bare Münze genommen hatte.

Warum sind moderne Sagen zur Zeit so beliebt?

Zum einen, weil die Gesprächspartner für die Wahrheit der Geschichte bürgen, immerhin sind sie davon überzeugt, dass sich die Begebenheit in ihrem Bekanntenkreis tatsächlich zugetragen hat. Zum anderen zielen die Großstadtsagen, deren Inhalt oft furchteinflößend ist, weniger auf den Verstand, als auf das Gefühl. So kursiert seit vielen Jahren die Geschichte, dass ein Sohn seiner Mutter ein originelles Geldgeschenk machen will und er zu diesem Zweck in einem Monopolyspiel das Spielgeld durch echtes Geld austauscht. Die Mutter machte sich wenig aus Spielen und tauschte das Spiel kurzerhand um. Skepsis ist bei derartigen Erzählungen immer angebracht – aber ob wahr oder nicht, die modernen Sagen befriedigen das Bedürfnis des Menschen nach spannenden, aber auch gruseligen Geschichten.

Trennung im Alter

Egal ob Politiker, Schauspieler, Sänger, deren Ehen nach mehr als zwanzig Jahren in die Brüche geht, es kann jeden treffen. Die Zahl der Trennungen im Alter und Spätscheidungen nimmt rapide zu, was die Statistik auch eindeutig belegt.

Laut einer Studie der Psychologin Insa Fooken, steuert der Anteil der Ehescheidungen nach der Silberhochzeit im Vergleich zu 2001 von 9,4 auf mittlerweile 20 Prozent zu. In Hamburg gab es sogar drei Ehepaare, die sich nach mehr als fünfzig Jahren trennten. In 60 Prozent der Fälle reichen Frauen die Scheidung ein.

Als besonders scheidungsanfällig, auch nach langen Jahren Ehe noch, sind Ehepaare in Großstädten oder größeren Städten, in denen die Diskriminierung geschiedener oder alleinerziehender Frauen gering ist, die ohne religiöse Bindungen, ohne den Zusammenhalt einer Großfamilie sind. Das Scheidungsrisiko nimmt auch mit dem Bildungsniveau der Frau zu, mit ihrer Erwerbstätigkeit, finanziellen Unabhängigkeit.

Man könnte meinen Trennung im Alter, späte Scheidung würde im Trend liegen. Doch das ist nicht der Fall. Vielmehr stellen sie ein demografisches Abbild der veränderten Altersstruktur in der Bevölkerung dar. Es gab noch nie so viele Leute um die Fünfzig und Sechzig, die bereits mehr als drei Jahrzehnte verheiratet sind. Menschen, die noch in traditionellen Rollenverteilungen aufgewachsen sind, davon geprägt wurden. Die sich nach langen Jahren Ehe mit veränderten Ansprüchen an Lebensqualität und Lebenserwartung als ihre Eltern konfrontiert sehen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die geringe Scheidungsrate der Vergangenheit kein Indiz für eine bessere Qualität der einstigen Ehebeziehungen ist. Sondern ein Zeichen dafür, daß Emotionalität und Liebe früher einfach eine geringere Rolle spielten als soziale und wirtschaftliche Absicherung.

Der Anstoß für eine Trennung im Alter, späte Scheidung kann u.a. der Tod der Eltern, eine Erbschaft, ein Seitensprung des Ehepartners, übermäßiger Alkoholgenuss oder Gewalt in der Ehe sein. Im seltensten Fall ist der Entschluss zu einer Trennung und späten Scheidung eine Kurzschlusshandlung.

Doch was sind die Gründe für eine Trennung im Alter, eine späte Scheidung?

Die Psychologin Insa Fooken befragte hierzu spät geschiedene Frauen und Männer der Geburtsjahrgänge 1940 und 1950. Sie fragte die Probanden, welche Vorstellungen es zur Ehe zum Zeitpunkt der Eheschließung gab, wie die Ehe insgesamt verlaufen sei und welche Beweggründe für eine Spätscheidung vorgelegen hätten. Dabei kristallisierten sich 3 typische Erklärungsmuster heraus.

1. Eine als weitestgehend zufrieden erlebte Beziehung wird plötzlich von einem Partner beendet. Vor allem Männer seien laut Fookens Studie aus „allen Wolken gefallen, als das Thema Trennung thematisiert wurde“.

2. Beide Partner haben Unvereinbarkeiten, Unverträglichkeiten jahrelang beiseite geschoben, bis es für eine Aussprache zu spät war. Sie haben gemeinsam die Fassade aufrechterhalten.

3. Schon zu Beginn der Ehe gab es  Unstimmigkeiten. Viele der Befragten haben diese Unstimmigkeiten bereits bald nach der Eheschließung erkannt, fühlten sich beispielsweise vom Partner nicht wertgeschätzt oder hatten Selbstwertprobleme. Die Konflikte innerhalb der Ehe wurden verdrängt. Mit Rücksicht auf die Kinder konnte man sich nicht zur Scheidung durchringen.

Weitere Gründe können eine jahrelang schleichende Entfremdung vom Partner, unterschiedliche Erwartungen an Lebensqualität und die damit verbundenen Ansprüche an den Partner sein. Gerade wenn das Haus leer ist, Kindererziehung keine Rolle mehr spielt, die Interessen unterschiedliche Bahnen eingeschlagen haben, stellt sich für viele die Frage: Was kommt jetzt noch?

Wichtig sich mit seinen eigenen Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen vom Leben zu konfrontieren. Manche Spätgeschiedene sagen sogar, dass sie trotz existenzieller Schwierigkeiten den Weg der Trennung als Befreiung und Entlastung erlebt haben.

Eins, zwei, drei, vier Eckstein … Lebensfreude, wir sind hier

Liebe Freunde der Lebensfreude,

bin zwar schon eine Stunde wach, doch sieht das hier eher nach einem laaaaaaangen Anlauf aus. Aktivitäten, wie z.B. endlich diese ganze Bude
auf Vordermann zu bringen, die an Samstagen ohnehin nur im Notfall erledigt werden, warten und ich warte mit. Wir sind sehr geduldig mit uns.

Mohnblumen

„Wir“ warten auf das GO und derweil beschäftige ich mich damit z.B. Urlaubsfotos zum Xten Male anzuschauen, Windows Office upzudaten, Mails zu beantworten, Nebenkosten online zu begleichen, Kaffee zu trinken (noch einen, noch einen, noch einen …) AllesDinge, die einer wirklichen Beschäftigung nicht sehr nahe kommen und draußen brüllt derweil seit einer Stunde der Wischmopp. Kann das mal bitte jemand etwas leiser stellen?

Wir sind verliebt, ich bin verliebt, Martin ist verliebt. Wir haben unseren Rest an Lebensfreude bei „Lebensfreude“ abgestellt, zaghaft angeklopft und es hat uns jemand aufgetan. So teilen wir mit großen Augen seit Wochen diese neue, willkommene Lebensfreude und sie wird dadurch nicht kleiner. Im Gegenteil.

Das ganze, große warme Gefühl, so habe ich mir heute Morgen gedacht, sollte man einfrieren. Wir wissen doch dass es nicht so bleiben kann aber es ist
sooooooo schön. Also nehmen wir uns vor, beim ersten Debakel oder bei Streitigkeiten (momentan sowas von unvorstellbar) uns die Zeit zu nehmen um uns unsere ersten Mails gegenseitig vorzulesen und arbeiten derweil weiter an der Lebensfreude als hätte es kein Vorher gegeben, als gäbe es nur uns.

In der Nacht hat mein Telefon getutet. Als ich ranging, lief nur eine Bandansage. Martin hatte seinen Text auf Band gesprochen und eine elektronische Stimme ließ mich das dann abhören. War so nett und liebevoll und ich wurde aufgefordert abwechselnd Knöpfe zu drücken.

Damit konnte ich mich auch antworten hören. Einen langen Dialog Liebesgeflüster.

Wunderlich war, das ich davon aufwachte … Ich war wohl inzwischen versucht auch einmal etwas dazu zu sagen. Doch hatte ich gar keinen Hörer in der Hand … hörte uns dennoch noch eine Zeit miteinander reden. Welche Knöpfe da wohl wieder gedrückt wurden?

Ich umarme dich Welt und möchte weiter mit dir träumen doch so viel sorry. Da sich Martin hier für Montag Abend angesagt hat, muss ich jetzt ran. Koste es was es wolle. Weißt du, erst war ich die ganze Woche neben dem Broterwerb mitsamt der ganzen emotionalen Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart mental noch mit ihm am Bodensee. Du weißt sicher etwas mehr von ihm zu berichten, doch ich entdecke diesen Mann Stück für Stück auf meine Weise. War also nach unserem ersten gemeinsamen Urlaub jeden Abend noch mit etwas anderem beschäftigt, was mindestens einer Doppelbelastung gleich kommt. Ich will mich nicht entschuldigen, aber hier sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen die mich nichts angeht. Will sagen, ich wurde weder gewarnt, noch evakuiert!
Wem brülle ich jetzt mal lautstark entgegen: „Ich will lieber Radfahren, holt mich hier raus!!!“ oder noch besser: „Martin kommt am Montag, ich will das es
hier zu Hause guuuuuuuuuuuuuuuut aussieht und weiß nicht wiiiiiiiiiiiiiie?“

Absolute Reststille. Nur ein Hahn kräht und ein wenig Vogelgezwitscher ist zu hören. Der Hahn, von dessem Vergnügen ich jetzt lieber nicht rede, hat seine Hennen die die ganze Arbeit machen und die Vögelchen muss ich ausblenden im Hirn, sonst baue ich das Fahrrad endlich zusammen und radle zu ihnen. Doch dann bleibt es hier so wie es ist und da wir morgen den ganzen Tag mit dem e.V. durch den Odenwald wandern wollen, ganz sicher also mit mir!, muss ich jetzt auch mal eine Bombe zünden. Möglichst direkt unter meinem Stuhl.

Es findet sich ja niemand sonst hier denn die einzige goldige Person, die seit 18 Jahren mit mir in einer WG lebt, hat die Nacht zum Tag gemacht. Den Tag damit vermutlich zur Nacht erkoren und das kann dauern. Sollte sie jemals noch aus dem Koma erwachen, meint sie vermutlich zu träumen denn ihr Chaos im Zimmer übertrifft meine Restumfänge bei weitem. Und das, obwohl mir neben diesem bombenverdächtigem Hochexplosivlager in dem sie sorglos selig ihre Träume pflegt, Küche, Bad, Flur und Wohnraum von 40 m im Quadrat und 4m in der Höhe bleiben. Neid? Ja. Zugegeben. Absoluter Neid für diese Gabe die mir nicht gegeben.

Würde sie jemals beginnen ihr Lager auf ‚Vorderfrau‘ zu bringen, ich würde tagelang nichts mehr von ihr sehen und müsste nur ab und zu etwas Essen und Getränke hineinstellen damit sie nicht vollkommen im Handel zwischen Leben und leben lassen verkümmert. Bleibt nur die Frage, wo stelle ich das dann ab? Bin sicher, sie kehrt für den Rest des Wochenendes die Augen nach innen mit dem Vorrecht der Jugend. Mit der unbedarften Erfahrung die sie bereits 18 Jahre lang machen durfte und der damit erworbenen ungetrübten Sicherheit, dass es irgendwann auch bessere Zeiten geben wird. Und der  Faktor Zeit ist der Jugend, im Gegensatz zu uns, eine absolute Unbekannte die man mitsamt allem Unangenehmen, was man hätte tun können, auf eine verlängerte Werkbank schiebt und noch länger als die Bank je sein kann, vergisst.

So kam also eines Tages der wichtige Satz zustande. „Sorry Mama, aber ich habe die Zeit vergessen …“

Sie hat sich von ihrer ersten wichtigen männlichen Beziehung getrennt oder er von ihr oder beide voneinander und lernt momentan das Beziehung auch Arbeit ist. Indem man ausgeht und sich amüsiert? (K)eine leichte Aufgabe, zugegeben. Was sind dagegen so profane Dinge wie die Wäsche und den Rest, der in Schränken vollkommen fehlplatziert wäre, da man damit nur den Überblick verliert, vom Boden aufzuheben? Was ist Schule???

Egal wie, es bleibt also im Hier und Jetzt nur eine Person übrig, denn selbst unser Zwergkaninchen ist leider schon tot. Dem täte ich just in diesem Moment den Hasenstall öffnen, weil, es kommt nun wirklich nicht mehr darauf an …

Drück‘ dich gaaaaaaaaaaaaaanz fest, du liebe reale Welt, und erhebe mich feierlich zur Hinrichtung der Räume. Es gibt immerhin einen Montag, also für irgendetwas muss diese Plagerei ja gut sein.

Nein. Stopp: Einen Ausweg gäbe es vielleicht. Ich guck‘ erst einmal in unsere „ToDo Liste“, unser gemeinsames Projekt „Gemeinsame Zukunft“, ob ich nicht
irgendeine Kleinigkeit  an mein Team delegieren kann…

Das andere Teammitglied, der  Martin, ist mit dem Sohn auf Radtour und träumt von Montagnacht. Leider, leider also bis Montag nur mental erreichbar. Kann ich also nur hoffen, dass er am Montagmorgen, weil da beginnt die Arbeitswoche, aktiv schaltet und ein wenig schlechtes Gewissen ihn dazu bewegt die Blumen nicht zu vergessen die ich mir so was von verdienen werde. Dies aber nur für den Fall, das ich mich hier erhebe.

Wir haben keinen Chef erkoren in unserem  Projekt, das hat uns die Vergangenheit gelehrt. Es würde zu nichts führen. Also sind wir gleichberechtigt
verantwortlich für alles was wir begonnen haben und die Folgen. Doch momentan scheint es, als würde alle Last und kein Vergnügen auf mir liegen. Das sollten wir ändern. ‚Wir müssen reden.‘ geht momentan leider und Montagnacht dreimal nicht. Trage also ein in die ToDo Liste:

ToDo:
Augen zu und durch mit dem starken Motto „Es wird eines Tages Montag sein“ oder „Licht am Ende des Tunnels“ (hoffentlich kein Zug)

Verantwortlich:
Ich allein zu Haus und der Staubsauger und jede Menge Staub, der stattdessen mir eine Rede halten will. Also rede ich besser vorläufig mit diesem ein
deutliches Wort.

Randnotiz:
Wir sind verantwortlich für alles, was wir in einer Nacht mit einem Menschen anstellen der uns die Augen und vor allem das Herz öffnet. Kein hartes Brot
aber auch kein Leichtes, doch habe ich gelernt meine Rechnung zu begleichen.

Termin:
a.s.a.p. (as soon as possible) und fortlaufend

Fortlaufen kann ich nun aber auch mit viel guten Willen nicht mehr denn nun hält mich endlich mal jemand richtig fest auf diesem Planeten und das löst sich hoffentlich nicht so schnell in Staub auf ;o)

Steinknickle AT

Die bekannte Zigeunerfohrle, eine als Naturdenkmal ausgewiesene, auffallend geformte Waldkiefer

Steinknickle AT

Wir waren wandern. Wobei das kleinste Wort in diesem kleinen Satz: „WIR“,  liest man meinen Wanderbericht, an Bedeutung gewinnt.

„Wir“ haben ein Gruppenfoto gemacht bevor wir uns in Richtung unseres Wanderparkplatzes aufmachten.

Wegweiser

Ein Foto, das die müden Wanderer nach gelungenem Tagwerk zeigen könnte, gibt es nicht. Aber immerhin kamen von 8 Spontan-Wanderfreunden ganze drei mit mir am Ende des Tages und am Ausgangsort an. Ein Foto wollte keiner mehr und ich habe auch nicht darauf gedrängt.

Wir kamen auch nur zu Hause an, da wir in einem Zeitalter leben dürfen, das uns den Umgang mit einem Mobiltelefon gestattet und wir können von großem Glück sagen das der eine die Nummer eines anderen auf diesem Gerät abgespeichert hatte. Merken kann sich ein Mensch in unserem Alter solche Nummern nicht mehr auf lange Distanz. Wir hatten uns gedankenverloren noch nicht einmal vor dem ersten Wanderschritt darauf verständigt, wie wir uns verhalten wollen, kann einer mal nicht weiter, kommt einer vom Weg ab. Nicht einmal jeder von uns hätte für Schlimmeres wirklich einen Notdienst rufen können denn der Wald liebt vor allem eines: Stille. Du solltest nicht damit rechnen das überall ein Mobiltelefon auch mobil telefoniert und nach Hilfe schreit.

Was war also passiert? Das Wetter war so gut wie unsere Laune, zugegeben ein wenig zu schwül aber trocken und die Stimmung auch schon etwas gezügelt weil eben nicht jedem Wanderziel genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden konnte. Erstens kommt es anders und zweitens …

Nun ja, unsere geplante, geführte Wanderung zur Gedenkstätte des letzten Wolfes im Odenwald wurde am Samstagabend durch den erprobten und für gut befundenen Guide ziemlich kurzfristig abgesagt. Das wäre „Erstens“ gewesen, das war der Plan aber es kam noch anders … Er war krank. So krank, dass wir uns alle ohne ihn im Odenwald verlaufen hätten denn es gab keinen der ebenso kurzfristig hätte einspringen können. Keinen Plan „B“ also, das war „Zweitens“.

Also hätte es mit Sicherheit dann bald auch eine „Gedenkstätte zum letzten Wanderer“ gegeben, vorausgesetzt die Spenden, die wir Überlebenden dafür hätten einsammeln müssen, würden dafür genügen und vorausgesetzt, dass einer von uns überhaupt noch nach Hause gefunden hätte um darüber zu berichten.

Dies jedenfalls wurde Einigen von uns heute bewusst die dennoch wandern wollten und sich demzufolge auch frohen Mutes heute Morgen trafen. Ohne jeden Guide und ohne jeden Plan. Dafür fast jeder mit mindestens einer Wanderkarte ausgestattet und mit mindestens noch mehr Wandererfahrung. Man durfte vertrauen und erfuhr bald (Klappe die X te) das Vertrauen niemals vorschnell erteilt werden sollte denn die  allzu Vertrauensseeligen Ahnungslosen unter uns gaben denen den Zuschlag die sich lediglich am lautesten positionierten.

Zugegeben, es war ein Fehler und auf dem ganzen Weg trennte sich die Spreu vom Weizen, wurden Pläne neu geschmiedet, Verlorene mühsam wieder aufgesammelt und last but not least mit einem Mobiltelefon, als endlich alle an einem gemeinsamen Zwischenziel ankamen, ein Ehemann angerufen der eine von uns nach Hause holte. Da waren es nur noch …

Nicht mehr alle von uns haben einen Ehemann. Wir restlichen versuchten immer noch frohgemutes einen Heimweg zu Fuß bis zum Wanderparkplatz denn immerhin sollte man den Weg nun kennen … und verliefen uns wieder als eine von uns, die vorgab den Weg zu wissen,  plötzlich auch nicht mehr zu sehen war. Da waren es nur noch …

Zugegeben, sie kannte den Weg und fand auch ohne uns zurück doch was nutzt dies den anderen in solchen Momenten? Mitten in einem Wald von dem man bislang noch nicht einmal wusste dass es ihn gab? Mit Wegen die in jeder Richtung ein Ziel versprechen, nur weiß man definitiv nicht welches?

Wir gaben nicht auf, hatten dennoch nicht den Mut verloren und sind tapfer intuitiv in die eine oder andere Richtung  gelaufen bis sich eine Zivilisation und das Mobilnetz erkenntlich zeigten. Wir riefen die letzte verbleibende Freundin an. Eine, die uns leider mittendrin zwangsverloren abhandenkam, denn sie liebte es zu fotografieren und verlor uns dabei wohl zu Recht nur allzu gerne. Irgendwann, als wir wieder beratend an Weggabelungen standen um auf seltsame Weise herauszufinden welcher Weg wohl der richtige sein mag.

Sie folgte wohl währenddessen der Natur als Fronnatur mit ihrem Fotoapparat. Da waren es nur noch …

Gab es nämlich etwas in unseren Augen atemberaubendes zu sehen, zu fotografieren, konnte man damit rechnen das die anderen nicht wartenden und man konnte prompt im Geiste das Lied vom „Ein Männlein steht im Walde … „ abrufen. Egal wie der Text weitergeht. Für jeden Hobbyfotografen endete er damit das er nicht still und stumm im Walde stand sonder laut rufen musste.

Weniger laute Wanderer  unter uns wurden oftmals nicht beachtet als sie bei mühevollen Auf- und Abstiegen die es zu bewältigen gab und die, aufgrund einer im Alter nicht mehr so dauerhaft zur Verfügung stehender Kondition schlichtweg nicht zu bewältigen waren, einfach nicht mehr „mitspielen“ konnten. Irgendwann gibt halt ein jeder auf.

Diese letzte verbliebene, fotografierende Freundin hatte also mit einer Unmenge anderer Erfahrungen und vielen Fotos, vor uns eine Ortschaft und ein Lokal gefunden, in dem es mit Freuden erlaubt war sich als gerettet zu betrachten. Sie sandte uns ein Taxi, da wenigstens die Wirtsleute nach unserer Beschreibung herausfanden wo wir uns eigentlich befanden, und wir fanden bei einem guten Glas Wein wieder zueinander. Nun ja, nicht alle, aber der harte Kern der mit mir schließlich auch wieder nach Hause fand.

Es gab dann letztendlich nur einen einzigen frommen Wunsch und der gilt unserem Wanderführer. Er bezog sich darauf ihm eine lange und vor allem dauerhafte Gesundheit zu wünschen. Ohne ihn, wir haben es nun ausgiebig und ohne Ehemann erprobt, enden unsere Versuche in einem Desaster und vor allem hat uns auch niemand über die Dinge berichten können die uns auf dem Weg begegneten – wie er es immer tut. In mir brennt jetzt immer noch die Frage warum hinter Steinknickle ein AT steht. AT, ich bin noch berufstätig, heißt in diesen Kreisen „außer Tarif“.

Sollte ich also nie erfahren warum AT mit auf dem Wanderschild steht, vergessen werde ich es nicht und es immer jedem Steinknickle hinzuzufügen denn „außer Tarif“ war auf jeden Fall diese wunderschöne Wanderung auf der wir so viel gelernt haben.

Über uns selbst, über Hürden und die darauf folgende Lebensfreude. Ganz zu schweigen von den vielen guten Geschichten aus vielerlei Leben die wir uns auf unserem Weg erzählten und die wir erfahren durften.

 

Wo die Liebe hinfällt….

Die liebe griechische Verwandtschaft

Es war in Jahr 1975 als ich allein meinen ersten Auslandsurlaub ins „ferne“ Griechenland wagte.
Ich litt damals (genauso wie heute) an chronischen Geldmangel und war froh über die Mitfahrgelegenheit bei einem griechischen Kollegen in seine Heimat.
Bei seiner Wiedersehens Feier mit der Familie, war auch ich eingeladen und lernte dort meinen späteren Mann kennen. Die Wochen vergingen wie im Flug, ewige Treue wurde beim Abschied geschworen und schon auf dem Heimfahrt Schiff war mir klar, das war’s dann wohl.

Kaum daheim angekommen, kam schon der erste Brief von meinem Griechen. Ich konnte ihn natürlich nicht lesen und bemühte ein Übersetzungsbüro mir behilflich zu sein den Text zu entziffern. Was ich nicht erwartete, es kam jeden Tag ein neuer Brief bei mir an.
Jede Briefübersetzung kostete mich sage und schreibe 25 DM nach meinen Gehalt zu messen, fast unerschwinglich. Langsam wurde ich panisch wenn ich an meinen Geldbeutel dachte und das ich damals allein lebend mit meiner kleinen 2 jährigen Tochter auch ab und zu etwas zum essen kaufen muss. Liebe allein macht nicht satt. Meine Briefe an Ihn bedeuteten Nachtschicht einlegen, ich war ja schließlich berufstätig. Ich schrieb den Brief in Deutsch vor und übersetzte mit Hilfe vom Lexikon Wort für Wort. Später erklärte er mir diese Briefe waren wundervoll, nur konnte er überhaupt nichts lesen da alles was ich schrieb keinen zusammenhängenden Sinn ergab.

Ein paar Wochen weiter erhielt ich plötzlich ein Telegramm, komme morgen früh um 5 Uhr am Münchner Hauptbahnhof an.
Inzwischen hatte ich Dank einer Annonce eine griechische Freundin gefunden, die mir kostenlos die vielen Briefe übersetzte, sie war diejenige die mir den Text des Telegramms vorlas, ansonsten wäre ich am nächsten Tag bestimmt nicht vor dem Hauptbahnhof gestanden.
Erst als er so mit einem alten Koffer vor mir stand, wurde mir langsam bewusst auf was ich mich da eingelassen habe. Er kam nicht zu Besuch sondern wollte mit mir leben. Von dem Tag an lebten wir in meiner Wohnung zusammen. In jedem Zimmer, sogar auf dem Klo lag ein Lexikon Griechisch-Deutsch. Da er keine Arbeitserlaubnis im ersten Jahr bekam, verdiente ich unsere „Brötchen“. Meine Eltern bemühten sich redlich meinem Freund Deutsch beizubringen während ich in der Arbeit war.

Nach einem Jahr kam dann das, was ja eigentlich schon vorprogrammiert war, der erste Urlaub in Griechenland bei der Familie. Unter normalen Umständen kein Problem, aber das sich mein Freund der Kronprinz in der Familie ausgerechnet ein Deutsche nahm und noch dazu eine, die bereits ein kleines Kind hatte, war für meinen Familieneinstieg nicht gerade förderlich. Der Tag X rückte immer näher wir standen auf der Autofähre und erblickten schon den Hafen von Igomenitsa. Dort waren ca. 30 Menschen versammelt die riefen und winkten, wie sich gleich herausstellen sollte, meine künftige Verwandtschaft in Griechenland.

Trotz der vorher gegangenen Drohbriefe er soll so eine „Hure“ wie mich sofort verlassen, wurde ich überschwänglich begrüßt. Am leichtesten kam ich mit den Kindern in den nächsten Tagen zurecht, sie liebten sofort diese blonde Tante, die zu dumm war ihre Sprache zu sprechen und zu verstehen. Für den kommenden Abend war ein großes Fest zu meinen Ehren geplant. Ja Griechen können Abgrundstief hassen, aber genauso schnell lieben sie auch. Zu meinem Entsetzen für mich Tierschützer, wurde extra eine arme Ziege geschlachtet und ein Schaf. Ich glaube es fanden sich ca.100 Personen (alles Verwandte)ein um die Deutsche zu begutachten. Bis heute mag ich kein Ziegen-oder Schaffleisch doch an diesem Abend folgte noch schlimmeres. Als große Ehre wurden mir zwei Schafsaugen auf einem Teller serviert. Das war dann der Moment wo ich es wagte entschieden abzulehnen. Es bedurfte unzähliger Erklärungen warum ich diese Augen nicht genießen wollte.

Meine Schwiegermutter war, so glaube ich, die einzige Person die mich verstand. Sie hat nie eine Schule besuchen dürfen, keine Bildung erhalten, aber sie hatte trotz der Einschränkungen eine große Herzenswärme und Güte in sich vereint. Jedenfalls war ich Dank Ihrer Liebe zu mir, plötzlich von allen Familien Mitgliedern heiß geliebt. Das Eis war gebrochen….

Jetzt würde es mich freuen wenn Ihr diese, MEINE Geschichte weiter verfolgen wollt.

Liebe Grüße_Hedi1

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