Trennung im Alter

Egal ob Politiker, Schauspieler, Sänger, deren Ehen nach mehr als zwanzig Jahren in die Brüche geht, es kann jeden treffen. Die Zahl der Trennungen im Alter und Spätscheidungen nimmt rapide zu, was die Statistik auch eindeutig belegt.

Laut einer Studie der Psychologin Insa Fooken, steuert der Anteil der Ehescheidungen nach der Silberhochzeit im Vergleich zu 2001 von 9,4 auf mittlerweile 20 Prozent zu. In Hamburg gab es sogar drei Ehepaare, die sich nach mehr als fünfzig Jahren trennten. In 60 Prozent der Fälle reichen Frauen die Scheidung ein.

Als besonders scheidungsanfällig, auch nach langen Jahren Ehe noch, sind Ehepaare in Großstädten oder größeren Städten, in denen die Diskriminierung geschiedener oder alleinerziehender Frauen gering ist, die ohne religiöse Bindungen, ohne den Zusammenhalt einer Großfamilie sind. Das Scheidungsrisiko nimmt auch mit dem Bildungsniveau der Frau zu, mit ihrer Erwerbstätigkeit, finanziellen Unabhängigkeit.

Man könnte meinen Trennung im Alter, späte Scheidung würde im Trend liegen. Doch das ist nicht der Fall. Vielmehr stellen sie ein demografisches Abbild der veränderten Altersstruktur in der Bevölkerung dar. Es gab noch nie so viele Leute um die Fünfzig und Sechzig, die bereits mehr als drei Jahrzehnte verheiratet sind. Menschen, die noch in traditionellen Rollenverteilungen aufgewachsen sind, davon geprägt wurden. Die sich nach langen Jahren Ehe mit veränderten Ansprüchen an Lebensqualität und Lebenserwartung als ihre Eltern konfrontiert sehen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die geringe Scheidungsrate der Vergangenheit kein Indiz für eine bessere Qualität der einstigen Ehebeziehungen ist. Sondern ein Zeichen dafür, daß Emotionalität und Liebe früher einfach eine geringere Rolle spielten als soziale und wirtschaftliche Absicherung.

Der Anstoß für eine Trennung im Alter, späte Scheidung kann u.a. der Tod der Eltern, eine Erbschaft, ein Seitensprung des Ehepartners, übermäßiger Alkoholgenuss oder Gewalt in der Ehe sein. Im seltensten Fall ist der Entschluss zu einer Trennung und späten Scheidung eine Kurzschlusshandlung.

Doch was sind die Gründe für eine Trennung im Alter, eine späte Scheidung?

Die Psychologin Insa Fooken befragte hierzu spät geschiedene Frauen und Männer der Geburtsjahrgänge 1940 und 1950. Sie fragte die Probanden, welche Vorstellungen es zur Ehe zum Zeitpunkt der Eheschließung gab, wie die Ehe insgesamt verlaufen sei und welche Beweggründe für eine Spätscheidung vorgelegen hätten. Dabei kristallisierten sich 3 typische Erklärungsmuster heraus.

1. Eine als weitestgehend zufrieden erlebte Beziehung wird plötzlich von einem Partner beendet. Vor allem Männer seien laut Fookens Studie aus „allen Wolken gefallen, als das Thema Trennung thematisiert wurde“.

2. Beide Partner haben Unvereinbarkeiten, Unverträglichkeiten jahrelang beiseite geschoben, bis es für eine Aussprache zu spät war. Sie haben gemeinsam die Fassade aufrechterhalten.

3. Schon zu Beginn der Ehe gab es  Unstimmigkeiten. Viele der Befragten haben diese Unstimmigkeiten bereits bald nach der Eheschließung erkannt, fühlten sich beispielsweise vom Partner nicht wertgeschätzt oder hatten Selbstwertprobleme. Die Konflikte innerhalb der Ehe wurden verdrängt. Mit Rücksicht auf die Kinder konnte man sich nicht zur Scheidung durchringen.

Weitere Gründe können eine jahrelang schleichende Entfremdung vom Partner, unterschiedliche Erwartungen an Lebensqualität und die damit verbundenen Ansprüche an den Partner sein. Gerade wenn das Haus leer ist, Kindererziehung keine Rolle mehr spielt, die Interessen unterschiedliche Bahnen eingeschlagen haben, stellt sich für viele die Frage: Was kommt jetzt noch?

Wichtig sich mit seinen eigenen Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen vom Leben zu konfrontieren. Manche Spätgeschiedene sagen sogar, dass sie trotz existenzieller Schwierigkeiten den Weg der Trennung als Befreiung und Entlastung erlebt haben.

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