Auf der Suche nach dem Orientexpress – Tagebuch einer abenteuerlichen Reise 3

 

 

Endlich – die Fahrt mit dem Orientexpress

 

Fahrt nach Ankara (300 km / 5 Std. / 25 TL p.P. )

Um 10 starten wir nach sonnigem Frühstück auf der Terrasse hoch über Göreme mit Blick auf den Red Valley. Eine kurze Fahrt bringt uns nach Nevcehir, dort warten wir ½ Std (statt versicherter 10 min.) auf den Bus nach Ankara. Doch die herrliche Fahrt durch weite, fruchtbare Ebene am schneebedeckten Taurusgebirge entlang entschädigt uns schnell für die Warterei. Die Schneegipfel leuchten in der Sonne, hier blitzt ein See auf, dort ein Flusslauf. Um 12 Uhr erreichen wir nach kurzem Tankstop (Benzin 1,60 Euro) auf 4spuriger, mautpflichtiger Autobahn Aksaray, eine Großstadt am Fuß des Taurus . Dann geht es lange durch eine rosafarbene Wüste – oder ist das eine Fata Morgana? Nein, es ist ein schier endloser Salzsee „Tuz Gölü“, der abrupt endet und fruchtbares Land zulässt.

Ein endloser Salzsee dehnt sich rosa vor unseren Augen

 

Gegen 13 Uhr erneut ein nicht endender Salzsee, der noch nicht ausgetrocknet ist und weiße Salz-kristall-ufer hat. Keine Menschen weit und breit, nur die 2spurige Straße mit ihren Lastern.

Um 16oo Uhr sind wir in Ankara im Hotel Ogultürk *** , nachdem wir endlos an identischen Neubauvierteln, identischen Hochhausbauten und wieder Neubauvierteln vorbei fuhren. Steriler geht’s nimmer. Das Taxi zum Hotel kostet 20 TL, die Hälfte davon war das Taxi von Aleppo nach Antakia. –

In Ankara bemühen wir uns als Erstes um die Zugfahrt nach Istanbul. Wir wollen doch endlich mal Orientexpress – oder wie auch immer er jetzt heißen mag.

 

Wir marschieren 1 km zum Bahnhof: Riesig, modern, steril. Infos hin und her, dann wissen wir, wo wir das Ticket bekommen. Am Schalter werden wir jedoch zurück gewiesen: Erst ne Nummer ziehen, dann warten, bis man aufgerufen wird. Wow. Da warten viele. Sitzreihen wie im Kino sind aufgebaut. Das kann dauern.

 

Das Prozedere am Ticketschalter geht dann relativ zügig, Keiner will Vaters oder Mutters Namen notieren – und dann haben wir tatsächlich Tickets für den Orientexpress!!!! Oder was???

Und so sieht das Prachtexemplar heute aus. Dafür ist es auch doppelt so teuer wie die Busfahrt. Aber was ist hier mit öffentlichen Verkehrsmitteln schon teuer.

Im Hotel stoßen wir wieder auf Unverständnis: Warum mit der Bahn, der Bus ist doch billiger und bequemer. Stimmt. Aber wir spinnen nun mal.

Mit den

Tickets in der Tasche erobern wir uns jetzt Ankara, schlendern durch den Souk / market : Schafsfüße und Schafsköpfe sind appetitlich offeriert.

 

 

 

Wir sind hungrig und finden kein Restaurant, nehmen schließlich mit einer Dönerbude vorlieb, wo man uns ein bisschen übers Ohr haut. Die Kolumne des Julian finden wir nicht, dafür aber unser Hotel und einen vorzüglichen Wein aus Kapadokien , den ich – abrakadabra – aus dem Koffer zaubere.

Inschala klappt das morgen mit dem Zug.

 

 

Es klappt!! Morgens klettern wir hinauf zur Zitadelle und sind sehr überrascht, innerhalb der Mauern eine Kleinstadt vorzufinden mit engen Gassen und mehrstöckigen Häusern. Das Taxi bringt uns später zum Bahnhof, der Bahnsteig ist gestopft mit Menschen, der Zug kommt püntlich um 11.10 Uhr !!!!! und unser Abteil ist voll besetzt. Gut, dass wir Plätze gebucht haben. Der TCDD, ein Hochgeschwindigkeitsexpress, fährt 252 km/std. Und so fühlt sich das auch an. Wir fliegen durch Hügellandschaften, Felder und Wiesen, Seen mit Störchen, Dörfer und Städte. Besonders rassant ist das im Gebirge, wo die Felsen nah an den Zug heranrücken.

Nach 1 Std. Ankunft in Eskisehir mit 10 min. Verspätung.

 

Hoffentlich wartet der Anschlusszug. Oh je, der steht auf dem Nachbargleis, Treppe runter – Treppe rauf. Und dann noch den richtigen Wagen finden! Aber da sind sofort zwei junge Männer, die sich unseres Gepäckes ermächtigen. Wir eilen hinterher, und als unsere Koffer im richtigen Wagen verstaut sind, verschwinden die beiden ohne Bakschisch, während der Zug anfährt. Dieser Zug ist nun viel weniger elegant. Wie schön, dass man auf uns gewartet hat. Auch dieser Zug ist voll besetzt.

Um 14oo Uhr sind wir durch viele Tunnel und über Brücken hoch oben im Gebirge. Die Lok dampft und stampft und stinkt und hält schließlich in Bilecik, eine weitläufige Gebirgs- und Industriestadt. Immer höher steigt der Zug jetzt ins Gebirge, schroff, zerklüftet, an einem Gebirgsbach entlang. Felswände zum Greifen, Tunnel, Brücken in abenteuerlicher Höhe. Der Himmel ist bewölkt, die Wolken sind sehr nah.

Die Schlucht öffnet sich, das Wildwasser ist mit Beton gebändigt, die Straße ist auch wieder da. Sattes Grün, breitflächig blühendes Gelb.

Eifrige Bautätigkeit an der Trasse. Das Wildwasser, das wir so lange begleitet haben, wird zum reißenden Fluss. Jetzt fahren wir drüber, es muss der Sakarya sein.

Mit ½ Std. Verspätung kommen wir um 16.30 Uhr in Istanbul am legendären Bahnhof Hydarpasa an, dem phantastischen Gebäude WilhemsII. Mit der Fähre geht’s nach Karaköy, dann genehmigen wir uns ein Taxi zum bereits vertrauten Hotel Nezih am großen Basar.

Gewürze appertitlich offeriert

Topkapi – Zysterne – Taksim

Es ist kalt in Istanbul. Irmgard entscheidet sich für Topkapi, ich kenne das schon und schlendere durch die Gassen entlang am Goldenen Horn, besichtige nahe Hagia Sophia die Zysterne mit ihren 336 Säulen, die 9 m hoch sind. Aber zu viele Schulklassen lärmen zu laut.

Abends entscheiden wir uns für Taksim, das modernste Viertel Istanbuls.

Mit der Straßenbahn nach Karaköy, per U-Bahn (der kürzesten der Welt?) nach Tuner und mit der nostalgischen Tram, einer Zahnradbahn, bis zum Taksim-Sqare.

nostalgische Tram zum Taksim-Square

Von dort schwimmen wir mit den Menschenmassen bergab, die Istiklal Caddesi, Istanbuls Amusiermeile runter, vorbei an prachvollen Konsulaten und später angesagten Bars. In einer Seitengasse ein edler Fischmarkt, darüber noch edlere Fischlokale. Noch viel gäbe es hier laut Führer zu entdecken, aber das Bett ruft, denn die Strecke U-Bahn und Tram haben wir auf dem Rückweg zu Fuß zurück gelegt.

 

Bosporus-Rundfahrt

Wunderbar!! Straßenbahn nach Eminönü, dann mit dem Linienschiff 10.35 Uhr von Eminönü ab mit leider zu vielen Touris, die das Gleiche wollen. Wir kreuzen hin und her zwischen Europa und Asien, vorbei an prachtvoll pastellfarbenen Holzvillen im Zuckerbäckerstil, besonders in Arnavutköy. Vorbei auch an dem luxuriösen Bebek, der vornehmsten Adresse der Stadt. Wer hier wohnt, hat ein schnittiges Cabrio in der Garage und eine Yacht im Hafen.

Die Mehmet Fati Brücke spannt sich in unglaublicher Höhe und Länge neben der trutzigen Festung Rumeli Hisari über den Bosporus.

Herrlich die Yalis – die Bosporusvillen der Haute Volee.

 

In Anadolu Kavagi endet die Fahrt nach 32 km und wir besteigen die dortige genuesische Festung mit Blick auf die Pforte zum Schwarzen Meer. Die Sehnsucht packt uns, da wollen wir hin!!!

 

In einem leckeren Fischrestaurant dort oben nähren wir unsere Sehnsucht, genießen den Blick auf die winzigen Lastkähne tief unter uns , die durch den Bosporus ins Schwarze Meer fahren.

Gesättigt, bei bester Laune und bestem Licht treten wir die Rückfahrt mit unserer Fähre an.

 

Tour durchs Goldene Horn

Das goldene Horn ist keine Landmasse wie Kap Horn in Südafrika, sondern ein 11km langer und max. 400 m breiter Meeresarm, der den europäischen Teil der Stadt durchschneidet. „Halic“ – Meerbusen nennen ihn die Türken.

Wir starten hinter der Galatabrücke und kurven mit der Fähre hin und her. Schon an der Brücke erreicht uns Festtagsstimmung, die Brücke ist verstopft mit Menschen, die sich fahnenschwingend über uns stauen. Auf Taksim-Square wird bald der Teufel los sein, da gibt’s die Maikundgebungen.

Wir zögern, an der Endstation Eyüp auszusteigen, doch der Hunger treibt uns in ein nahes Straßenlokal und wir teilen uns eine hier berühmte Riesenkartoffel, die im Feuerofen gebacken und dann mit leckeren Inhalten vermischt und gefüllt wird.


 

 

Alle Frauen sind verhüllt, viele ganz in Schwarz – wir sind im heiligsten Viertel Istanbuls. Hier steht neben der Moschee der Sarkophag Eyüps, dem Bannerträger und engsten Freund des Propheten und der Besuch seines Mausoleums ist fast so wichtig wie der Hatch nach Mekka.

Gut gesättigt und verhüllt wallfahren auch wir zu Eyüp und die Inbrunst der Betenden zieht mich in ihren Bann.

 

 

In der Moschee ist Gottesdienst und ein Immam liest aus dem Koran. Der riesige Raum ist bald dicht gedrängt von auf den Fersen sitzenden Männern. Keine Frauen. Sie sind – von hier unsichtbar – auf einer Tribüne. Wir halten uns am Rande und werden nicht beachtet. Draußen treffen wir dann auch auf die königlich gewandeten etwa 7jährigen Jungen, die an Festtagen hierher zur Beschneidung gebracht werden.

 

Weil sich fromme Muslime in Eyüps Nähe bestatten ließen, ziehen sich die Grabanlagen endlos den Berg hinauf und wir folgen ihnen bis zu Piere Lotes Cafe. Eilige Touris werden hier per Gondel heraufgebracht.

Zurück in der Stadt fahren wir mit dem Bus nach Fener, um die berühmte Chora-Kirche zu besuchen.

Schwer zu finden führen uns drei Kinder durch den morsch-verwitterten Charme des alten Istanbul, das als Hochburg der Islamisten gilt.

 

 

Die Chora-Kirche klein, uralt, überlaufen, teuer (15 TL, 7,50E) tolle Mosaiken.

Später endloses Verlaufen.

Der Tag ging nicht so gut zu Ende.

 

Schwarzes Meer

Unsere Fahrt ans Schwarze Meer starten wir am Busbahnhof Harem. Nur 3,50 Euro zahlen wir für 1,5 Std einfache Fahrt. Jetzt geht es endlos durch Istanbul, bis man mal rauskommt aus der Stadt durch Wälder und an Seen vorbei.

Dann das Schwarze Meer. Spaziergang am langen Sandstrand, üppiges Essen im Strandrestaurant.

 

Der Badeort Sile, 72 km von Istanbul entfernt, wirkt ungepflegt mit geringem Angebot. Was könnte man aus diesem Sandstrand machen!!

Erst abends spät kommen wir zurück nach Istanbul, fahren bis zur Endstation, das ist leider der falsche Ausstieg und wir sind sehr weit weg von der Fähre .

 

Prinzen-Inseln

Na ja, eigentlich wollte ich nicht hin. Man muss sie auch nicht gesehen haben. Die Türken nennen sie „Kizil Adalar“, rote Inseln. Ihren Namen haben sie nicht etwa, weil sie so fürstlich sind, sondern weil hier unliebsame Prinzen verbannt wurden, so sie nicht gelyncht wurden. Die Fähre ab Eminönü ist billig und überfüllt. Erst die Rückfahrt am frühen Nachmittag ist angenehm leer und wir haben 2 Std. sightseeing auf dem Marmarameer.

 

 

Stressig ist später der Gewürzbasar oder Ägyptische Basar an der Neuen Moschee.

Er geht in den Großen Basar quasi über und das tun wir uns nicht lange an.


 

Rückflug

 

Der Shutle-Dolmush holt uns pünktlich um 8,30 Uhr, und Irmgards Ängste, ob das wohl alles klappt, erweisen sich als unnötig. Pünktlicher Abflug in halb leerer Maschine, von oben ein ergreifender Blick auf Marmarameer, Bosporus und Schwarzes Meer. Dann hindern Wolken die Orientierung.

In Frankfurt fehlt meinem neuen Koffer aus Damaskus ein Rad. Nur mühsam komme ich mit dem schwankenden Gefährt zum S-Bahnhof, dann die Rolltreppe hoch und zur Regionalbahn nach Gießen. Per Handy bat ich Minicar Otto, mich am Bahnsteig2

um 16 Uhr abzuholen. Tatsächlich trug mir dann der Taxifahrer meinen lädierten Koffer die lange Strecke zum Auto und schließlich meine hohe Treppe hoch bis in die Wohnung.Unterwegs verloren wir weitere Teile der Rollenhalterung. Der Koffer ist Schrott. Es wird einen neuen geben. Inschallah.

 

Kosten der Reise:

126 E Flug 57 E Bahn u. Taxen

140 E Fahrten u. Hotels 1.200 Bar-Abhebung Ca. 1500 Euro Gesamt.

(Insgesamt 201x abgerufen, 1x heute abgerufen)
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