Eins, zwei, drei, vier Eckstein … Lebensfreude, wir sind hier

Liebe Freunde der Lebensfreude,

bin zwar schon eine Stunde wach, doch sieht das hier eher nach einem laaaaaaangen Anlauf aus. Aktivitäten, wie z.B. endlich diese ganze Bude
auf Vordermann zu bringen, die an Samstagen ohnehin nur im Notfall erledigt werden, warten und ich warte mit. Wir sind sehr geduldig mit uns.

Mohnblumen

„Wir“ warten auf das GO und derweil beschäftige ich mich damit z.B. Urlaubsfotos zum Xten Male anzuschauen, Windows Office upzudaten, Mails zu beantworten, Nebenkosten online zu begleichen, Kaffee zu trinken (noch einen, noch einen, noch einen …) AllesDinge, die einer wirklichen Beschäftigung nicht sehr nahe kommen und draußen brüllt derweil seit einer Stunde der Wischmopp. Kann das mal bitte jemand etwas leiser stellen?

Wir sind verliebt, ich bin verliebt, Martin ist verliebt. Wir haben unseren Rest an Lebensfreude bei „Lebensfreude“ abgestellt, zaghaft angeklopft und es hat uns jemand aufgetan. So teilen wir mit großen Augen seit Wochen diese neue, willkommene Lebensfreude und sie wird dadurch nicht kleiner. Im Gegenteil.

Das ganze, große warme Gefühl, so habe ich mir heute Morgen gedacht, sollte man einfrieren. Wir wissen doch dass es nicht so bleiben kann aber es ist
sooooooo schön. Also nehmen wir uns vor, beim ersten Debakel oder bei Streitigkeiten (momentan sowas von unvorstellbar) uns die Zeit zu nehmen um uns unsere ersten Mails gegenseitig vorzulesen und arbeiten derweil weiter an der Lebensfreude als hätte es kein Vorher gegeben, als gäbe es nur uns.

In der Nacht hat mein Telefon getutet. Als ich ranging, lief nur eine Bandansage. Martin hatte seinen Text auf Band gesprochen und eine elektronische Stimme ließ mich das dann abhören. War so nett und liebevoll und ich wurde aufgefordert abwechselnd Knöpfe zu drücken.

Damit konnte ich mich auch antworten hören. Einen langen Dialog Liebesgeflüster.

Wunderlich war, das ich davon aufwachte … Ich war wohl inzwischen versucht auch einmal etwas dazu zu sagen. Doch hatte ich gar keinen Hörer in der Hand … hörte uns dennoch noch eine Zeit miteinander reden. Welche Knöpfe da wohl wieder gedrückt wurden?

Ich umarme dich Welt und möchte weiter mit dir träumen doch so viel sorry. Da sich Martin hier für Montag Abend angesagt hat, muss ich jetzt ran. Koste es was es wolle. Weißt du, erst war ich die ganze Woche neben dem Broterwerb mitsamt der ganzen emotionalen Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart mental noch mit ihm am Bodensee. Du weißt sicher etwas mehr von ihm zu berichten, doch ich entdecke diesen Mann Stück für Stück auf meine Weise. War also nach unserem ersten gemeinsamen Urlaub jeden Abend noch mit etwas anderem beschäftigt, was mindestens einer Doppelbelastung gleich kommt. Ich will mich nicht entschuldigen, aber hier sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen die mich nichts angeht. Will sagen, ich wurde weder gewarnt, noch evakuiert!
Wem brülle ich jetzt mal lautstark entgegen: „Ich will lieber Radfahren, holt mich hier raus!!!“ oder noch besser: „Martin kommt am Montag, ich will das es
hier zu Hause guuuuuuuuuuuuuuuut aussieht und weiß nicht wiiiiiiiiiiiiiie?“

Absolute Reststille. Nur ein Hahn kräht und ein wenig Vogelgezwitscher ist zu hören. Der Hahn, von dessem Vergnügen ich jetzt lieber nicht rede, hat seine Hennen die die ganze Arbeit machen und die Vögelchen muss ich ausblenden im Hirn, sonst baue ich das Fahrrad endlich zusammen und radle zu ihnen. Doch dann bleibt es hier so wie es ist und da wir morgen den ganzen Tag mit dem e.V. durch den Odenwald wandern wollen, ganz sicher also mit mir!, muss ich jetzt auch mal eine Bombe zünden. Möglichst direkt unter meinem Stuhl.

Es findet sich ja niemand sonst hier denn die einzige goldige Person, die seit 18 Jahren mit mir in einer WG lebt, hat die Nacht zum Tag gemacht. Den Tag damit vermutlich zur Nacht erkoren und das kann dauern. Sollte sie jemals noch aus dem Koma erwachen, meint sie vermutlich zu träumen denn ihr Chaos im Zimmer übertrifft meine Restumfänge bei weitem. Und das, obwohl mir neben diesem bombenverdächtigem Hochexplosivlager in dem sie sorglos selig ihre Träume pflegt, Küche, Bad, Flur und Wohnraum von 40 m im Quadrat und 4m in der Höhe bleiben. Neid? Ja. Zugegeben. Absoluter Neid für diese Gabe die mir nicht gegeben.

Würde sie jemals beginnen ihr Lager auf ‚Vorderfrau‘ zu bringen, ich würde tagelang nichts mehr von ihr sehen und müsste nur ab und zu etwas Essen und Getränke hineinstellen damit sie nicht vollkommen im Handel zwischen Leben und leben lassen verkümmert. Bleibt nur die Frage, wo stelle ich das dann ab? Bin sicher, sie kehrt für den Rest des Wochenendes die Augen nach innen mit dem Vorrecht der Jugend. Mit der unbedarften Erfahrung die sie bereits 18 Jahre lang machen durfte und der damit erworbenen ungetrübten Sicherheit, dass es irgendwann auch bessere Zeiten geben wird. Und der  Faktor Zeit ist der Jugend, im Gegensatz zu uns, eine absolute Unbekannte die man mitsamt allem Unangenehmen, was man hätte tun können, auf eine verlängerte Werkbank schiebt und noch länger als die Bank je sein kann, vergisst.

So kam also eines Tages der wichtige Satz zustande. „Sorry Mama, aber ich habe die Zeit vergessen …“

Sie hat sich von ihrer ersten wichtigen männlichen Beziehung getrennt oder er von ihr oder beide voneinander und lernt momentan das Beziehung auch Arbeit ist. Indem man ausgeht und sich amüsiert? (K)eine leichte Aufgabe, zugegeben. Was sind dagegen so profane Dinge wie die Wäsche und den Rest, der in Schränken vollkommen fehlplatziert wäre, da man damit nur den Überblick verliert, vom Boden aufzuheben? Was ist Schule???

Egal wie, es bleibt also im Hier und Jetzt nur eine Person übrig, denn selbst unser Zwergkaninchen ist leider schon tot. Dem täte ich just in diesem Moment den Hasenstall öffnen, weil, es kommt nun wirklich nicht mehr darauf an …

Drück‘ dich gaaaaaaaaaaaaaanz fest, du liebe reale Welt, und erhebe mich feierlich zur Hinrichtung der Räume. Es gibt immerhin einen Montag, also für irgendetwas muss diese Plagerei ja gut sein.

Nein. Stopp: Einen Ausweg gäbe es vielleicht. Ich guck‘ erst einmal in unsere „ToDo Liste“, unser gemeinsames Projekt „Gemeinsame Zukunft“, ob ich nicht
irgendeine Kleinigkeit  an mein Team delegieren kann…

Das andere Teammitglied, der  Martin, ist mit dem Sohn auf Radtour und träumt von Montagnacht. Leider, leider also bis Montag nur mental erreichbar. Kann ich also nur hoffen, dass er am Montagmorgen, weil da beginnt die Arbeitswoche, aktiv schaltet und ein wenig schlechtes Gewissen ihn dazu bewegt die Blumen nicht zu vergessen die ich mir so was von verdienen werde. Dies aber nur für den Fall, das ich mich hier erhebe.

Wir haben keinen Chef erkoren in unserem  Projekt, das hat uns die Vergangenheit gelehrt. Es würde zu nichts führen. Also sind wir gleichberechtigt
verantwortlich für alles was wir begonnen haben und die Folgen. Doch momentan scheint es, als würde alle Last und kein Vergnügen auf mir liegen. Das sollten wir ändern. ‚Wir müssen reden.‘ geht momentan leider und Montagnacht dreimal nicht. Trage also ein in die ToDo Liste:

ToDo:
Augen zu und durch mit dem starken Motto „Es wird eines Tages Montag sein“ oder „Licht am Ende des Tunnels“ (hoffentlich kein Zug)

Verantwortlich:
Ich allein zu Haus und der Staubsauger und jede Menge Staub, der stattdessen mir eine Rede halten will. Also rede ich besser vorläufig mit diesem ein
deutliches Wort.

Randnotiz:
Wir sind verantwortlich für alles, was wir in einer Nacht mit einem Menschen anstellen der uns die Augen und vor allem das Herz öffnet. Kein hartes Brot
aber auch kein Leichtes, doch habe ich gelernt meine Rechnung zu begleichen.

Termin:
a.s.a.p. (as soon as possible) und fortlaufend

Fortlaufen kann ich nun aber auch mit viel guten Willen nicht mehr denn nun hält mich endlich mal jemand richtig fest auf diesem Planeten und das löst sich hoffentlich nicht so schnell in Staub auf ;o)

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