Pilgerreisen – Beten mit den Füßen

Warum pilgert ein vielseitiger TV-Entertainer zu Fuß fast 800 Kilometer zum Grab des heiligen Jakob? Und warum sei es der wichtigste Weg seines Lebens gewesen? Was genau ist es, was Menschen dazu antreibt, sich in die Fremde zu begeben, um für eine Strecke, die ein Auto in einer halben Stunde zurücklegt, einen ganzen Tag zu wandern?

Die Gründe, warum sich Pilger auf einen anstrengenden und Kräfte zehrenden Weg begeben, können sehr unterschiedlich sein. Ob aus dem Wunsch heraus, bewusst die Langsamkeit wiederzuentdecken oder die Hoffnung auf Gebetserhörung oder die Heilung von einer Krankheit oder einfach auch nur der Abstattung von Dank. Ziel ist es, das Heil für die Seele zu finden.

Alter, Konfession und Status spielen dabei keine Rolle. Jeder, der sich körperlich und seelisch in der Lage fühlt, kann zu einer Pilgerreise aufbrechen.

Dennoch war und ist christliches Pilgern zuallererst religiös motiviert. Die geistige Kraft der heiligen Orte soll den Glauben stärken. Der lange und mühsame (Fuß-)Weg dahin diente der Vorbereitung mit allem, was dazugehörte: Kälte und Entbehrung, Gefahren durch Tiere und Menschen, Blasen an den Füßen, Einsamkeit und Verzweiflung, aber auch die Freude an der Schönheit der Natur und der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Pilgern war und ist keine Individualreise. Pilger suchen zumindest für weite Strecken ihres Weges die Gruppe, teils um bei drohenden Gefahren nicht allein, in Krankheit oder bei Unfällen versorgt zu sein, um auf dem Weg zu singen und zu beten, um sich durch Erzählungen die Zeit zu vertreiben und um gemeinsam zu essen und zu teilen, was jeder hat.

Pilgern hat Menschen zu allen Zeiten fasziniert und verändert. Es verhilft vielen neu oder ganz anders zum Glauben an Gott; es erweitert Horizonte und fördert das Staunen und die Freunde an der Vielfalt der Menschen, Kulturen und Regionen, die einem auf dem Weg begegnen. Und Pilgern schafft eine tiefe Befriedigung, wenn das Ziel erreicht ist.

Berühmte Pilgerorte in Europa sind Rom, Santiago de Compostela in Spanien, Lourdes in Frankreich und Fatima in Portugal.

Pilgerreisen liegen voll im Trend. Haben beispielsweise 1970 nur 68 Pilger den Jakobsweg beschritten, so steigt die Zahl der Pilger stetig an. 2006 wurden bereits knapp 100.000 Pilger gezählt. Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginne, erhält man in Spanien die Antwort: „El camino comienza en su casa“ – Der Weg beginnt in Ihrem Haus.

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