Seniorenstudium – Studieren kennt keine Altersgrenze

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Das Seniorenstudium liegt im Trend. Seit Jahren steigt in den Studiensälen der Anteil an Senioren. Statistiken beziffern deren Zahl schätzungsweise auf rund 55.000. Noch nie haben hierzulande so viele ältere Menschen an Hochschulen studiert wie heute. An so mancher Universität weist über die Hälfte der Gasthörer ein Alter von über 60 Jahren auf. Andere studieren in Vollzeit, absolvieren einen Studiengang oder promovieren. Doch was bewegt Senioren zu einem Studium? Und wie stehen die Chancen, tatsächlich zugelassen zu werden?

Weshalb sich ältere Menschen für ein Studium entscheiden

Noch nie zuvor waren Senioren so fit und fühlten sich so jung wie heute. Die Lebenserwartung steigt und mit ihr auch die körperliche und geistige Fitness. Viele Ältere sind unternehmungslustig, bereisen ferne Orte und treiben Sport. Bewusst entscheiden sie sich gegen den passiven Ruhestand und zu Gunsten eines aktiven Lebensabend. Demnach ist es auch nur bedingt verwunderlich, dass zahlreiche Menschen jenseits der 60 Jahre ein Studium in Angriff nehmen. Nicht wenige von ihnen erfüllen sich einen Lebenstraum und haben das Gefühl, einst eine Chance vergeben zu haben und sich jetzt um diese Erfahrung bereichern zu wollen. Andere sehen das Studium als ideale Gelegenheit dazu, sich geistig fit zu halten, aktiv zu bleiben und das eigene Wissen zu vertiefen. Einige möchten dem typischen Klischee des langweiligen Rentners entgegenwirken. Immer wieder angeführt wird der Wunsch, neue Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Und tatsächlich hat so mancher Senior Freude am Lernen. Schließlich fällt der Druck, das Studium aus Karrieregründen erfolgreich absolvieren zu müssen, weg. Senioren schätzen zudem die Struktur, die nach dem Renteneintritt wieder in den Alltag einkehrt.

Voraussetzungen für ein Seniorenstudium

Die Hörsäle stehen jedem offen. So können Gasthörer zumeist ohne formale Hochschulreife am Lehrangebot der Universitäten teilnehmen – ohne hierbei Abschlussprüfungen absolvieren zu müssen. Ausnahmen hiervon gibt es teilweise lediglich in Bayern. Erklären sich die Dozenten einverstanden, kann die ältere Generation sogar Referate halten und Hausarbeiten schreiben. Keine Rolle spielt das Alter, denn Studieren kennt keine Altersgrenze. So mancher sorgt sich, dass dadurch einem jungen Studenten der Zugang zum Studium verwehrt bleibt. Diese Sorge ist allerdings unbegründet, zumal Gasthörer lediglich Zugang zu den Seminaren und Vorlesungen erhalten, die ausreichende Kapazitäten aufweisen. Nur dort, wo Zeichenplätze oder Laborarbeitsplätze erforderlich sind, ist die Teilnahme von Gasthörern grundsätzlich ausgeschlossen. Wer ein gewöhnliches Studium hingegen mit einem Bachelor abschließen möchte, benötigt im Vorfeld zumeist das Abitur.

Zum Studium ohne Abitur

– ordentliches Studium in vielen Bundesländern bereits mit mittlerer Reife möglich
– alternativ kann eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Aufstiegsfortbildung genügen
– Eingangsprüfung oder „Studium auf Probe“ als Zugangsvoraussetzung
– Zugang zu Gasthörerschaft immer möglich

Zum Studium mit Abitur

– ordnungsgemäße Immatrikulation an sämtlichen Fachhochschulen und Universitäten möglich
– Zugangsvoraussetzungen beachten (Bewerbung, Numerus clausus)

Spezielle Studiengänge für Best Ager

Es gibt auch vereinzelt Möglichkeiten, ein spezielles Studium für Senioren zu absolvieren und ein Zertifikat zu erwerben. Programme lauten etwa

– Erste universitäre Bildungseinrichtung für Senioren in Bad Meinberg (NRW)

Angeboten werden die Studiengänge „Senior Consultant“, „Management im Bürgerschaftlichen Engagement“ und „Studium Generale“. In 2-tägigen Blockveranstaltungen finden die Präsenzphasen statt, während das Studienprogramm als solches 3 Trimester in einem Jahr umfasst.

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Das strukturierte Studienprogramm beinhaltet Seminare sowie Veranstaltungen, die an den Bedürfnissen und Interessen älterer Personen ausgerichtet sind. Teilnehmern bietet sich die Möglichkeit einer fachlichen Studienbegleitung sowie eines Zertifikatsabschlusses.

So lässt sich dem Prüfungsstress begegnen

Jeder sollte sich zunächst bewusst machen, dass Prüfungsstress ganz normal ist. Schließlich geht es auch um etwas. Folgende Tipps haben sich zum Stress- und Angstabbau bewährt:

– Frühzeitiger Lernbeginn
– Gute Organisation und Vermeiden externe Lärmquellen
– Entspannungsübungen und autogenes Training absolvieren
– Erwartungshaltung überprüfen
– Druck durch positive Suggestion mildern
– Einfluss der Prüfung nicht überbewerten
– Sport treiben verbessert seelische Belastbarkeit
– Ungestört Schlafen
– Ausreichend trinken und Pausen machen

Wie ältere Studenten ihren Traum trotz nicht bestandener Prüfung erfüllen

Leider kommt es immer wieder vor, dass auch Senioren die Fortsetzung des Studium aufgrund nicht bestandener Prüfungen verwehrt wird. Doch längst nicht immer erfolgt dies zu Recht. Gerade deshalb sollte in einem solchen Fall eine Prüfungsanfechtung in Erwägung gezogen werden. Aufgrund der juristisch schwierigen Materie ist es sinnvoll, hierfür einen spezialisierten Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Dieser kann am besten beurteilen, ob es sich lohnen kann, eine Wiederholung anzustreben oder für eine bessere Note zu plädieren. Seine Entscheidung trifft er etwa nach einer sorgfältigen Analyse der Prüfungsbedingungen. So sehen Prüfungsgesetze genaue Vorgaben vor für die

– Prüfungsdauer
– Ladung des Prüflings
– Erstellung des Protokolls über die mündliche Prüfung
– Anzahl der Beisitzer
– Anzahl der Prüfer
– Anzahl der Prüflinge

Gilt bloß eine dieser Bedingungen als nicht erfüllt, kann auf eine Wiederholung der Prüfung bestanden und zur Not geklagt werden. Wurden gar korrekte Antworten nachweislich falsch bewertet, ist es sinnvoll, eine bessere Benotung anzustreben. Grundsätzlich wichtig ist das Einhalten der Fristen: So ist der Widerspruch gegen das Prüfungsergebnis seitens des Anwalts innerhalb eines Monats einzulegen.

Fazit

Senioren sind an Hochschulen ein alltägliches Bild geworden. Wer sich daher geistig noch fit fühlt und Spaß am Lernen hat, sollte sich nicht davor scheuen, erneut die Schulbank zu drücken. Die Gasthörerschaft macht es möglich, sogar ohne Abitur an Seminaren und Vorlesungen teilnehmen zu können. Wer hingegen das Abitur besitzt oder spezielle Seniorenstudiengänge besucht, darf sogar einen Abschluss anstreben. Also nichts wie los – denn Studieren kennt keine Altersgrenze.

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