Steinknickle AT

Die bekannte Zigeunerfohrle, eine als Naturdenkmal ausgewiesene, auffallend geformte Waldkiefer

Steinknickle AT

Wir waren wandern. Wobei das kleinste Wort in diesem kleinen Satz: „WIR“,  liest man meinen Wanderbericht, an Bedeutung gewinnt.

„Wir“ haben ein Gruppenfoto gemacht bevor wir uns in Richtung unseres Wanderparkplatzes aufmachten.

Wegweiser

Ein Foto, das die müden Wanderer nach gelungenem Tagwerk zeigen könnte, gibt es nicht. Aber immerhin kamen von 8 Spontan-Wanderfreunden ganze drei mit mir am Ende des Tages und am Ausgangsort an. Ein Foto wollte keiner mehr und ich habe auch nicht darauf gedrängt.

Wir kamen auch nur zu Hause an, da wir in einem Zeitalter leben dürfen, das uns den Umgang mit einem Mobiltelefon gestattet und wir können von großem Glück sagen das der eine die Nummer eines anderen auf diesem Gerät abgespeichert hatte. Merken kann sich ein Mensch in unserem Alter solche Nummern nicht mehr auf lange Distanz. Wir hatten uns gedankenverloren noch nicht einmal vor dem ersten Wanderschritt darauf verständigt, wie wir uns verhalten wollen, kann einer mal nicht weiter, kommt einer vom Weg ab. Nicht einmal jeder von uns hätte für Schlimmeres wirklich einen Notdienst rufen können denn der Wald liebt vor allem eines: Stille. Du solltest nicht damit rechnen das überall ein Mobiltelefon auch mobil telefoniert und nach Hilfe schreit.

Was war also passiert? Das Wetter war so gut wie unsere Laune, zugegeben ein wenig zu schwül aber trocken und die Stimmung auch schon etwas gezügelt weil eben nicht jedem Wanderziel genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden konnte. Erstens kommt es anders und zweitens …

Nun ja, unsere geplante, geführte Wanderung zur Gedenkstätte des letzten Wolfes im Odenwald wurde am Samstagabend durch den erprobten und für gut befundenen Guide ziemlich kurzfristig abgesagt. Das wäre „Erstens“ gewesen, das war der Plan aber es kam noch anders … Er war krank. So krank, dass wir uns alle ohne ihn im Odenwald verlaufen hätten denn es gab keinen der ebenso kurzfristig hätte einspringen können. Keinen Plan „B“ also, das war „Zweitens“.

Also hätte es mit Sicherheit dann bald auch eine „Gedenkstätte zum letzten Wanderer“ gegeben, vorausgesetzt die Spenden, die wir Überlebenden dafür hätten einsammeln müssen, würden dafür genügen und vorausgesetzt, dass einer von uns überhaupt noch nach Hause gefunden hätte um darüber zu berichten.

Dies jedenfalls wurde Einigen von uns heute bewusst die dennoch wandern wollten und sich demzufolge auch frohen Mutes heute Morgen trafen. Ohne jeden Guide und ohne jeden Plan. Dafür fast jeder mit mindestens einer Wanderkarte ausgestattet und mit mindestens noch mehr Wandererfahrung. Man durfte vertrauen und erfuhr bald (Klappe die X te) das Vertrauen niemals vorschnell erteilt werden sollte denn die  allzu Vertrauensseeligen Ahnungslosen unter uns gaben denen den Zuschlag die sich lediglich am lautesten positionierten.

Zugegeben, es war ein Fehler und auf dem ganzen Weg trennte sich die Spreu vom Weizen, wurden Pläne neu geschmiedet, Verlorene mühsam wieder aufgesammelt und last but not least mit einem Mobiltelefon, als endlich alle an einem gemeinsamen Zwischenziel ankamen, ein Ehemann angerufen der eine von uns nach Hause holte. Da waren es nur noch …

Nicht mehr alle von uns haben einen Ehemann. Wir restlichen versuchten immer noch frohgemutes einen Heimweg zu Fuß bis zum Wanderparkplatz denn immerhin sollte man den Weg nun kennen … und verliefen uns wieder als eine von uns, die vorgab den Weg zu wissen,  plötzlich auch nicht mehr zu sehen war. Da waren es nur noch …

Zugegeben, sie kannte den Weg und fand auch ohne uns zurück doch was nutzt dies den anderen in solchen Momenten? Mitten in einem Wald von dem man bislang noch nicht einmal wusste dass es ihn gab? Mit Wegen die in jeder Richtung ein Ziel versprechen, nur weiß man definitiv nicht welches?

Wir gaben nicht auf, hatten dennoch nicht den Mut verloren und sind tapfer intuitiv in die eine oder andere Richtung  gelaufen bis sich eine Zivilisation und das Mobilnetz erkenntlich zeigten. Wir riefen die letzte verbleibende Freundin an. Eine, die uns leider mittendrin zwangsverloren abhandenkam, denn sie liebte es zu fotografieren und verlor uns dabei wohl zu Recht nur allzu gerne. Irgendwann, als wir wieder beratend an Weggabelungen standen um auf seltsame Weise herauszufinden welcher Weg wohl der richtige sein mag.

Sie folgte wohl währenddessen der Natur als Fronnatur mit ihrem Fotoapparat. Da waren es nur noch …

Gab es nämlich etwas in unseren Augen atemberaubendes zu sehen, zu fotografieren, konnte man damit rechnen das die anderen nicht wartenden und man konnte prompt im Geiste das Lied vom „Ein Männlein steht im Walde … „ abrufen. Egal wie der Text weitergeht. Für jeden Hobbyfotografen endete er damit das er nicht still und stumm im Walde stand sonder laut rufen musste.

Weniger laute Wanderer  unter uns wurden oftmals nicht beachtet als sie bei mühevollen Auf- und Abstiegen die es zu bewältigen gab und die, aufgrund einer im Alter nicht mehr so dauerhaft zur Verfügung stehender Kondition schlichtweg nicht zu bewältigen waren, einfach nicht mehr „mitspielen“ konnten. Irgendwann gibt halt ein jeder auf.

Diese letzte verbliebene, fotografierende Freundin hatte also mit einer Unmenge anderer Erfahrungen und vielen Fotos, vor uns eine Ortschaft und ein Lokal gefunden, in dem es mit Freuden erlaubt war sich als gerettet zu betrachten. Sie sandte uns ein Taxi, da wenigstens die Wirtsleute nach unserer Beschreibung herausfanden wo wir uns eigentlich befanden, und wir fanden bei einem guten Glas Wein wieder zueinander. Nun ja, nicht alle, aber der harte Kern der mit mir schließlich auch wieder nach Hause fand.

Es gab dann letztendlich nur einen einzigen frommen Wunsch und der gilt unserem Wanderführer. Er bezog sich darauf ihm eine lange und vor allem dauerhafte Gesundheit zu wünschen. Ohne ihn, wir haben es nun ausgiebig und ohne Ehemann erprobt, enden unsere Versuche in einem Desaster und vor allem hat uns auch niemand über die Dinge berichten können die uns auf dem Weg begegneten – wie er es immer tut. In mir brennt jetzt immer noch die Frage warum hinter Steinknickle ein AT steht. AT, ich bin noch berufstätig, heißt in diesen Kreisen „außer Tarif“.

Sollte ich also nie erfahren warum AT mit auf dem Wanderschild steht, vergessen werde ich es nicht und es immer jedem Steinknickle hinzuzufügen denn „außer Tarif“ war auf jeden Fall diese wunderschöne Wanderung auf der wir so viel gelernt haben.

Über uns selbst, über Hürden und die darauf folgende Lebensfreude. Ganz zu schweigen von den vielen guten Geschichten aus vielerlei Leben die wir uns auf unserem Weg erzählten und die wir erfahren durften.

 

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