Wo die Liebe hinfällt….

Die liebe griechische Verwandtschaft

Es war in Jahr 1975 als ich allein meinen ersten Auslandsurlaub ins „ferne“ Griechenland wagte.
Ich litt damals (genauso wie heute) an chronischen Geldmangel und war froh über die Mitfahrgelegenheit bei einem griechischen Kollegen in seine Heimat.
Bei seiner Wiedersehens Feier mit der Familie, war auch ich eingeladen und lernte dort meinen späteren Mann kennen. Die Wochen vergingen wie im Flug, ewige Treue wurde beim Abschied geschworen und schon auf dem Heimfahrt Schiff war mir klar, das war’s dann wohl.

Kaum daheim angekommen, kam schon der erste Brief von meinem Griechen. Ich konnte ihn natürlich nicht lesen und bemühte ein Übersetzungsbüro mir behilflich zu sein den Text zu entziffern. Was ich nicht erwartete, es kam jeden Tag ein neuer Brief bei mir an.
Jede Briefübersetzung kostete mich sage und schreibe 25 DM nach meinen Gehalt zu messen, fast unerschwinglich. Langsam wurde ich panisch wenn ich an meinen Geldbeutel dachte und das ich damals allein lebend mit meiner kleinen 2 jährigen Tochter auch ab und zu etwas zum essen kaufen muss. Liebe allein macht nicht satt. Meine Briefe an Ihn bedeuteten Nachtschicht einlegen, ich war ja schließlich berufstätig. Ich schrieb den Brief in Deutsch vor und übersetzte mit Hilfe vom Lexikon Wort für Wort. Später erklärte er mir diese Briefe waren wundervoll, nur konnte er überhaupt nichts lesen da alles was ich schrieb keinen zusammenhängenden Sinn ergab.

Ein paar Wochen weiter erhielt ich plötzlich ein Telegramm, komme morgen früh um 5 Uhr am Münchner Hauptbahnhof an.
Inzwischen hatte ich Dank einer Annonce eine griechische Freundin gefunden, die mir kostenlos die vielen Briefe übersetzte, sie war diejenige die mir den Text des Telegramms vorlas, ansonsten wäre ich am nächsten Tag bestimmt nicht vor dem Hauptbahnhof gestanden.
Erst als er so mit einem alten Koffer vor mir stand, wurde mir langsam bewusst auf was ich mich da eingelassen habe. Er kam nicht zu Besuch sondern wollte mit mir leben. Von dem Tag an lebten wir in meiner Wohnung zusammen. In jedem Zimmer, sogar auf dem Klo lag ein Lexikon Griechisch-Deutsch. Da er keine Arbeitserlaubnis im ersten Jahr bekam, verdiente ich unsere „Brötchen“. Meine Eltern bemühten sich redlich meinem Freund Deutsch beizubringen während ich in der Arbeit war.

Nach einem Jahr kam dann das, was ja eigentlich schon vorprogrammiert war, der erste Urlaub in Griechenland bei der Familie. Unter normalen Umständen kein Problem, aber das sich mein Freund der Kronprinz in der Familie ausgerechnet ein Deutsche nahm und noch dazu eine, die bereits ein kleines Kind hatte, war für meinen Familieneinstieg nicht gerade förderlich. Der Tag X rückte immer näher wir standen auf der Autofähre und erblickten schon den Hafen von Igomenitsa. Dort waren ca. 30 Menschen versammelt die riefen und winkten, wie sich gleich herausstellen sollte, meine künftige Verwandtschaft in Griechenland.

Trotz der vorher gegangenen Drohbriefe er soll so eine „Hure“ wie mich sofort verlassen, wurde ich überschwänglich begrüßt. Am leichtesten kam ich mit den Kindern in den nächsten Tagen zurecht, sie liebten sofort diese blonde Tante, die zu dumm war ihre Sprache zu sprechen und zu verstehen. Für den kommenden Abend war ein großes Fest zu meinen Ehren geplant. Ja Griechen können Abgrundstief hassen, aber genauso schnell lieben sie auch. Zu meinem Entsetzen für mich Tierschützer, wurde extra eine arme Ziege geschlachtet und ein Schaf. Ich glaube es fanden sich ca.100 Personen (alles Verwandte)ein um die Deutsche zu begutachten. Bis heute mag ich kein Ziegen-oder Schaffleisch doch an diesem Abend folgte noch schlimmeres. Als große Ehre wurden mir zwei Schafsaugen auf einem Teller serviert. Das war dann der Moment wo ich es wagte entschieden abzulehnen. Es bedurfte unzähliger Erklärungen warum ich diese Augen nicht genießen wollte.

Meine Schwiegermutter war, so glaube ich, die einzige Person die mich verstand. Sie hat nie eine Schule besuchen dürfen, keine Bildung erhalten, aber sie hatte trotz der Einschränkungen eine große Herzenswärme und Güte in sich vereint. Jedenfalls war ich Dank Ihrer Liebe zu mir, plötzlich von allen Familien Mitgliedern heiß geliebt. Das Eis war gebrochen….

Jetzt würde es mich freuen wenn Ihr diese, MEINE Geschichte weiter verfolgen wollt.

Liebe Grüße_Hedi1

(Insgesamt 83x abgerufen, 1x heute abgerufen)
lebensfreude50.de - 50plus Blog Seniorenblog Single