Beiträge zum Thema: Was ist Vollkommenheit?

 
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Merlin47
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Liebe Gundel,


da bin ich mir ziemlich sicher, Du mußt Dir nur einmal anschauen, wie Gedanken und Erinnerungen entstehen und wie daraus eine Entscheidung gestaltet wird.

Was an die Oberfläche unseres Bewußtseins gelangt, ist ja schon durch das Unterbewußtsein gefiltert. Du darfst Dich dann lediglich zwischen Lösung A und B entscheiden. Man nennt das dann den eingeschränkten Willen.

Natürlich können wir uns innerhalb unserer Möglichkeiten entwickeln, aber auch nicht mehr. Beispiele dafür findest Du im Alltag, unserer Gesellschaft und der Politik wieder.

Wir stecken zum Beispiel, wie in ferner Vergangenheit unsere Reviere ab und verteidigen sie (Wohnung, Haus, Gemeinde, Land usw.). Unser ansonsten perfektes Sozialverhalten endet auch schon dann, wenn die Gemeinschaft über 16 Personen geht.

So gibt es noch viele andere Verhaltensmuster, die wir nicht überwinden können.

Die Indianer Nordamerikas kannten zum Beispiel keinen Landbesitz und deshalb kursierte da eine nette Parabel zum Verhalten der Weißen: "Zwei Flöhe sitzen auf einem Hund und streiten sich darüber, wem wohl der Hund gehöre."

Merlin
 
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Ehemaliges Mitglied
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Also, ich setze mich einfach nur immer wieder auf mein Hinterteil und tue "Nichts!" . Mein Atem kommt und geht, Gerüche kommen in meine Nase, Töne an mein Ohr. Wer "Ist" der Ton, der Geruch????

Gedanken lösen sich auf, machen einem tiefen inneren Frieden Platz: ES ist wie ES ist - und das ist gut so!

Merope, die fast immer grundlos '"Glückliche"....
 
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Merlin47
Merlin47
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Lieber Hadi,

ja, Gott ist aus dem gleichen Stoff geschaffen, wie die Engel und die anderen spirituelle Wesen. Gott ist eine Projektion der menschlichen Sehnsüchte, Bedürfnisse und Wertevorstellungen. Das ist auch der Grund, warum man dem Gott eines anderen immer mit Achtung und Toleranz begegnen sollte.

Das schließt aber nicht aus, daß ich über die verschiedenen Gottesvorstellungen der Menschen nicht nachdenken darf. Nach meinem Verständnis kann man die Dinge nur gestalten, wenn man sie auch versteht.

Auch in der christlichen und jüdischen Tradition gibt es unterschiedliche Gottesmodelle. Das geht von einem statischen fernen Gott, bis hin zu einem transzendenten personellen Gott. Auf Grund unserer bildhaft gebundenen Denkstruktur wird aber meist ein personeller Gott bevorzugt. Wesenlos kann er aber grundsätzlich nicht sein, denn damit werden die Werte und Vorstellungen des Gottes beschrieben. Du meinst damit sicherlich körperlos.

Aus welchem Stoff Wesen, wie Engel und Götter geschaffen sind, kann man durch die Betrachtung verschiedener Gottheiten und Geistwesen in unseren Kulturen mit ihren Religionen erkennen. Es ist dabei auch wichtig den Weg des Menschen mit seinem Woher und seinem Wesen verstehen zu können. Am Anfang dieser Erkenntnis war die Frage, warum, wieso und wozu glauben die Menschen an diese Dinge.

Es gibt dazu inzwischen interessante Studien aus der rationalen Wissenschaft, die einen klaren Nutzen dieser Dinge für den Menschen belegen. Menschen mit einem religiösen Hintergrund kommen mit Brüchen im Leben und schwierigen Lebenssituationen allgemein besser zurecht und verarbeiten diese auch leichter.

Noch ein Beispiel, warum es keine zentrale Kraft gibt, die uns bestimmt, sondern viele Faktoren eine Rolle spielen, siehst Du am Leben auf der Erde an sich. Ein wesentlicher Baustein zum Leben ist der Kohlenstoff, aber dieser alleine ermöglicht noch keine Bildung von Molekülen.

Auch mit den anderen möglichen Bausteinen, die zur Bildung von Leben beitragen, sind für sich gesehen keine alleinbestimmenden Faktoren zu diesem Phänomen. Erst mit der Duplizität von Ereignissen und Faktoren kann Leben entstehen. Diese Dinge unterliegen also einer relativ regionalen Gesetzmäßigkeit, die mit der Struktur des Universums nur am Rande etwas zu tun hat.

Alle Dinge verfügen also über einen eigenen Kosmos, jedes Lebewesen, die Erde und das Universum mit seinen Galaxien. Das ist dann auch der Grund, warum wir Mensch niemals in die Vergangenheit reisen könnten, aber das ist ein anderes Thema.

Nun ja, über den freien Willen habe wir hier schon öfters diskutiert und ich der festen Ansicht bin, daß es diesen nicht gibt. Erst die Tage hatte ich einen Artikel aus der Neurowissenschaft gelesen, der nicht nur meine Auffassung noch mehr unterstreicht.

Ich schließe mich da gerne Leuten, wie Kant, Schopenhauer oder Einstein an: „Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.“


Merlin
 
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emirena
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naja, Lefour, Du scheints der Einzige zu sein, der voll durchblickt (grins.

"Vollkommen frei" nehme ich Dir allerdings nicht ganz ab.
Ist aber nicht mein Bier.

unvollkommene Grüße in/an die Provence
emirena
 
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Merlin47
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Hallo Hadi,

um Gott zu verstehen zu können, müssen wir uns selbst und unsere ferne Vergangenheit verstehen. Vor einiger Zeit hatte ich einmal hier im Forum zum gleichen Thema etwas über das Wesen der Engel geschrieben. Da dieser Beitrag relativ groß ist, möchte ich ihn hier nicht wiederholen, sondern lediglich einen Link anfügen:

Beitrag vom 19.09.2009, 18:35
http://www.lebensfreude50.de/forum_themen_beitraege.php?rid=9&tid=325&f=45

Du wirst jetzt sicherlich einwenden, daß Engel und Co. ja keine Götter sind. Das ist vom christlichen Verständnis heraus zwar richtig, aber bei grundsätzlicher Betrachtung sind beide Wesensarten sie aus dem gleichen Stoff beschaffen.

Mit den Göttern werden diese spirituelle Begleiter des Menschen jedoch mit einer ultimativen Macht ausgestattet, die bei einem monotheistischen Gott noch weiter ins Unermessliche gerückt wird.

Das Problem dabei ist, daß sich diese Götter damit auch vom Menschen selbst entfernen. Darin liegt dann auch der Grund, warum sich in der frühen Christenheit verschiedene Heilige zur Anbetung etabliert hatten.

Ich kann auch keinen großen Plan oder Kraft erkennen, das alles bestimmt und von dem alles ausgeht. Wir sind vielmehr von unterschiedlichen Kräften umgeben, welche die Dinge mit einem Geist verbinden. Man darf dabei nicht vergessen, daß mit dem Geist im eigentlichen Sinne ein Gedanke, Idee oder Plan gemeint ist (z.B. der Heilige Geist der Christen).

Du wirst jetzt sicherlich besser verstehen, warum ich es für sinnvoller halte, einem übermächtigen und in die Unendlichkeit entrückten Gott die Gefolgschaft zu kündigen und mich lieber den transzendenten Wesen zuwende, die mich umgeben und deren Nähe ich auch erfahren kann.

Es gibt nichts Schöneres, als bei einem Unwetter draußen in der Natur zu stehen und den Naturgewalten ausgesetzt zu sein. Damit erkenne ich dann auch meinen Platz in dieser Welt.


Merlin
 
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Ehemaliges Mitglied
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Also: ich verstehe den Plural so, dass es alles einschließt: Jedes Ding, jedes Wesen, jede Zeit.

Ist nur meine persönliche Deutung.
 
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emirena
emirena
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"Was mir unabhängig davon in Vers 26 aufgefallen ist, daß dort Gott im Plural spricht, wen mag er da wohl mit „uns“ gemeint haben?" Zitat Merlin

Versuch einer Antwort:
vielleicht handelt es sich schlicht um einen Übersetzungsfehler? Könnte ja passiert sein, wenn der Autor die Sprache des christlichen Gottes nicht perfekt beherrscht hat?

Oder aber es waren ein paar oder ein paar Tausend überzeugte Christen gemeint. Wohl doch sicher nicht die Muslime, die Hindi, die Buddhisten, die Atheisten???

emirena
 
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Ehemaliges Mitglied
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Mensch Merlin (Gestrenger:-)))

Raaaate mal, was ich hier neben mir liegen habe???? Musste mir alles vorwegnehmen? ;.))

Aber ergänzend:

Genesis 1 - Vers 34: (heutiges Deutsch):
"Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte; und er hatte Freude daran, denn alles war sehr gut.
(6. Tag - nach Erschaffung des Menschen....)

Ist "vollkommen" eine Steigerung von sehr gut ? - und wie ist es im altgriechischen Urtext bezeichnet? - Da gibt es ja einige Abweichungen schon bei der Übersetzung ins Lateinische. Beispiel: "Charis" - wurde als "Gnade" übersetzt, obwohl es ja eigentlich "Anmut" bedeutet.

Merope, sich an der Vollkommenheit erfreuend.....
 
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Merlin47
Merlin47
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1. Buch Moses 1, Vers 26:
Und Gott sprach : Laß uns Menschen machen,
ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über
die Fische im Meer, den Vögeln unter dem Himmel
und über das Vieh und über die ganze Erde und
über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

Vers 27:
Und Gott schuf den Menschen ihm, zum Bilde Gottes
schuf er ihn; und schuf ihn; und schuf einen Mann und
eine Frau.

1. Buch Moses 2, Vers 7:
Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenklose,
und blies ihm einen lebendigen Odem in die Nase. Und also ward
der Mensch eine lebendige Seele.

Ich weiß nicht, wie man angesichts dieser Verse nicht zu der Ansicht kommen kann., daß der Mensch nicht von diesem göttlichen Plan durchdrungen sein kann und soll. Nun gut, das ist nun der Gott der Christen und eventuell auch der von Hadi, aber nicht meiner.

Was mir unabhängig davon in Vers 26 aufgefallen ist, daß dort Gott im Plural spricht, wen mag er da wohl mit „uns“ gemeint haben?

Merlin, der Heide :-)
 
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Merlin47
Merlin47
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Liebe gestrenge Merope,

das lateinische Wort "perfectum" bedeutet doch auch vollendet im Sinn von vollkommen. Ich hatte diesen Begriff nur aus stilistischen Gründen als Synonym verwendet, um den Satz nicht mit dem Vollkommenen zu überfrachten. Genehmigt?

Merlin
 
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signorina
signorina
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@ Hadi,

der von Dir angegebene Hinweis aus der Bibel, Gal. 6.7 bezieht sich aber nicht auf die "Saat und Ernte" in der Natur.

Es ist "nur" ein Vergleich und als "geistliches Prinzip" zu verstehen.

Oder irre ich mich???

Signorina
 
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emirena
emirena
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Hallo Merope,

ich verstehe nicht ganz, wie Du den Unterschied zwischen Perfektion und Vollkommenheit siehst.
"Dass nichts fehlt" kann doch nicht nur vom Funktionieren des Universums hergeleitet werden!?
(warum dehnt sich dann das Universum aus, wenn ncihts fehlt?)

Und die Dimension Zeit ist ja auch nur ein Aspekt von vielen, oder nicht?

emirena
 
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Ehemaliges Mitglied
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"Vollkommenheit" muss doch nicht "Perfektion" heißen.

Für mich ist vollkommen, wenn nichts fehlt - im Guten wie im schlechten - und nach diesem Prinzip funktioniert unser Universum seit gut 13 Milliarden Jahren!

Schönen Tag noch
Merope
 
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Merlin47
Merlin47
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Die Dinge erscheinen uns deshalb für vollkommen, weil der Mensch darin seine eigene Sehnsucht nach Perfektion projiziert. Aus diesem Stoff sind übrigens auch die Götter beschaffen.

Das Streben nach Vollkommenheit ist unserer Grundbedürfnisse, das uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind.

Das Gänseblümchen selbst möchte nicht vollkommen sein: wozu auch?


Merlin
 
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emirena
emirena
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noch 'ne berühmte Redewendung, die ich oft zwischen den Zeilen mancher Schreiber lese:
"nobody is perfekt, but me"
 
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emirena
emirena
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nicht jede Erfahrung passt zu jedem Herz.
 
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Hedi1
Hedi1
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Hallo "Signorina",

wie gut das auch ich mich nicht für "vollkommen" halte. ;_)

Gerade meine kleinen Schwachstellen machen mich doch liebenswert.
Ein perfektes Wesen wäre in meinen Augen doch langweilig oder sogar Furcht einflößend?

Auch in der Natur bezaubern mich oft die nicht so "vollkommenen" Dinge.

LG Hedi
 
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signorina
signorina
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Was bin ich doch froh, dass ich nicht "vollkommen" bin und auch dazu stehe.

So kann ich auch ohne Gewissensbisse "schimpfen", bei gelb/rot über die Ampel fahren usw.

Jetzt hatten wir uns so schön an einen "seelenlosen und gottlosen" Menschen gewöhnt, da taucht sein absolutes Gegenstück auf.

Beide verhalten sich im Prinzip aber irgendwie gleich, da sie sehr von sich eingenommen sind und ihre Meinungen bei jedem Thema an den "Mann" bringen wollen.

Und...
beim direkten kritischem Nachhaken weichen beide aus.

Interessant wäre es doch mal, wenn beide gemeinsam in einen virtuellen Ring steigen und wir schauen zu.

Signorina
 
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emirena
emirena
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auch auf die Gefahr hin, dass ich mit dieser Meinung allein stehe - Vollkommenheit gibt es nciht, mensch kann versuchen, der Vollkommenheit möglichst nahe zu kommen. Trotzdem bleibt es Interpretationssache.
Da aber kein Mensch "allmächtig" ist, wird Vollkommenheit nie erreicht werden.

Die Natur? Schon deshalb, weil der Mensch Teil einer solchen Natur ist, kann auch die Natur nicht vollkommen sein.
Ultimative Vollkommenheit ist m.E. gleich STillstand.
STillstand gibt es auch nicht. Und wer würde den auch brauchen?

emirena, querdenkend
 
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Ehemaliges Mitglied
Ehemaliges Mitglied
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Hallo Feuerherz,

wie sagt der kleine Prinz: "Man sieht nur mit dem Herzen gut,"

Und diese Erfahrung kann man auch nur im Herzen machen - und leider nicht weitergeben; aber wer sie kennt, weiß, wovon ich rede.

"Herz"lichst
Merope

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