Beiträge zum Thema: Was lest Ihr gerade?????

27.06.2017 13:53
OlafJohannson
Anzahl Beiträge: 4
ich lese gerade Jorge Luis Borges und die Bibliothek von Babel-
21.06.2017 18:12
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Momentan lese ich von Dirk Bavendamm " Roosevelts Weg zum Krieg " Untertitel: Amerikanische Politik 1914 - 1939.

Klappentext: Die Gefahr eines Dritten Weltkrieges ist in dem halben Menschenalter, das seit dem Zweiten Weltkrieg verging, nicht kleiner, sondern eher grösser geworden. Während sich die politische Debatte um das Stärkeverhältnis zwischen Ost und West in der gegenseitigen Aufrechnung der militärischen Potentiale erschöpft, droht die geschichtliche Dimension der Friedensfrage in Vergessenheit zu geraten. Dabei könnte man in dem Versuch der Reagan-Administration, der Sowjetunion in Gestalt der nachgerüsteten NATO ein Bündnis von überwältigender Macht entgegenstellen, durchaus ein Element der historischen Kontinuität erkennen.
Bevor die Sowjetunion zur nuklearen Supermacht aufstieg, sahen die Vereinigten Staaten von Amerika im nationalsozialistischen Deutschland ihren Weltfeind Nr. 1. Franklin Delano Roosevelt, dem amerikanischen Präsidenten, waren jedoch durch die Neutralitätsgesetze seines Landes in die Opposition im Kongress bis zu einem gewissen Grad die Hände gebunden. Trotzdem gelang es ihm, am Rande der Legalität Mittel und Wege zu finden, um Hitler ebneso geschickt wie erfolgreich entgegenzutreten. Letztlich muss man in der Quarantäne, die Rossevelt 1939 mit Hilfe Englands, Frankreichs und Polens über das Dritte Reich verhängte, sogar den eigentlichen Anlass für Hitlers Aggression sehen.
Diese aufsehenerregende These seines Buches belegt Dirk Bavendamm mit zahlreichen Geheimdokumenten aus dem Englischen Staatsarchiv, die bisher noch nie veröffentlicht wurden. Weit davon entfernt, die aggressive und grausame Natur des Nazi-Regimes zu beschönigen, versucht er, zu ergründen, warum sich die Westmächte und Polen 1939 der nationalsozialistischen Expansion widersetzten. Bavendamm sieht den Grund dafür im weltpolitischen Führungsanspruch der Vereinigten Staaten, die auf der anderen Seite des Atlantiks keine Gegenmacht von vergleichbarer Bedeutung dulden.
Mit seinem spannend, sachlich und informativ geschriebenen Buch wirbt der Autor für ein neues Geschichtsverhält. Für ihn sind Aufstieg und Fall des Dritten Reiches, der Niedergang der europäischen Kolonialmächte und letzlich auch der Kalte Krieg schicksalhaft verwoben mit dem Aufstieg der USA zur nuklearen Supermacht. Nicht zufällig hat man dieses Jahrhundert das" amerikanische Jahrhundert " genannt.
Die zentrale Frage dieses gewaltigen Geschehens, das Dirk Bavendamm vor dem Leser ausbreitet, war Franklin Delano Roosewelt. Er regierte sein Land länger und mit mehr Folgen für die ganze Menschheit als jeder andere Präsident. Unter ihm sind nahm die amerikanische Friedenspolitik jene Formen an, die auch heute noch kriegerische Konflikte auslösen könnten.
15.06.2017 09:54
PeterEisen
Anzahl Beiträge: 12
Ich lese momentan Telluria von V. Sorokin, sehr spannend aber auch zum Teil sehr kompliziert geschrieben.
Davor habe ich den Cool Aid Electric Acid test gelesen. Zum schmökern im Urlaub auch sehr zu empfehlen :)
11.06.2017 22:50
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Momentan lese ich:
George Morgenstern
Pearl Harbor 1941. Eine amerikanische Katastrophe

In den Morgenstunden des 7. Dezember 1941 greifen Kampfflugzeuge des japanischen Kaiserreiches in einem Handstreichunternehmen den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. Ein Großteil der US-amerikanischen Pazifik-Flotte wird vernichtet. Damit beginnt der Krieg auch in dieser Region. Am 8. Dezember erklären die USA und Großbritannien Japan den Krieg. In der bis dahin wenig kriegsbegeisterten amerikanischen Bevölkerung bewirkt das Desaster von Pearl Harbor einen völligen Meinungsumschwung: "Remember Pearl Harbor" ist in aller Munde.

Insgesamt neun offizielle Untersuchungen befaßten sich mit der militärischen Katastrophe und kamen zu den widersprüchlichsten Ergebnissen. So setzte beispielsweise die demokratische Mehrheit im Kongreß-Untersuchungsausschuß alles daran, die Verantwortlichkeiten und den wahren Ablauf der Ereignisse zu verschleiern. Dies führte schließlich dazu, daß die republikanische Minderheit einen abweichenden Abschlußbericht verfaßte.

Bis heute sind noch viele Fragen offen. So ist bekannt, daß die amerikanischen Nachrichtendienste von Army und Navy bereits Monate vor Pearl Harbor in der Lage waren, den japanischen Funkverkehr abzuhören und zu entschlüsseln. Somit hätten die USA schon lange vor dem Angriff von japanischen Kriegsvorbereitungen wissen müssen. Statt dessen war man später sehr bemüht, ein Bild vom friedliebenden Amerika zu malen, das aus heiterem Himmel von den japanischen Militaristen überfallen wurde. Entgegen den Verlautbarungen Roosevelts ging jedoch aus den entschlüsselten Funktelegrammen des japanischen diplomatischen Funkverkehrs eindeutig hervor, daß Japan sich verzweifelt bemühte, zu einer friedlichen Einigung mit den USA zu kommen, das aber seinerseits mit ständigen Provokationen antwortete.

Gerade die Rolle Roosevelts bei den Ereignissen am Ende des Jahres 1941 ist äußerst dubios. Es steht fest, daß er schon Anfang Dezember von einem unmittelbaren japanischen Angriff Kenntnis haben mußte. Ihm war außerdem bekannt, daß Pearl Harbor stark gefährdet war. Es geschah aber nichts, um die US-Streitkräfte im Pazifik, insbesondere die Flotte in Pearl Harbor, zu warnen. Aufgrund dieser und noch vieler weiterer Tatsachen muß man zur Schlußfolgerung kommen, daß Präsident Roosevelt 2.400 amerikanische Soldaten opferte, um die Öffentlichkeit über seine wahren Kriegsabsichten zu täuschen.

Das vorliegende Buch deckt bislang unbekannte Forschungsergebnisse auf und liest sich dabei wie ein Kriminalstück. Bei der Tätersuche kommt es zu verblüffenden Ergebnissen, die die wahren Hintergründe über den Kriegseintritt der USA aufzeigen. Ein folgenreicher Kriegseintritt, dessen unrühmlicher Höhepunkt die Atombombenverbrechen von Hiroshima und Nagasaki waren und in dessen Gefolge das japanische Volk dem gleichen Schicksal erlag wie auch das deutsche Volk.

Rezession von Dietmar Engelhard
01.06.2017 21:22
TheBigLebauerski
Anzahl Beiträge: 9
Ich lese zurzeit wieder die alten Harry Potter Bücher und finde sie immer noch toll. Wenn man alle Teile kennt, erkennt man so viele Details, die auf später hinweisen. Echt gut gemacht!
01.06.2017 19:43
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Momentan lese ich von Joachim Fernau:

Deutschland, Deutschland über alles
Beschreibung:
Seit seinem Erscheinen hat Joachim Fernaus Deutschland-Buch die Gemüter bewegt. Immer wieder folgen neue Leser fasziniert dieser heiter wirkenden Chronik der Deutschen, die aber von tiefstem Ernst ist und ein unbestechlich klares Wissen um die Pannen unserer Geschichte verrät.

Mir gefällt sein Stil; leicht, mit einem Augenzwinkern, ironisch und manchmal auch zynisch.
30.05.2017 10:30
JohanvdS
Anzahl Beiträge: 11
Die Wellen von Woolf
10.05.2017 18:49
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Jetzt lese ich:
„14/18. Der Weg nach Versailles“ von Jörg Friedrich

Mag der britisch-australische Historiker Christopher Clark mit seinem Opus Magnum „Die Schlafwandler“ auch das herausragende Standardwerk zum Ersten Weltkrieg geschrieben haben, so legt sein deutscher Kollege Jörg Friedrich zur 100-jährigen Wiederkehr des Kriegsausbruchs ein wichtiges Komplementärwerk vor.
Wo sich Clark in exzellenter Analyse und mit immer neuen verblüffenden Schlüssen dem Warum und insbesondere der Kriegsschuldfrage nachgeht, wirft der für seine unbequemen und auch unkonventionellen Fragestellungen bekannte – und bei manchen Wissenschaftskollegen umstrittene – Friedrich in seinen gewichtigen, fast allumfassenden Schilderungen des Krieges eine Vielzahl provokanter Fragen auf, wie sie noch nie gestellt wurden. Das aber mit geradezu aufregenden Ergebnissen in seinen fundierten Schlussfolgerungen.
„14/18 – Der Weg nach Versailles“ lautet der Titel und der Autor vernachlässigt die Frage der Kriegsschuld weitgehend, steht aber spürbar auf der Linie Clarks, der die alleinige Kriegstreiberrolle Kaiser Wilhelm II. ja weitgehend widerlegt hat. Friedrich weist sogar darauf hin, dass „Wilhelm Zwo“ in seinen 26 Jahren Regentschaft bis zum Juli 1914 keinen einzigen Krieg geführt hat, von der militärischen Beteiligung auf westlicher Seite am chinesischen Boxer-Aufstand mal abgesehen.
Kriegsverbrechen und Gräueltaten gab es seitens aller Kriegsführenden, den Deutschen aber unterlief ein folgenschwerer Fehler, als sie zu Kriegsbeginn das neutrale Belgien überfielen und es wegen zivilen Widerstands brutale Vergeltungsmaßnahmen gab. Das nun dauerhafte heraufbeschworene Bild der „Hunnen“ entfaltete als Propaganda bis Kriegsende eine fatale Wirkung. Doch der Autor schildert in dem Tausendseiter nicht nur ebenso detailliert wie fesselnd die vielen Schauplätze und die politischen Vorgänge, er hinterfragt all das mit messerscharfer Logik.
So stellt er klar, wie sehr die Pläne und Illusionen, die bis Kriegsausbruch währten, bereits bis Ende 1914 allesamt Makulatur waren. Manche Thesen scheinen gewagt, doch Friedrichs Analysen sind einleuchtend und fast immer auch schlüssig. Danach hätten eigentlich alle Seiten Grund gehabt, bei diesem Stand der Dinge einen Frieden auszuhandeln. Allerdings stand dem bereits die Entwicklung des „Gut-Böse“-Schemas entgegen: wer hätte mit diesen „Hunnen“ und „Barbaren“ einen Frieden schließen wollen?!
Wichtig bei Friedrichs Vorgehen der Kriegsbeschreibung ist aber auch, dass er den oft zu Unrecht vernachlässigten östlichen Kriegsschauplatz zuerst angeht, denn hier war das Zarenreich der Angreifer, der als erster zuschlug und nur mit Mühe gestoppt werden konnte. Und die Donaumonarchie geriet gegen diesen starken Gegner sogar in sehr ernste Schwierigkeiten. Auch andere, meist weniger beachtete Fronten werden beleuchtet und Friedrich kritisiert, dass viele Historiker den Ersten Weltkrieg zu einseitig über die Westfront definieren.
Hier wiederum stellt er etliche verblüffende Thesen auf über den Kriegsverlauf, bei dem das zahlenmäßig unterlegene Kaiserreich gleich mehrfach den Krieg so gut wie gewonnen hatte. Das war 1915 nach der Flandernschlacht so, 1916 gab es sogar eine gefährliche Meuterei der französischen Soldaten gegen den menschenverachtenden General Nivelle, doch – das deutsche Militär bemerkte nicht, dass die Front quasi wie ein offenes Scheunentor zur einer mutmaßlich kriegsentscheidenden Invasion lockte.
Gänzlich ungnädig geht der Historiker die Qualitäten, das teils unfassbare Versagen, unglaubliche Irrtümer und die politischen Haltungen der wichtigsten Heerführer und Staatenlenker an. Hier analysiert er sogar die Motivation der USA für ihren Kriegseintritt 1917 als ganz vorrangig ökonomisch, wenngleich verbrämt mit demokratischen Idealen. Die Quintessenz des Kriegsverlaufs im Jahr 1917 schließlich bringt Friedrich zu der ebenso überraschenden wie naheliegenden Schlussfolgerung: „Deutschland hatte den Krieg gewonnen, hat es aber nicht bemerkt.“
Die Begründung ist bestechend, schließlich war der Zweifrontenkrieg durch die Niederlage Russlands beendet und die entsprechenden Truppenverstärkungen an der Westfront veränderten die Situation gravierend. Weit und breit fand sich jedoch niemand, diese Chance für einen Verhandlungsfrieden zu nutzen, zum Beispiel unter Aufgabe Elsaß-Lothringens seitens des Deutschen Reichs. Allerdings wäre trotz der Kriegslage wohl auch keiner der Kriegsgegner bereit gewesen, mit den „Hunnen“ zu verhandeln. Auch und gerade wegen deren noch immer vorhandener militärischer und industrieller Stärke.
Der dann aufgezwungene Friedensvertrag war aus Rache und Revanchegelüsten entstanden und Friedrich muss gar nicht beschreiben, wie sich eine Demütigung wie im Versailler Frieden von 1919 auswirken musste. Er legt den Finger immer wieder in gern übertünchte Wunden und demaskiert die Gut-Böse-Einordnung. Die Art seines Vorgehens und die zuweilen durchaus eigenwillige aber stets stringente Argumentationsweise mag insbesondere manchem Historiker nicht gefallen, sie führt so jedoch zu wohltuend unverstellten Blickwinkeln.
Geschrieben ist das faktenreich, wissenschaftlich außerordentlich fundiert und dazu sehr lebendig. Verfasst insbesondere für den interessierten Laien, sind für den ganz großen Genuss gewisse Vorkenntnisse aber unbedingt zu empfehlen. Fazit: ein ungemein wertvoller Beitrag zur Betrachtung und Analyse des Ersten Weltkriegs, der dort weiterführt, wo Christopher Clarks „Die Schlafwandler“ aufhört.
07.05.2017 00:24
Cora60
Anzahl Beiträge: 7
Vielen Dank, Sprotte, das klingt interessant! Eine andere Sichtweise über die USA, als allgemein üblich. Aber auch nicht verwunderlich, Herr Fernau stand dem Nationalsozialismus sehr nahe.
Gute Nacht!
07.05.2017 00:01
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Guten Abend, besser fast gute Nacht, Cora60,
ich habe vorsichtshalber eine andere Beschreibung gesucht und gefunden, die ich anschliessend einstelle. Dazu möchte ich noch sagen, dass Joachim Fernau typischer Preusse ist, eben zynisch, sarkastisch und ironisch ist. Ich kann nur empfehlen, das Buch zu lesen oder das Hörbuch, m. E. hervorragend gesprochen von Dieter Mann zu hören.

Beschreibung

"In Amerika muss immer die Rechnung stimmen; die Moral kommt später..." Joachim Fernau demontiert den "American Dream" und kommentiert scharfsinnig und provokant, wie schlecht die Chancen für die meisten "im Land der unbegrenzten Möglichkeiten" waren und sind. Unbeeindruckt vom Rausch des Aufstiegs, dem Rausch der Parolen und dem Rausch der Macht schlägt sein Herz für die Verlierer der amerikanischen Geschichte. Von der Entdeckung Amerikas, den Indianerkriegen, der Unabhängigkeitserklärung, dem Bürgerkrieg bis zum Zweiten Weltkrieg: Wenn sich Joachim Fernau dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" widmet, dann stets respektlos, provokant und mit bissigem Humor. Der Streifzug des Bestsellerautors quer durch die Geschichte der USA zeigt die Schattenseiten des "American Dreams", seine Sympathie gilt den Verlierern in diesem Land, das seine Seele längst verloren hat. Und so weiß Fernau nur wenig Schmeichelhaftes zu berichten über die verehrten Autoritäten der USA. Er holt Washington, Lincoln, Jefferson oder Roosevelt vom hohen Sockel und zeigt, dass sie sich nicht mit Ruhm bekleckert haben. Das Fazit seiner ungewöhnlichen Geschichtsstunde: Wenn die Amerikaner so friedliebend sind -- warum stürzen sie sich dann in fast jeden Krieg?
06.05.2017 23:12
Cora60
Anzahl Beiträge: 7
Habe ich das richtig verstanden, lieber Sprotte: "... Hätten sie nicht die Indianer ausgerottet, würde Amerika ein ganz anderes Schicksal erfahren haben. Es hätte das Schicksal Afrikas gehabt. Das heißt: es wäre jetzt so weit, dass die Weißen das Land räumten und 20 oder 30 Indianerstaaten ihre Befreiung vom Joch der Kolonialherren feierten….“
- Das klingt ja ganz so als sollte man froh darüber sein, dass die Indianer ausgerottet wurden? Aber vielleicht ist das auch nur wieder ein Beispiel dafür, dass man falsch versteht, wenn ein Text aus dem Kontext gerissen ist.
02.05.2017 17:00
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Momentan lese ich -wieder einmal - :

HALLELUJAH - Die Geschichte der USA von Joachim Fernau
Beschreibung:
In diesen Tagen nach Obamas Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten sind die USA ein sehr aktuelles und beliebtes Gesprächsthema.

Welch ein Zufall, dass mir letztes Wochenende auf dem Flohmarkt ein kleines Büchlein in die Hände fällt, dessen Titelblatt die amerikanische Flagge und das Wappentier, der Seeadler, zieren. Nun gibt es sicherlich tausende von Sachbücher über die USA, ihre Geschichte, ihre Politiker und ihre Menschen, die getrost zu den großen Langweilern gezählt werden können. Doch der provokante Titel „Hallelujah“ und die wenigen Worte auf dem hinteren Einband lassen erkennen, daß es hier nicht um trockene Geschichtsschreibung geht, und sie erlauben es nicht, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Dort steht wörtlich:

„Dass es die Vereinigten Staaten von Amerika gibt, verdanken wir vor allem den Briten. Hätten sie nicht die Indianer ausgerottet, würde Amerika ein ganz anderes Schicksal erfahren haben. Es hätte das Schicksal Afrikas gehabt. Das heißt: es wäre jetzt so weit, dass die Weißen das Land räumten und 20 oder 30 Indianerstaaten ihre Befreiung vom Joch der Kolonialherren feierten….“ Wer von dem Autor Joachim Fernau… eine verkappte Liebeserklärung an Amerika erwartet hat, dem wird nach diesem Zitat klar, dass er sich geirrt hat. Fernaus Buch ist kritisch und scharf: Der Autor legt unnachsichtig den Finger auf die vielen dunklen Punkte, die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (auch) hat.“

Zu Hause angekommen, wollte ich einfach nur das Vorwort lesen, um das Buch angemessen in der Reihe der noch zu lesenden Bücher zu platzieren. Nach einer Stunde bemerkte ich, dass ich schon das halbe Buch verschlungen hatte – und las fasziniert weiter bis zum (bitteren) Ende.

Diese gepfefferten Ansichten des Autors sind schon drei Jahrzehnte alt und so brandaktuell wie sie nur sein können. Da frage ich mich, warum dieses Büchlein damals nicht so publik wurde, dass man es nicht übersehen konnte? Der Autor lebt nicht mehr, aber seine Worte werden wohl von keinem Leser dieses Werkes vergessen werden. Wer die Fratze der USA sehen und so unsere Welt besser verstehen will, sollte dieses Büchlein mehrmals lesen und an alle persönlich wichtigen Personen weitergeben. Es verdient keinen Ruheplatz im Regal – es muss gelesen werden, bis es auseinander fällt.
02.05.2017 11:01
PeterEisen
Anzahl Beiträge: 12
ich habe gerade die Spionin von Coelho zu Ende gelesen. Super!
13.04.2017 16:12
Sprotte1946
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Zur Entspannung mal etwas Belletristik:
Annie Proulx " Schiffsmeldungen "

Beschreibung:

E. Annie Proulx, die mehrfach preisgekrönte amerikanische Autorin, erzählt in ihrer herb-poetischen Sprache die Geschichte eines Mannes in den Dreißigern. Quoyle, der äußerlich wenig ansehnliche Held des Romans, hat weder Glück im Beruf noch in der Liebe. Als er wieder einmal vor dem Nichts steht, läßt er sich dazu überreden, zum Herkunftsort seiner Familie, zu der Felseninsel Neufundland im Osten Kanadas, zurückzukehren. Trotz widriger Bedingungen gelingt es ihm hier, Fuß zu fassen. Quoyle wird Reporter für die 'Schiffsmeldungen' beim Lokalblatt.
30.03.2017 18:01
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Momentan lese ich:
Amerikas ungeschriebene Geschichte von Oliver Stone, Peter Kuznick

Beschreibung:

WORUM GEHT ES? Amerikas Aufstieg zur Supermacht wird gemeinhin als heroische Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt dieses Buches, das der amerikanische Filmregisseur Oliver Stone zusammen mit dem Historiker Peter Kuznick geschrieben hat, stehen die Schattenseiten dieses Aufstiegs: blutige Eroberungskriege, die Kolonisierung Lateinamerikas durch Großkonzerne, der Aufstieg von Großbanken als Kriegsgewinnler, Rassismus und Antisemitismus, der Abwurf von Atombomben ohne militärischen Nutzen, die brutale Kriegführung in Vietnam, Afghanistan und im Irak, die Inszenierung von Militärputschen in Lateinamerika und Afrika, Mord, Folter, Menschenrechtsverletzungen. Ein umfassendes Sündenregister, ein Schwarzbuch Amerika, eine Chronik der Unterdrückung, Ausbeutung und Versklavung. WAS IST BESONDERS? Kompetent und fundiert liefern Stone und Kuznick rechtzeitig zum kommenden Präsidentschaftswahlkampf eine kritische Bilanz der Schattenseiten von Amerikas Aufstieg zur Weltmacht.
27.03.2017 10:05
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
Momentan lese ich:
Toshi Yoshihara und James R. Holmes: „Der rote Stern über dem Pazifik“;
Buchbesprechung:

Chinas Aufstieg als Seemacht – und wie antworten die USA? Das ist die Frage, welche das Buch zu beantworten versucht. Die Marine der Volksbefreiungsarmee Chinas (PLA Navy) wächst. Doch wie, in welchem Umfang und vor allem, wozu? Chinas Aufstieg zur Seemacht hat Auswirkungen auf die Marinestrategie der Vereinigten Staaten.
 
Die USA haben den asiatischen Pazifikraum zum neuen strategischen Schwerpunkt erklärt. Präsident Barack Obama erläuterte in einer Rede vor dem Parlament im australischen Canberra, als Pazifik-Nation würden die USA „eine größere und langfristigere Rolle in der Gestaltung dieser Region und ihrer Zukunft spielen“. Da neben der Mehrheit der Atommächte auch etwa die Hälfte der Menschheit in Asien beheimatet sind, werde die Region „in hohem Maße bestimmen, ob das kommende Jahrhundert von Konflikt oder Zusammenarbeit, unnötigem Leid oder menschlichem Fortschritt gekennzeichnet sein wird“, sagte Obama.
Um das zu verstehen, beginnen die Autoren Toshi Yoshihara und James R. Holmes mit einer Einführung in das Werk des US Konteradmiral Alfred Thayer Mahan (1840-1914). Mahan definiert als Grundpfeiler für den Status Seemacht eines Staates die Außenhandelswirtschaft, Handels- und Kriegsmarine sowie Kolonien bzw. Stützpunkte. Jeder dieser drei Pfeiler bildet einen Zacken im Dreizack Poseidons, wobei sich die Autoren insbesondere mit dem Zacken „Kriegsmarine“ auseinandersetzen. Es scheint, dass chinesische Analysten sehr den im Westen in Vergessenheit geratenen Autor sehr sorgfältig studieren. Das interessante an seinen Theorien ist das ganzheitliche Verständnis vom Zusammenhang Handel-Flotte-Stützpunkte um eine Nation wirtschaftlich voranzubringen. Mahan schliesst das Recht ein, mit angemessenen Mitteln grösstmöglichen nationalen Fortschritt zu erreichen. Das ergibt zwei Brücken für die nächsten Kapitel im Buch. Zum einen erfolgt eine geographische Analyse – wobei die dem chinesischen Festland vorgelagerten Inseln hervorragende Stützpunkte für eine Machtprojektion in den Pazifik wären. Das wiederum ist ein Hinweis auf die nach wie vor ungelöste Frage um Taiwan. Zum anderen erfolgt eine historische Analyse, in die Autoren die Situation zwischen Grossbritannien und dem kaiserlichen Deutschland vor dem ersten Weltkrieg der Lage Chinas und der USA gegenüberstellen. Deutschland musste aus der Enge der Nordsee ausbrechen, England sah sich in Gefahr und rüstete massiv auf. China, anstelle von Deutschland, muss ebenfalls aus der Enge der Gelben, bzw. Südchinesischen See ausbrechen und sieht sich der seit 60 Jahren den Pazifik beherrschenden US Navy gegenüber. Die US Navy ist kriegserprobt – die PLA Navy war bis jetzt nur vor Somalia bei der Piratenbekämpfung aktiv im Einsatz.
Der Moment scheint gut, eine der vielen dem Chinesischen Festland vorgelagerten Inseln einzunehmen um aus der erwähnten Enge auszubrechen. Taiwan scheint ein perfekter, unsinkbarer Flugzeugträger für die Chinesen zu sein. Ein von China besetztes Taiwan würde erheblichen Einfluss auf die Benutzung der Strasse von Malakka haben, einem der wichtigsten Eingangstore für die Versorgung von Festlandchina. Angenommen, China würde tatsächlich Taiwan besetzen, und die USA würden tatsächlich Intervenieren, wie wären die Seestreitkräfte, die sich gegenüberständen konzipiert? Oder anders gefragt, welche Waffensysteme kämen in den Einsatz? Die USA besitzen mit ihren AEGIS-Schiffen eine hochtechnologische Plattform zur Raketenabwehr was sie zu einem Ziel mit hoher Priorität macht. Können AEGIS-Schiffe versenkt werden, wird der Schild um das Kernelement der US Navy, nämlich die Flugzeugträger, löchrig. Eine ballistische Rakete ist im Vergleich zu einem Flugzeugträger geradezu lächerlich billig. Insbesondere wenn zu „Standardflächenbombardements der früheren Sowjetunion“ gegriffen würde. Dem Vernehmen nach wurde aufgrund der Leistungsfähigkeit der Sensoren auf den AEGIS Schiffen die Panzerung vermindert.
Die Autoren beleuchten in diesem Zusammenhang noch einen weiteren Aspekt: Unterseeboote. Sie kommen im Wesentlichen zum Schluss, dass China, welches seine Nuklearwaffen „als weitgehend psychologische Mittel in einem Kampf des Willens und nicht als verwendbare Waffen betrachtet“, mit etwa 6 Unterseebooten ein Bedrohungspotential aufbauen könnte. Die Crux daran, die Unterseeboote müssten, um ihre Vorteile voll ausspielen zu können, in den Pazifik gelangen da die chinesischen Küstengewässer nicht sehr tief sind. Die Entdeckungsgefahr in seichten Gewässern ist gross und setzt die Überlebensfähigkeit der Plattform herab, was wiederum den Wert der U-Boote mindert. Einmal mehr zeigt sich, dass China, wenn es seine Ansprüche als Grossmacht tatsächlich durchsetzen will, zwingend die beiden dem Festland vorgelagerten Inselketten überwinden muss.
China beschwichtigt zwar die Nachbarn bezüglich seiner hegemonialen Ansprüche. Doch China ist daran, das Gleichgewicht in den Meerengen auszuhebeln. Westliche Beobachter mussten Einschätzungen überdenken, da die Modernisierungsmassnahmen der Volksbefreiungsarmee, und somit auch der chinesischen Volksbefreiungsmarine, bei weitem das übertroffen haben, was die Beobachter einst für unerreichbar gehalten haben. Die Zeichen stehen nicht unbedingt zu Gunsten der US Navy.
Dieses Buch überzeugt durch seine äusserst fundierten Analysen zu einem Dreizack, der auch uns in der Schweiz vielleicht nicht mitten ins Herz, aber doch immerhin empfindlich treffen kann. Präsident Barack Obama und seine Nachfolger haben noch einen weiten Weg vor sich.
19.02.2017 00:47
Sprotte1946
Anzahl Beiträge: 1410
;o,entan lese ich:

Charakterwäsche.
Die amerikanische Besatzung in Deutschland und ihre Folgen
Caspar von Schrenck-Notzing, Stuttgart: Seewald 1965.

Der Band gehört zu den konservativen Bestsellern der Bundesrepublik. Bis heute sind sieben, immer wieder aktualisierte, Auflagen erschienen, davon zwei als Ullstein-Taschenbuch. Dabei war Charakterwäsche das erste im eigentlichen Sinn politische Buch Caspar von Schrenck-Notzings und befaßte sich gleich mit dem »Zentraltabu« der Nachkriegszeit: der Umerziehungspolitik der Alliierten, insbesondere der Amerikaner.

Das Zentraltabu des heutigen Deutschland in allen seinen Teilen ist das der besatzungsgeschichtlichen Ursprünge und Hintergründe unserer Gegenwart.

Tabu war das Thema insofern, als schon die Nennung des Sachverhalts heikel schien, man in staatstragenden Kreisen peinlich berührt wirkte, wenn es um die volkspädagogischen Bemühungen der Sieger ging, und lange Zeit Konsens herrschte, daß die Praxis entweder hilflos-gutgemeint oder grotesk war. Solche Unterschätzung erlaubte sich Schrenck-Notzing nicht. Er sah in der re-education ein Herrschaftsmittel, darauf ausgerichtet, ständige Kontrolle der Deutschen nicht durch direkte, sondern durch indirekte Machtausübung zu gewährleisten. Auf Grund seiner intensiven Studien in den Aktenbeständen der ehemaligen US-Militärverwaltung kam er zu dem Schluß, daß es den Siegern des Zweiten Weltkriegs nicht einfach um Vernichtung eines Gegners und Beute, auch nicht um Entnazifizierung und Demokratisierung gegangen war, sondern um einen nachhaltigen Eingriff in die Mentalität der Besiegten, eine Korrektur der Kollektivpsyche, um die Deutschen harmlos zu machen und als Konkurrenten auszuschalten. Der Triumph von 1945 war allerdings nur zu verewigen, wenn man sich mit seinen Bemühungen auf die Nachwachsenden konzentrierte und in Deutschland selbst genügend Willige – die »Liberalen« – fand, die die Sache der Umerziehung aus eigenem Antrieb fortsetzen würden, um mittels self re-education zu vollenden, was die Alliierten nur begonnen hatten.

Die großen Blätter haben das Buch Schrenck-Notzings bei Erscheinen einhellig kritisch, aber durchaus respektvoll behandelt. In der öffentlichen Debatte spielte es allerdings keine Rolle, was nicht nur mit der politischen Haltung des Autors und nicht nur mit seinen Thesen, sondern auch mit der Tatsache zu tun hatte, daß die historische Erforschung der unmittelbaren Nachkriegszeit ausstand und bis heute aussteht.
18.02.2017 20:33
Heureka
Anzahl Beiträge: 5
werri schrieb:
Bin gerade auf das Forum aufmerksam geworden und habe mal die Beiträge durchgeblättert. Es wird ja doch noch viel gelesen. Trotz Fernsehen und Internet.
Mir fiel auf, dass hier viele Sachbücher vorgestellt werden. Deshalb zum Ausgleich der Hinwe...
"Altes Land" von Dörte Hansen

Danke für die erwärmenden Worte für dieses Buch, Du hast mich wirklich neugierig gemacht.
Bei meinem nächsten Besuch beim örtlichen Buchhändler werde ich mich danach umsehen.

Ein schönes Wochenende und Gruß aus dem Süden,
I.
11.02.2017 11:55
Fritzfritz
Anzahl Beiträge: 3
Arno Gruen : Der Fremde in uns
Das Sachbuch ist nicht ganz einfach zu lesen, weil man immer wieder an konkrete Beispiele des eigenen 'verlorenen Teils ' erinnert wird und dessen Konflikt mit den später anerzogenen Verhaltensmusterm. Gruen, der leider 2015 starb, erklärt die Folgen für das eigene Verhalten, den eigenen selbstschädigenden Positionswechsel. Das Buch erschien 2002 , z. Zt. 12. Auflage.
10.02.2017 20:21
Ehemaliges Mitglied
Anzahl Beiträge: 25
Udo Ulfkotte der leider verstorben ist!
"Gekaufte Journalisten" ist meine Empfehlung um zu sehen, wie seriös wir mit Meldungen versorgt werden!