Beiträge zum Thema: Was lest Ihr gerade?????

27.08.2017 10:58
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Jetzt lese ich:
Gerd Schultze-Rhonhof
1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte: Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg



Was hat die Generation meines Vaters dazu bewogen, nur 20 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg Adolf Hitler in einen neuen Krieg zu folgen? Die Suche des Autors nach einer Antwort führt zu überraschenden Ergebnissen. Dokumente beteiligter Außenministerien, Notizen und Memoiren englischer, französischer, italienischer und amerikanischer Regierungschefs, Minister, Diplomaten und Armeeoberbefehlshaber belegen: Es war eine ganze Anzahl von Staaten, die den Zweiten Weltkrieg angezettelt haben. Zusammenhänge werden deutlich, die bislang schlichtweg übergangen wurden. „Dieser Krieg“, so Schultze-Rhonhof, „hatte viele Väter“. Vieles in unserer deutschen Geschichte zwischen 1919 und 1939 ist ohne Kenntnis des zeitgleichen Geschehens in anderen Ländern nicht zu verstehen, zu eng greifen oft Wirkung und Wechselwirkung ineinander. Doch es ist nicht allein die zeitgleiche Geschichte unserer Nachbarvölker, die den Kriegsbeginn beeinflußt hat, es ist auch – und das nicht unerheblich – die gemeinsame Vorgeschichte der streitenden Parteien. Der israelische Botschafter in Bonn, Asher ben Nathan, antwortete in einem Interview auf die Frage, wer 1967 den 6-Tage-Krieg begonnen und die ersten Schüsse abgegeben habe: „Das ist gänzlich belanglos. Entscheidend ist, was den ersten Schüssen vorausgegangen ist.“ So hat fast jede Geschichte ihre Vorgeschichte.
23.08.2017 18:26
Sprotte1946
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Zur Entspannung lese ich:
Beaty, David:
Vorortzug



Pendler im Vorortzug: Menschen, die sich nur vom Sehen kennen, vom Warten auf dem Bahnsteig, vom Gedränge beim Ein- und Aussteigen. Eines Tages bleibt der Zug plötzlich in dem alten dunklen Tunnel stehen, durch den er Tag für Tag rattert. Die Lichter in den Abteilen erlöschen, undurchdringliche Finsternis umgibt die Fahrgäste. Von panischer Angst erfasst, sucht jeder von ihnen zum ersten Mal die Nähe des anderen, um Trost zu finden. In dieser bangen Stunde werden Lebensweichen neu gestellt. Beziehungen bahnen sich an, Gefühle werden geweckt, Hoffnungen flammen auf, die sich vielleciht nie erfüllen werden. Der Autorenname David Beaty ist in aller Welt ein Markenzeichen für anspruchsvolle, spannende Unterhaltung. Er erzählt die Geschichte der Menschen im VORORTZUG so hautnah, dass der Leser sich in das Geschehen einbezogen fühlt,
15.08.2017 12:27
kongus
kongus Anzahl Beiträge: 3
Graeme Simsion:
'Das Rosie-Projekt'

- selten hat mich ein Buch sooo aus der Fassung und zum Lachen gebracht.

Christine Westermann. WDR: Sehr, sehr unterhaltend

( Der Nachfolgeband ist eben der Nachfolger - nicht halb so gut )
27.07.2017 18:27
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Momentan lese ich:
David S. Wyman
Das unerwünschte Volk
Amerika und die Vernichtung der europäischen Juden

Klappentext
Deutsch von Karl Heinz Silber. Der amerikanische Historiker beschäftigt sich ausführlich mit der Frage, inwieweit die USA selbst eine Mitschuld an der Vernichtung der europäischen Juden trägt. In seiner schockierenden Bilanz zeigt er, dass und warum die US-Regierung in den 40er Jahren so gut wie nichts unternommen hat, um jüdischen Flüchtlingen zu helfen, die vor den Nazis in die USA hatten fliehen wollen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2000

Das Buch geht der Frage nach, warum die USA so wenig zur Rettung der europäischen Juden während der Nazizeit unternommen haben. Es handelt sich, so Rezensent Hans-Martin Lohmann, um eine "außerordentlich gründlich" recherchierte Untersuchung, die auf einfache Schuldzuweisungen verzichtet. Auf der einen Seite werden eine Reihe von Schutzbehauptungen von amerikanischer Seite demontiert, auf der anderen Seite aber, so der Rezensent, wird aufgezeigt, dass unterschiedliche Faktoren eine Rolle gespielt haben. Amerikanischer Antisemitismus ebenso wie Uneinigkeit der amerikanischen Juden. Die starke zionistische Fraktion etwa konzentrierte sich vor allem auf die Gründung eines eigenen Staates in Palästina. Zuletzt, und da stimmt der Rezensent zu, sei die "Fernstenliebe" grundsätzlich der moralische "Ausnahmefall".
25.07.2017 11:19
Ehemaliges Mitglied
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Kamasutra - zwischen 200 und 300 nach Chr. verfasst.
Ein mythisches Buch für Liebhaber schöner Werke...
aber vor allem für Liebhaber der Leidenschaft.
Empfehlenswert, bringt nicht nur Abwechslung in Ihr Schlafzimmer,
sondern auch frischen Wind in Ihrer Beziehung.
24.07.2017 00:18
Ehemaliges Mitglied
Ehemaliges Mitglied Anzahl Beiträge: 2
Von Susanne Fröhlich "Der Hund, die Krähe, das Om .... und ich!

Eine herrlich leichte Frauenlektüre zum Thema Yoga, so witzig geschrieben, dass es wirklich Spaß macht, zu lesen. Auch wenn ich nicht wirklich mit Pfündchen zu kämpfen habe und auch kein echter Yogi bin, wer noch ein wenig Amüsement im Urlaubskoffer braucht: Hier ist es.
21.07.2017 22:24
Ehemaliges Mitglied
Ehemaliges Mitglied Anzahl Beiträge: 2
Ich lese gerade :
Ein Date mit der Seele / Ilka Plassmeier

Wer kennt sie nicht, die Krisenzeiten, Lebensumbrüche oder unerwarteten Entscheidungen. Vieles bewältigt man allein, automatisch. Hier hilft die persönliche Lebenserfahrung. Und doch gibt es sich wiederholende Situationen, in denen man einfach nicht weiter weiß, weil man die (meist einfache) Lösung nicht sieht. Was möchte einem das Leben hiermit sagen? Was für Resonanzen senden wir aus, um immer wieder in gleiche oder ähnliche Situationen zu gelangen? Warum ist es mitunter so schwer, sich aus diesen Situationen zu "befreien"? Und worauf deutet die äußere Situation in Bezug auf meine Beziehung zu mir selbst und meiner Seele hin (Außen wie Innen)?

"Ein Date mit der Seele" zeigt Wege und eine Methode auf, seine innere Stimme wieder zu bemerken und ihr zu vertrauen, sich selbst wieder zu vertrauen, neue Wege zu beschreiten und effektiv Lösungen zu integrieren.

Dieses Buch erläutert Hintergründe zu seelischen Blockaden. Es nimmt Dich mit auf eine Reise, die das Herz berührt, unter die Haut geht und ein (neues) Verständnis für die Seele und die Zusammenhänge im Leben schafft.

Anhand von vielen Praxisbeispielen schildert die Autorin Ilka Plassmeier anschaulich und einfühlsam, wie man sich aus unbewussten Verstrickungen löst, körperliche und seelische Balance findet, Schwächen zu Stärken transformiert, Mut, Leichtigkeit, Vertrauen und Selbstbewusstsein entwi-ckelt und sein ungeahntes Potenzial entfaltet. Eine wertvolle Chance, das eigene Leben neu zu gestalten.

Ilka Plassmeier, Heilpraktikerin für Psychotherapie und erfahrener Coach, leitet seit Jahren erfolgreich Seminare, Ausbildungen und Workshops und hält Vorträge. Mit dem Buch "Ein Date für die Seele" gewährt sie erstmals Einblicke in ihre Tätigkeit und schildert, wie es sich anfühlt und was pas-siert, wenn man seiner Seele begegnet.
16.07.2017 19:38
Marisa6
Marisa6 Anzahl Beiträge: 2
Ich lese momentan
Deborah Feldman , Unorthodox ,
Die Protagonistin , ein wissbegieriges, junges Mädchen lebt in der amerikanischen chassidischen Satmar-Gemeinde und lehnt sich im Laufe der Geschichte gegen diese frauenfeindliche , religionsfanatische Welt auf und wir werden Zeuge ihrer außergewöhnlichen Entwicklung .
spannend, berührend und sehr interessant .
ich kann es empfehlen.
16.07.2017 11:43
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Momentan lese ich:
Roosevelts Krieg: amerikanische Politik und Strategie 1937 - 1945
von Dirk Bavendamm

Da eine neutrale Beschreibung leider nicht im Netz zu finden ist, stelle ich ersatzweise einen link ein; ich bitte um Nachsicht dafür:

http://www.deutschlandjournal.de/Deutsc ... _Krieg.pdf
27.06.2017 13:53
OlafJohannson
OlafJohannson Anzahl Beiträge: 4
ich lese gerade Jorge Luis Borges und die Bibliothek von Babel-
21.06.2017 18:12
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Momentan lese ich von Dirk Bavendamm " Roosevelts Weg zum Krieg " Untertitel: Amerikanische Politik 1914 - 1939.

Klappentext: Die Gefahr eines Dritten Weltkrieges ist in dem halben Menschenalter, das seit dem Zweiten Weltkrieg verging, nicht kleiner, sondern eher grösser geworden. Während sich die politische Debatte um das Stärkeverhältnis zwischen Ost und West in der gegenseitigen Aufrechnung der militärischen Potentiale erschöpft, droht die geschichtliche Dimension der Friedensfrage in Vergessenheit zu geraten. Dabei könnte man in dem Versuch der Reagan-Administration, der Sowjetunion in Gestalt der nachgerüsteten NATO ein Bündnis von überwältigender Macht entgegenstellen, durchaus ein Element der historischen Kontinuität erkennen.
Bevor die Sowjetunion zur nuklearen Supermacht aufstieg, sahen die Vereinigten Staaten von Amerika im nationalsozialistischen Deutschland ihren Weltfeind Nr. 1. Franklin Delano Roosevelt, dem amerikanischen Präsidenten, waren jedoch durch die Neutralitätsgesetze seines Landes in die Opposition im Kongress bis zu einem gewissen Grad die Hände gebunden. Trotzdem gelang es ihm, am Rande der Legalität Mittel und Wege zu finden, um Hitler ebneso geschickt wie erfolgreich entgegenzutreten. Letztlich muss man in der Quarantäne, die Rossevelt 1939 mit Hilfe Englands, Frankreichs und Polens über das Dritte Reich verhängte, sogar den eigentlichen Anlass für Hitlers Aggression sehen.
Diese aufsehenerregende These seines Buches belegt Dirk Bavendamm mit zahlreichen Geheimdokumenten aus dem Englischen Staatsarchiv, die bisher noch nie veröffentlicht wurden. Weit davon entfernt, die aggressive und grausame Natur des Nazi-Regimes zu beschönigen, versucht er, zu ergründen, warum sich die Westmächte und Polen 1939 der nationalsozialistischen Expansion widersetzten. Bavendamm sieht den Grund dafür im weltpolitischen Führungsanspruch der Vereinigten Staaten, die auf der anderen Seite des Atlantiks keine Gegenmacht von vergleichbarer Bedeutung dulden.
Mit seinem spannend, sachlich und informativ geschriebenen Buch wirbt der Autor für ein neues Geschichtsverhält. Für ihn sind Aufstieg und Fall des Dritten Reiches, der Niedergang der europäischen Kolonialmächte und letzlich auch der Kalte Krieg schicksalhaft verwoben mit dem Aufstieg der USA zur nuklearen Supermacht. Nicht zufällig hat man dieses Jahrhundert das" amerikanische Jahrhundert " genannt.
Die zentrale Frage dieses gewaltigen Geschehens, das Dirk Bavendamm vor dem Leser ausbreitet, war Franklin Delano Roosewelt. Er regierte sein Land länger und mit mehr Folgen für die ganze Menschheit als jeder andere Präsident. Unter ihm sind nahm die amerikanische Friedenspolitik jene Formen an, die auch heute noch kriegerische Konflikte auslösen könnten.
15.06.2017 09:54
PeterEisen
PeterEisen Anzahl Beiträge: 12
Ich lese momentan Telluria von V. Sorokin, sehr spannend aber auch zum Teil sehr kompliziert geschrieben.
Davor habe ich den Cool Aid Electric Acid test gelesen. Zum schmökern im Urlaub auch sehr zu empfehlen :)
11.06.2017 22:50
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Momentan lese ich:
George Morgenstern
Pearl Harbor 1941. Eine amerikanische Katastrophe

In den Morgenstunden des 7. Dezember 1941 greifen Kampfflugzeuge des japanischen Kaiserreiches in einem Handstreichunternehmen den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. Ein Großteil der US-amerikanischen Pazifik-Flotte wird vernichtet. Damit beginnt der Krieg auch in dieser Region. Am 8. Dezember erklären die USA und Großbritannien Japan den Krieg. In der bis dahin wenig kriegsbegeisterten amerikanischen Bevölkerung bewirkt das Desaster von Pearl Harbor einen völligen Meinungsumschwung: "Remember Pearl Harbor" ist in aller Munde.

Insgesamt neun offizielle Untersuchungen befaßten sich mit der militärischen Katastrophe und kamen zu den widersprüchlichsten Ergebnissen. So setzte beispielsweise die demokratische Mehrheit im Kongreß-Untersuchungsausschuß alles daran, die Verantwortlichkeiten und den wahren Ablauf der Ereignisse zu verschleiern. Dies führte schließlich dazu, daß die republikanische Minderheit einen abweichenden Abschlußbericht verfaßte.

Bis heute sind noch viele Fragen offen. So ist bekannt, daß die amerikanischen Nachrichtendienste von Army und Navy bereits Monate vor Pearl Harbor in der Lage waren, den japanischen Funkverkehr abzuhören und zu entschlüsseln. Somit hätten die USA schon lange vor dem Angriff von japanischen Kriegsvorbereitungen wissen müssen. Statt dessen war man später sehr bemüht, ein Bild vom friedliebenden Amerika zu malen, das aus heiterem Himmel von den japanischen Militaristen überfallen wurde. Entgegen den Verlautbarungen Roosevelts ging jedoch aus den entschlüsselten Funktelegrammen des japanischen diplomatischen Funkverkehrs eindeutig hervor, daß Japan sich verzweifelt bemühte, zu einer friedlichen Einigung mit den USA zu kommen, das aber seinerseits mit ständigen Provokationen antwortete.

Gerade die Rolle Roosevelts bei den Ereignissen am Ende des Jahres 1941 ist äußerst dubios. Es steht fest, daß er schon Anfang Dezember von einem unmittelbaren japanischen Angriff Kenntnis haben mußte. Ihm war außerdem bekannt, daß Pearl Harbor stark gefährdet war. Es geschah aber nichts, um die US-Streitkräfte im Pazifik, insbesondere die Flotte in Pearl Harbor, zu warnen. Aufgrund dieser und noch vieler weiterer Tatsachen muß man zur Schlußfolgerung kommen, daß Präsident Roosevelt 2.400 amerikanische Soldaten opferte, um die Öffentlichkeit über seine wahren Kriegsabsichten zu täuschen.

Das vorliegende Buch deckt bislang unbekannte Forschungsergebnisse auf und liest sich dabei wie ein Kriminalstück. Bei der Tätersuche kommt es zu verblüffenden Ergebnissen, die die wahren Hintergründe über den Kriegseintritt der USA aufzeigen. Ein folgenreicher Kriegseintritt, dessen unrühmlicher Höhepunkt die Atombombenverbrechen von Hiroshima und Nagasaki waren und in dessen Gefolge das japanische Volk dem gleichen Schicksal erlag wie auch das deutsche Volk.

Rezession von Dietmar Engelhard
01.06.2017 21:22
TheBigLebauerski
TheBigLebauerski Anzahl Beiträge: 8
Ich lese zurzeit wieder die alten Harry Potter Bücher und finde sie immer noch toll. Wenn man alle Teile kennt, erkennt man so viele Details, die auf später hinweisen. Echt gut gemacht!
01.06.2017 19:43
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Momentan lese ich von Joachim Fernau:

Deutschland, Deutschland über alles
Beschreibung:
Seit seinem Erscheinen hat Joachim Fernaus Deutschland-Buch die Gemüter bewegt. Immer wieder folgen neue Leser fasziniert dieser heiter wirkenden Chronik der Deutschen, die aber von tiefstem Ernst ist und ein unbestechlich klares Wissen um die Pannen unserer Geschichte verrät.

Mir gefällt sein Stil; leicht, mit einem Augenzwinkern, ironisch und manchmal auch zynisch.
30.05.2017 10:30
JohanvdS
JohanvdS Anzahl Beiträge: 10
Die Wellen von Woolf
10.05.2017 18:49
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Jetzt lese ich:
„14/18. Der Weg nach Versailles“ von Jörg Friedrich

Mag der britisch-australische Historiker Christopher Clark mit seinem Opus Magnum „Die Schlafwandler“ auch das herausragende Standardwerk zum Ersten Weltkrieg geschrieben haben, so legt sein deutscher Kollege Jörg Friedrich zur 100-jährigen Wiederkehr des Kriegsausbruchs ein wichtiges Komplementärwerk vor.
Wo sich Clark in exzellenter Analyse und mit immer neuen verblüffenden Schlüssen dem Warum und insbesondere der Kriegsschuldfrage nachgeht, wirft der für seine unbequemen und auch unkonventionellen Fragestellungen bekannte – und bei manchen Wissenschaftskollegen umstrittene – Friedrich in seinen gewichtigen, fast allumfassenden Schilderungen des Krieges eine Vielzahl provokanter Fragen auf, wie sie noch nie gestellt wurden. Das aber mit geradezu aufregenden Ergebnissen in seinen fundierten Schlussfolgerungen.
„14/18 – Der Weg nach Versailles“ lautet der Titel und der Autor vernachlässigt die Frage der Kriegsschuld weitgehend, steht aber spürbar auf der Linie Clarks, der die alleinige Kriegstreiberrolle Kaiser Wilhelm II. ja weitgehend widerlegt hat. Friedrich weist sogar darauf hin, dass „Wilhelm Zwo“ in seinen 26 Jahren Regentschaft bis zum Juli 1914 keinen einzigen Krieg geführt hat, von der militärischen Beteiligung auf westlicher Seite am chinesischen Boxer-Aufstand mal abgesehen.
Kriegsverbrechen und Gräueltaten gab es seitens aller Kriegsführenden, den Deutschen aber unterlief ein folgenschwerer Fehler, als sie zu Kriegsbeginn das neutrale Belgien überfielen und es wegen zivilen Widerstands brutale Vergeltungsmaßnahmen gab. Das nun dauerhafte heraufbeschworene Bild der „Hunnen“ entfaltete als Propaganda bis Kriegsende eine fatale Wirkung. Doch der Autor schildert in dem Tausendseiter nicht nur ebenso detailliert wie fesselnd die vielen Schauplätze und die politischen Vorgänge, er hinterfragt all das mit messerscharfer Logik.
So stellt er klar, wie sehr die Pläne und Illusionen, die bis Kriegsausbruch währten, bereits bis Ende 1914 allesamt Makulatur waren. Manche Thesen scheinen gewagt, doch Friedrichs Analysen sind einleuchtend und fast immer auch schlüssig. Danach hätten eigentlich alle Seiten Grund gehabt, bei diesem Stand der Dinge einen Frieden auszuhandeln. Allerdings stand dem bereits die Entwicklung des „Gut-Böse“-Schemas entgegen: wer hätte mit diesen „Hunnen“ und „Barbaren“ einen Frieden schließen wollen?!
Wichtig bei Friedrichs Vorgehen der Kriegsbeschreibung ist aber auch, dass er den oft zu Unrecht vernachlässigten östlichen Kriegsschauplatz zuerst angeht, denn hier war das Zarenreich der Angreifer, der als erster zuschlug und nur mit Mühe gestoppt werden konnte. Und die Donaumonarchie geriet gegen diesen starken Gegner sogar in sehr ernste Schwierigkeiten. Auch andere, meist weniger beachtete Fronten werden beleuchtet und Friedrich kritisiert, dass viele Historiker den Ersten Weltkrieg zu einseitig über die Westfront definieren.
Hier wiederum stellt er etliche verblüffende Thesen auf über den Kriegsverlauf, bei dem das zahlenmäßig unterlegene Kaiserreich gleich mehrfach den Krieg so gut wie gewonnen hatte. Das war 1915 nach der Flandernschlacht so, 1916 gab es sogar eine gefährliche Meuterei der französischen Soldaten gegen den menschenverachtenden General Nivelle, doch – das deutsche Militär bemerkte nicht, dass die Front quasi wie ein offenes Scheunentor zur einer mutmaßlich kriegsentscheidenden Invasion lockte.
Gänzlich ungnädig geht der Historiker die Qualitäten, das teils unfassbare Versagen, unglaubliche Irrtümer und die politischen Haltungen der wichtigsten Heerführer und Staatenlenker an. Hier analysiert er sogar die Motivation der USA für ihren Kriegseintritt 1917 als ganz vorrangig ökonomisch, wenngleich verbrämt mit demokratischen Idealen. Die Quintessenz des Kriegsverlaufs im Jahr 1917 schließlich bringt Friedrich zu der ebenso überraschenden wie naheliegenden Schlussfolgerung: „Deutschland hatte den Krieg gewonnen, hat es aber nicht bemerkt.“
Die Begründung ist bestechend, schließlich war der Zweifrontenkrieg durch die Niederlage Russlands beendet und die entsprechenden Truppenverstärkungen an der Westfront veränderten die Situation gravierend. Weit und breit fand sich jedoch niemand, diese Chance für einen Verhandlungsfrieden zu nutzen, zum Beispiel unter Aufgabe Elsaß-Lothringens seitens des Deutschen Reichs. Allerdings wäre trotz der Kriegslage wohl auch keiner der Kriegsgegner bereit gewesen, mit den „Hunnen“ zu verhandeln. Auch und gerade wegen deren noch immer vorhandener militärischer und industrieller Stärke.
Der dann aufgezwungene Friedensvertrag war aus Rache und Revanchegelüsten entstanden und Friedrich muss gar nicht beschreiben, wie sich eine Demütigung wie im Versailler Frieden von 1919 auswirken musste. Er legt den Finger immer wieder in gern übertünchte Wunden und demaskiert die Gut-Böse-Einordnung. Die Art seines Vorgehens und die zuweilen durchaus eigenwillige aber stets stringente Argumentationsweise mag insbesondere manchem Historiker nicht gefallen, sie führt so jedoch zu wohltuend unverstellten Blickwinkeln.
Geschrieben ist das faktenreich, wissenschaftlich außerordentlich fundiert und dazu sehr lebendig. Verfasst insbesondere für den interessierten Laien, sind für den ganz großen Genuss gewisse Vorkenntnisse aber unbedingt zu empfehlen. Fazit: ein ungemein wertvoller Beitrag zur Betrachtung und Analyse des Ersten Weltkriegs, der dort weiterführt, wo Christopher Clarks „Die Schlafwandler“ aufhört.
07.05.2017 00:24
Cora60
Cora60 Anzahl Beiträge: 6
Vielen Dank, Sprotte, das klingt interessant! Eine andere Sichtweise über die USA, als allgemein üblich. Aber auch nicht verwunderlich, Herr Fernau stand dem Nationalsozialismus sehr nahe.
Gute Nacht!
07.05.2017 00:01
Sprotte1946
Sprotte1946 Anzahl Beiträge: 1010
Guten Abend, besser fast gute Nacht, Cora60,
ich habe vorsichtshalber eine andere Beschreibung gesucht und gefunden, die ich anschliessend einstelle. Dazu möchte ich noch sagen, dass Joachim Fernau typischer Preusse ist, eben zynisch, sarkastisch und ironisch ist. Ich kann nur empfehlen, das Buch zu lesen oder das Hörbuch, m. E. hervorragend gesprochen von Dieter Mann zu hören.

Beschreibung

"In Amerika muss immer die Rechnung stimmen; die Moral kommt später..." Joachim Fernau demontiert den "American Dream" und kommentiert scharfsinnig und provokant, wie schlecht die Chancen für die meisten "im Land der unbegrenzten Möglichkeiten" waren und sind. Unbeeindruckt vom Rausch des Aufstiegs, dem Rausch der Parolen und dem Rausch der Macht schlägt sein Herz für die Verlierer der amerikanischen Geschichte. Von der Entdeckung Amerikas, den Indianerkriegen, der Unabhängigkeitserklärung, dem Bürgerkrieg bis zum Zweiten Weltkrieg: Wenn sich Joachim Fernau dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" widmet, dann stets respektlos, provokant und mit bissigem Humor. Der Streifzug des Bestsellerautors quer durch die Geschichte der USA zeigt die Schattenseiten des "American Dreams", seine Sympathie gilt den Verlierern in diesem Land, das seine Seele längst verloren hat. Und so weiß Fernau nur wenig Schmeichelhaftes zu berichten über die verehrten Autoritäten der USA. Er holt Washington, Lincoln, Jefferson oder Roosevelt vom hohen Sockel und zeigt, dass sie sich nicht mit Ruhm bekleckert haben. Das Fazit seiner ungewöhnlichen Geschichtsstunde: Wenn die Amerikaner so friedliebend sind -- warum stürzen sie sich dann in fast jeden Krieg?
06.05.2017 23:12
Cora60
Cora60 Anzahl Beiträge: 6
Habe ich das richtig verstanden, lieber Sprotte: "... Hätten sie nicht die Indianer ausgerottet, würde Amerika ein ganz anderes Schicksal erfahren haben. Es hätte das Schicksal Afrikas gehabt. Das heißt: es wäre jetzt so weit, dass die Weißen das Land räumten und 20 oder 30 Indianerstaaten ihre Befreiung vom Joch der Kolonialherren feierten….“
- Das klingt ja ganz so als sollte man froh darüber sein, dass die Indianer ausgerottet wurden? Aber vielleicht ist das auch nur wieder ein Beispiel dafür, dass man falsch versteht, wenn ein Text aus dem Kontext gerissen ist.
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