Beiträge zum Thema: Charlotte und die Männer - Auszug

22.08.2017 19:41
Ehemaliges Mitglied
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Hier mal ein Auszug aus einem lustigen Buch. Passt irgendwie hier rein. Oder?


Zeitungsannoncen

Nach dieser Misere wusste ich, dass mir die tollen Männer bestimmt nicht auf der Arbeit, nachts um 2:00 Uhr in der Disco oder morgens beim Einkaufen über den Weg laufen würden. Wo waren die nur alle? Wie sollte ich einen Mann finden, wenn ich zu 'unnormalen' Zeiten arbeitete und nur dann frei hatte, wenn ein berufstätiger Mann arbeitet? Per Zeitungsannonce! Das war die Idee! Einen Versuch war es jedenfalls wert.

Aber die Sache stellte sich als komplizierter heraus, als ich dachte. Ich antwortete z. B. auf eine Anzeige, die lautete: "Junger Mann, Einsachtzig groß, 75 Kilo, dunkelhaarig, sympathisch, vorzeigbar, berufstätig, sucht Frau fürs Leben!"
Die Realität sah folgendermaßen aus: Junger Mann - na das stimmte. Einsachtzig groß - bezweifelte ich stark, da ich einszweiundsiebzig groß bin und er etwa zehn Zentimeter kleiner war als ich. 75 Kilo - der war so dünn, der konnte sich hinter einem Laternenpfahl verstecken. Also höchstens 57 Kilo (wenn überhaupt). Dunkelhaarig - keine Ahnung, da er sich eine Glatze rasiert hatte. Sympathisch - er arbeitete unter Tage in einem Bergwerk. Also war er es wohl nicht gewohnt, sich zu unterhalten. Wer will auch schon mit Kohlen reden? Leider bin ich nicht aus Stein und so musste ich mich sehr beherrschen, um bei dem Date nicht einzuschlafen.
Vorzeigbar - Oh je! Falls ihr das mal irgendwo lest, blättert nur schnell weiter! Vorzeigbar ist so ein weiter Begriff. Wenn ich ihn der Katze meiner Eltern vorgestellt hätte, wäre die wohl lauten fauchend, mit gesträubtem Rückenfell aus dem Zimmer gestürmt. Die Frühstückseier hätte man mit dem erschrecken können.
Mann oh Mann. Wie bringt man so einem bei, dass er nicht so ganz dein Typ ist! Ich sagte ihm dann, dass es an seiner Größe liegen würde. Er sei ja ganz nett, aber ich könne mir eine Beziehung mit ihm nicht vorstellen.
Sein Kommentar: "auch gut!"

Die nächste Annonce lautete: "Netter einundvierziger, einsfünfundachtzig groß, 95 Kilo, Raucher, würde dich gerne mit einem Dinner bei Kerzenschein verwöhnen und dabei nett über Literatur und Zeitgeschehen plaudern!"
Wir trafen uns in einem der teuersten Restaurants der Stadt. Er wollte mich einladen! Um etwas vorwegzunehmen: er war tatsächlich sehr nett, einsfündundachtzig groß, 95 Kilo schwer und Raucher. Außerdem war er Apotheker und ich konnte mich sehr angeregt mit ihm unterhalten. Allerdings war die einundvierzig nicht sein Alter, sondern sein Geburtsjahr. Damit war er genau so alt wie meine Mutter. Also gab es auch hier kein zweites Treffen.

Danach beschloss ich, selbst eine Anzeige aufzugeben. Um ehrlich zu sein, probierte ich es gleichzeitig mit zwei sehr verschiedenen Annoncen. Die eine lautete: "Schmusekatze sucht Schmusekater zum Kuscheln und Jagen!"
Die andere war etwas seriöser. "Hilfe! Suche einen liebevollen, netten Mann, der mit mir durch Dick und Dünn geht, der gerne lacht, mit einer Schulter zum Anlehnen. Bin einundreißig, einszweiundsiebzig groß, 66 Kilo, dunkelhaarig und Brillenträgerin."
Ich bekam jede Menge Post! Auf die erste Anzeige circa dreißig Zuschriften, und auf die zweite nur sieben Briefe.
Die dreißig Zuschriften auf die erste Annonce waren allesamt obszön und unterste Schublade! Also Lesen, Schmunzeln, Abhaken, Entsorgen.
Die anderen Briefe waren schon etwas besser. Einer war allerdings auf einem fleckigen, abgerissenen Papierfetzen geschrieben mit einer Kleinkind-Schrift. Der wanderte zu den anderen in die Ablage 'P' wie Papierkorb. Blieben sechs übrig.
Der ausführlichste und netteste Brief begeisterte mich total, bis ich den Absender genauer anschaute. 'Die Justizvollzugsanstalt, Abteilung B, Zelle acht'. Der hatte bestimmt Zeit zum Schreiben - aber das mit dem Treffen würde sich wohl als eher schwierig herausstellen! Noch einer für die Ablage 'P'. Die restlichen waren dann durchweg nett geschrieben, allerdings nicht sehr ausführlich.
Drei Männer hatten Fotos dazugelegt. Der eine lehnte lässig an seinem Segelboot, der andere stand neben einem nigel-nagel-neuen BMW (nicht seiner, wie sich später herausstellte) und der dritte hatte ein Gruppenbild geschickt und vergessen anzustreichen, welcher er war. Zwei Treffen hatte ich damals noch. Eins mit dem Segelboot und das andere mit dem BMW. Beides waren solche Snobs. Hochnäsig bis zum Gehtnichtmehr. Und Fremdwörter kannten die - die gibt's bis heute noch nicht!

Danach hatte ich eigentlich die Nase von Männern erst mal wieder gestrichen voll!
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