Beiträge zum Thema: Lieblingsgedichte bzw. Geschichte

 
12.05.2018 10:55
Ehemaliges Mitglied
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Anzahl Beiträge: 1
Ich habe ein paar sehr schöne fortlaufende Gedichte zum Nachdenken gefunden. Der Autor ist übrigens Jens Hauk.
Ich dachte ich stell sie mal rein..
Lg klaus

Der Clown
Noch zehn Minuten dann ist er dran,
die letzte Vorstellung seines Lebens fängt an.
Traurig sitzt er vor dem Spiegel, und sagt: „Weine nicht!“
Und schminkt sich ein rotweißes Lachen in sein Gesicht.
Vor ein paar Stunden hat er die Diagnose erfragt,
Clown Du bist krank, hat man ihm gesagt.
Eine Krankheit die noch nicht heilbar ist,
aber gib nicht auf, bleib wie Du bist.
Noch fünf Minuten dann ist er dran,
fängt dann wirklich die letzte Vorstellung für ihn an?
So viele Jahre hat man über ihn gelacht,
und immer hat er den Menschen Freude gebracht.
Er war der Clown, Tag ein, Tag aus,
mit seiner roten Nase und viel Applaus.
Nun geht es los, jetzt ist er dran,
seine letzte Vorstellung fängt wie immer an.
Durch den Vorhang betritt er seine Welt,
die runde Manege und das Zirkuszelt.
Das Publikum applaudiert und lacht,
wenn der Clown nur seine Späße macht.
Doch plötzlich setzt er sich einfach hin,
laut sagt er: „Es hat doch keinen Sinn!“
Ganz still ist es nun im Zelt,
nur ein Scheinwerfer, der sein Gesicht erhellt.
Und im Licht sieht man ihm an,
dass der Clown nicht mehr lachen kann.
Tränen laufen über sein rotweiß lachendes Gesicht,
ein kleines Mädchen ruft: „Bitte Clown weine nicht!“
Er sagt allen warum er nicht mehr lachen kann,
nun fängt auch das kleine Mädchen zu weinen an.
Es steht auf und geht zu ihm hin:
„Lieber Clown, alles hat seinen Sinn!
Du bist für uns der Clown geblieben,
auch mit der Krankheit werden wir Dich lieben.
Vielleicht kannst Du nicht mehr rennen und springen,
aber Du der Clown wirst uns immer zum Lachen bringen.

Der Clown lebt
Ein leeres Zirkuszelt,
noch vom Licht erhellt.
In der Mitte kniet der Clown,
allein, aber nicht einsam wirkt sein Schauen.
Die Vorstellung hat ihm gelehrt,
jeder Mensch hat seinen Wert.
Sein Kopf füllt sich mit Gedanken,
die sich wieder zu einem Ganzen ranken.
Schlafend hinter seiner Maske versteckt,
doch sein Herz hat ihn wieder aufgeweckt.
„Das Leben leben,“ sagt er leis,
Freiheit, Glück, alles hat seinen Preis.
Er winkt dem kleinen Mädchen hinterher,
auch ihr Platz ist längst leer.
Sie hat ihm ihre Tränen geschenkt,
so dass er jetzt ganz anders denkt.
Ja kleines Mädchen Deine Worte machen Sinn,
„anders gesund“ ist mein Gewinn.
Viele Vorstellungen wird es noch geben,
für den Clown und sein neues Leben.

Der Clown geht
Die Jahre gingen und gehen dahin,
gefüllt voll Freude und Lebensgewinn.
Das kleine Mädchen ist längst groß,
doch sie lebt in seinem Gedankenschoß.
Viele Vorstellungen hat er noch gegeben,
erfüllt mit „anders gesund“ zu leben.
Irgendwann kommt dann die Zeit,
wo der Clown zu sich sagt:„Es ist soweit.“
Er gibt die Manege frei für einen jungen Clown,
und liebt es ihm bei seinen Vorstellungen zuzuschauen.
Ihm hat er all seine Späße beigebracht,
damit das Publikum sich freut und weiterlacht.
Ein Clown aber bleibt man sein Leben lang,
auch als Zuschauer auf der Zirkusbank.
Sein Platz ist jetzt dort, wo sein kleines Mädchen mal saß,
und er durch ihre Tränen seine Krankheit vergaß.
Nachts in der Zirkusleere kann man ihn manchmal sehn,
und wer den Clown so sieht, der wird verstehn.
Lesend sitzt er dann in der Mitte seines Manegenrund,
leise liest er: „Jedes Schicksal hat seinen Grund…“
Kaum hörbar seine Worte, doch wer ihn kennt der versteht.
Der Clown steht auf, der Clown er geht.
Doch er geht nicht fort, denn es heißt dann und wann,
„Manege frei“, unser Clown ist dran.

Der Clown versteht
Das letzte Mal, dass sich heut der Vorhang hebt,
das letzte Mal, dass der Clown in der Manege steht.
Sein Herz hat ihm gesagt: “Es ist Zeit für den Endapplaus.“
noch einmal Clown sein, dann geht es nach Haus.
Im Spiegel schaut er in sein müdes Gesicht,
eine letzte Maske heute, die ein Lächeln verspricht.
Er löscht das Licht und verschließt seinen Wagen,
Kostüm und Maske wird er nicht mehr tragen.
Ein halbes Leben hieß es Vorhang auf in seiner Welt,
bis heute dann der Letzte fällt.
Eine Vorstellung ganz anders als die vielen bisher,
danach gibt es kein geschminktes Lächeln mehr.
So viele Freunde sind noch mal dabei,
nur ein Platz der ist noch frei.
Sein kleines Mädchen hat dort immer gesessen,
hat sie ihn gerade heut vergessen?
Er ist der Clown wohl so gut wie nie zuvor,
doch der letzte Applaus steht kurz bevor.
Die Trompete, zum letzten Mal spielt er sie,
ungeschminkte Tränen erfüllen die Melodie.
Unvergessen bleibt für jeden dieses Lied,
wenn er es mit dem Herzen sieht.
Die Manege bebt, Applaus im Stehen,
seine Maske fällt im Lauf der Tränen.
Er steht auf, verbeugt sich vor seinem Publikum,
Zeit zu gehen, er dreht sich um.
Ein Schatten tritt aus dem Dunkeln hervor,
und es kommt ihm fast wie damals vor.
Eine junge Frau, doch er hat sie sofort erkannt,
dieselben Tränen, dieselbe Hand.
Gemeinsam verlassen sie das bunte Zirkuszelt,
mit ihrer Freundschaft die seit Jahren hält.
Sie begleitet ihn noch ein kleines Stück,
er dreht sich um, noch ein Blick zurück.
Der letzte Vorhang hüllt dieses Leben ein,
doch die Erinnerung bleibt der Weg hinein.
Die Fahnen auf dem Zelt scheinen ihm zu winken,
ein Abschiedsgruß, die Lichter blinken.
Dieser Lichterzauber ist was in seinem Herzen bleibt,
und ihm dort eine Botschaft schreibt:
"Machs gut mein lieber Clown,
vergiss nicht mal wieder vorbeizuschaun.
Der Zirkus ist zwar aus,
doch hier, hier bleibt Dein Zuhaus.
Dein neues Leben wird nicht weniger bunt,
lebe mutig weiter Dein "anders gesund."
Dein Sinn ist es diesen Gedanken weiterzugeben,
damit viele wie Du ihre Krankheit anders leben.
Ein Schicksal braucht kein geschminktes Lachen,
denn nur Dein eigenes wird ehrliche Freude machen!"
Die Musik verhallt, die Lichter tauchen in die Dunkelheit,
mit ihnen der Clown, der in euren Herzen schreibt..

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