Ist der Viagra Wirkstoff Sildenafil bald ohne Rezept erhältlich?

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Der Wirkstoff Sildenafil wurde 1988 von dem pharmazeutische Unternehmen Pizer auf den Markt gebracht. Damals wie heute gilt das Medikament, das unter den Namen Viagra weltberühmt wurde, als ultimative Lösung für männliche Potenzprobleme. Aufgrund der Rezeptpflicht und der Tatsache, dass Potenzprobleme nach wie vor zu den Tabuthemen gehören, blüht der Schwarzhandel mit den blauen Potenzpillen. Jetzt soll das Medikament gegen erektile Dysfunktion (Impotenz) ohne Rezept in Apotheken erhältlich gemacht werden.

Sildenafil immer noch rezeptpflichtig

Das Patent des Pharmaunternehmens Pfizer für das Medikament ist bereits im Jahr 2013 ausgelaufen. Schon damals hatten viele Männer gehofft, dass Viagra endlich rezeptfrei in deutschen Apotheken gekauft werden könnte und so der Gang zum Arzt erspart bleiben würde. Zwar endete der Patentschutz pünktlich, doch blieb die Verschreibungspflicht für Sildenafil Generika bestehen.

Schwarzhandel mit Potenzmittel blüht

Wer den Arztbesuch scheute, musste sich das Potenzmittel zwangsläufig über andere Quellen besorgen. Der Schwarzmarkt blüht, allerdings
mit oftmals verheerenden Folgen für die von erektiler Dysfunktion betroffenen Männer. Oft enthalten diese, meist über das Internet bestellten Medikamente, nicht die original Inhaltsstoffe und wirken daher nicht oder verursachen gesundheitsschädliche Nebenwirkungen.

Mit der Freigabe als sogenanntes OTC-Medikament könnte damit jetzt Schluss sein. Eine entsprechende Freigabe würde bedeuten, dass Sildenafil, wie es bereits in einigen Ländern der Fall ist, frei in Apotheken erhältlich wäre.

Was ist ein OTC-Medikament?

Das Kürzel OTC stammt aus dem Englischen und steht für „Over the Counter“ , was frei übersetzt den Verkauf über die Ladentheke bedeutet. Somit handelt es sich bei einem OTC-Medikament um ein Arzneimittel, das ohne vorherige Konsultation eines Arztes, ohne Rezept beispielsweise in zugelassenen Apotheken verkauft werden darf.
Die Entlassung eines Medikaments aus der Verschreibungspflicht wird als OTC-Switch bezeichnet.

Welche Bedeutung hat der Sildenafil OTC-Switch für Apotheken?

Ein OTC-Switch hinsichtlich des Wirkstoffs Sildenafil bietet sowohl den Apotheken als auch den Patienten einige Vorteile. Sollte Sildenafil in Deutschland aus der Verschreibungspflicht entlassen werden, wird zugleich die Beratungskompetenz der Apotheken intensiviert. Das bedeutet, dass der Apotheker den Kunden eingehend berät und ihm direkt vor Ort bei seinem Problem helfen kann. Somit wird die Position des Apothekers als Arzneimittelexperte gegenüber dem Kunden erheblich gestärkt.

Welchen Vorteil bietet der OTC-Switch dem Patienten?

Durch die Entlassung des Wirkstoffs Sildenafil aus der Verschreibungspflicht könnte Männern mit Potenzschwierigkeiten eine zuverlässige sowie unbürokratische Soforthilfe zur Verfügung gestellt werden. Viele Männer würden eine Freigabe vermutlich befürworten, da sie den Besuch eines Arztes, vor allem aufgrund des brisanten Themas Impotenz, bisher vermieden haben. Zudem kann durch den OTC-Switch die Flut an gefährlichen und oft völlig überteuerten Potenzmitteln vom Schwarzmarkt wirkungsvoll unterbunden werden.

Ist Sildenafil in anderen Ländern bereits rezeptfrei erhältlich?

In Großbritannien wird die Freigabe von Sildenafil als OTC-Mittel möglicherweise bald stattfinden. So soll Viagra in einer Dosierung von 50 mg aus der Verschreibungspflicht genommen werden. Die britische Ärztekammer hat diesbezüglich keine Bedenken. Im Rest von Europa sieht das allerdings anders aus. So hatte die zuständige Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erhebliche Bedenken, das Medikament, insbesondere wegen der Nebenwirkungen, von der Rezeptpflicht zu befreien. Daher wurde ein 2008 von Pfizer gestellter Antrag auf einen OTC-Switch abgelehnt.

Viagra in Großbritannien bald in der Apotheke erhältlich?

Aktuell sieht es für eine Befreiung des Medikaments Viagra von der Verschreibungspflicht recht gut aus. Zumindest die britische Ärztekammer (Royal Pharmaceutical Society) scheint den Antrag von Pfizer zu unterstützen. Voraussetzung für die Umsetzung ist allerdings, dass die Apotheken mit entsprechenden Informationsmaterialien ausgestattet werden.

Großbritannien hatte bereits im Jahr 2007 über die Drogeriekette Boots im Rahmen eines Modellversuchs Viagra ohne Rezept herausgegeben. Der Versuch fand allerdings nur in drei ausgesuchten Städten, unter anderem in Manchester statt. Zudem wurde das Potenzmittel nur für einen Zeitraum von sechs Monaten an ausgesuchte Probanden verteilt. Dennoch waren die Erfahrungswerte die der Modellversuch lieferte durchaus positiv. Dennoch dauerte es noch bis 2017, bis der nächste Antrag von Pfizer eingereicht wurde.

In Neuseeland gibt es Viagra bereits rezeptfrei in Apotheken

In Neuseeland wird das Potenzmittel Viagra bereits seit geraumer Zeit als OTC-Medikament in Apotheken verkauft. Auch in Polen ist in diesem Punkt fortschrittlicher. Bereits 2016 wurde der OTC-Switch erfolgreich durchgeführt. Daher kann heute in Polen ein Sildenafil- Generikum in der Dosierung von 25mg und in einer Päckchengröße von 2 Tabletten ohne Rezept erworben werden.

Ist ein OTC-Switch in Deutschland möglich?

Ob der Antrag des Unternehmens Pfizer in Deutschland erfolgreich sein wird, ist fraglich. Sicherlich sind die Bedenken der zuständigen Behörden und der Ärztekammer hinsichtlich eventueller Nebenwirkungen und dem Risiko eines Medikamentenmissbrauchs nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch haben die Erfahrungen anderer Länder gezeigt, dass es mit dem rezeptfreien Verkauf von Viagra beziehungsweise einem entsprechenden Generikum keine besonderen Schwierigkeiten gegeben hat. Dennoch werden sicherlich noch einige Jahre vergehen, bis ein möglicher OTC-Switch tatsächlich durchgeführt wird.

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