Reisetagebuch

Reisebericht – Stockholms Schären entdecken

 

Ein echtes Naturparadies befindet sich vor der geschäftigen Hauptstadt Schwedens. 

Für die Bewohner Stockholms könnte die Erholung kaum schöner sein und für Besucher der Stadt bietet sich ein atemberaubendes und entspannendes Erlebnis zugleich.

24000 kleine Inseln, die so genannten Schären befinden sich direkt vor Stockholm und bilden dieses unglaubliche landschaftliche Gebilde. 

Inzwischen werden die Schären aber nicht nur von Tagesausflüglern besucht, sondern vermehrt auch von Urlaubern, die dort eine längere Zeit verbringen.

Von Stockholm aus erreicht man die Schären mit dem Schiff. Bereits 25 Minuten nach dem Ablegen im Hafen kann die erste der kleinen Inseln betreten werden. Doch jede Schäre für sich bietet seine eigenen Besonderheiten.

Nach ca. 3 Stunden Fahrzeit erwartet den Besucher eine der äußersten und auch schönsten Schäreninseln: Sandhamn.  

Sandhamn beeindruckt nicht nur Touristen, sondern offenbar auch Stockholmer so sehr, dass Sie immer wieder den Weg vor allem an den Wochenenden hierhin finden.

Auf Sandhamn fühlt man sich trotz der kaum fassbaren Nähe zur Großstadt wie in einer anderen Welt. 
Sein mildes Klima, feine Sandstrände mit glasklarem Wasser, die über wunderbare Waldwege zu erreichen sind, geben dieser Ostessinsel ein sehr mediterranes Flair.   

Der Hafenort Sandhamn mit seinen bunten Häusern und engen Gassen lädt zudem zum Verweilen ein. Hier tummeln sich sowohl die Einheimischen, die mit ihren Segelbooten im Hafen angelegt haben, als auch die Besucher in den Szenekneipen oder aber auch in sehr gemütlich und ruhigen Gartencafes.

Für Urlauber bietet Sandhamn verschiedene Unterkünfte von der Pension bis zum Ferienhaus an. Der Tagesausflügler sollte keinesfalls das letzte Schiff verpassen.
Alleine schon deswegen, weil die Rückfahrt nach Stockholm im Licht der Abendsonne zum tollen Schauspiel werden kann.

So erscheint die Inselwelt der Stockholmer Schären nochmal von einer ganz anderen Seite und lädt zur romantischen Melancholie ein. 
Fast unwirklich wird das Ganze dann, wenn sich noch riesige Fährschiffe und Luxusliner durch die Welt der Schären langsam hinaus zum offenen Meer bewegen.

Ein Inselparadies nur 2 Flugstunden entfernt im Herzen Skandinaviens, das keine Wünsche offen lässt.

Auf der Suche nach dem Orientexpress – Tagebuch einer abenteuerlichen Reise 3

Endlich - die Fahrt mit dem Orientexpress

Fahrt nach Ankara (300 km / 5 Std. / 25 TL p.P. )

Um 10 starten wir nach sonnigem Frühstück auf der Terrasse hoch über Göreme mit Blick auf den Red Valley. Eine kurze Fahrt bringt uns nach Nevcehir, dort warten wir ½ Std (statt versicherter 10 min.) auf den Bus nach Ankara. Doch die herrliche Fahrt durch weite, fruchtbare Ebene am schneebedeckten Taurusgebirge entlang entschädigt uns schnell für die Warterei. Die Schneegipfel leuchten in der Sonne, hier blitzt ein See auf, dort ein Flusslauf. Um 12 Uhr erreichen wir nach kurzem Tankstop (Benzin 1,60 Euro) auf 4spuriger, mautpflichtiger Autobahn Aksaray, eine Großstadt am Fuß des Taurus . Dann geht es lange durch eine rosafarbene Wüste – oder ist das eine Fata Morgana? Nein, es ist ein schier endloser Salzsee „Tuz Gölü“, der abrupt endet und fruchtbares Land zulässt.

Sooo preiswert ist Busfahren in Syrien und Türkei

Ein endloser Salzsee dehnt sich rosa vor unseren Augen


Gegen 13 Uhr erneut ein nicht endender Salzsee, der noch nicht ausgetrocknet ist und weiße Salz-kristall-ufer hat. Keine Menschen weit und breit, nur die 2spurige Straße mit ihren Lastern.

Um 16oo Uhr sind wir in Ankara im Hotel Ogultürk *** , nachdem wir endlos an identischen Neubauvierteln, identischen Hochhausbauten und wieder Neubauvierteln vorbei fuhren. Steriler geht’s nimmer. Das Taxi zum Hotel kostet 20 TL, die Hälfte davon war das Taxi von Aleppo nach Antakia. –

In Ankara bemühen wir uns als Erstes um die Zugfahrt nach Istanbul. Wir wollen doch endlich mal Orientexpress – oder wie auch immer er jetzt heißen mag.

Wir kaufen die Tickets für den "Orientexpress"

 

Wir marschieren 1 km zum Bahnhof: Riesig, modern, steril. Infos hin und her, dann wissen wir, wo wir das Ticket bekommen. Am Schalter werden wir jedoch zurück gewiesen: Erst ne Nummer ziehen, dann warten, bis man aufgerufen wird. Wow. Da warten viele. Sitzreihen wie im Kino sind aufgebaut. Das kann dauern.

Das Prozedere am Ticketschalter geht dann relativ zügig, Keiner will Vaters oder Mutters Namen notieren – und dann haben wir tatsächlich Tickets für den Orientexpress!!!! Oder was???

Und so sieht das Prachtexemplar heute aus. Dafür ist es auch doppelt so teuer wie die Busfahrt. Aber was ist hier mit öffentlichen Verkehrsmitteln schon teuer.

Im Hotel stoßen wir wieder auf Unverständnis: Warum mit der Bahn, der Bus ist doch billiger und bequemer. Stimmt. Aber wir spinnen nun mal.

Mit den

Tickets in der Tasche erobern wir uns jetzt Ankara, schlendern durch den Souk / market : Schafsfüße und Schafsköpfe sind appetitlich offeriert.

 

 

Wir sind hungrig und finden kein Restaurant, nehmen schließlich mit einer Dönerbude vorlieb, wo man uns ein bisschen übers Ohr haut. Die Kolumne des Julian finden wir nicht, dafür aber unser Hotel und einen vorzüglichen Wein aus Kapadokien , den ich – abrakadabra – aus dem Koffer zaubere.

Inschala klappt das morgen mit dem Zug.

 


Es klappt!! Morgens klettern wir hinauf zur Zitadelle und sind sehr überrascht, innerhalb der Mauern eine Kleinstadt vorzufinden mit engen Gassen und mehrstöckigen Häusern. Das Taxi bringt uns später zum Bahnhof, der Bahnsteig ist gestopft mit Menschen, der Zug kommt püntlich um 11.10 Uhr !!!!! und unser Abteil ist voll besetzt. Gut, dass wir Plätze gebucht haben. Der TCDD, ein Hochgeschwindigkeitsexpress, fährt 252 km/std. Und so fühlt sich das auch an. Wir fliegen durch Hügellandschaften, Felder und Wiesen, Seen mit Störchen, Dörfer und Städte. Besonders rassant ist das im Gebirge, wo die Felsen nah an den Zug heranrücken.

Nach 1 Std. Ankunft in Eskisehir mit 10 min. Verspätung.

 

Hoffentlich wartet der Anschlusszug. Oh je, der steht auf dem Nachbargleis, Treppe runter – Treppe rauf. Und dann noch den richtigen Wagen finden! Aber da sind sofort zwei junge Männer, die sich unseres Gepäckes ermächtigen. Wir eilen hinterher, und als unsere Koffer im richtigen Wagen verstaut sind, verschwinden die beiden ohne Bakschisch, während der Zug anfährt. Dieser Zug ist nun viel weniger elegant. Wie schön, dass man auf uns gewartet hat. Auch dieser Zug ist voll besetzt.

Um 14oo Uhr sind wir durch viele Tunnel und über Brücken hoch oben im Gebirge. Die Lok dampft und stampft und stinkt und hält schließlich in Bilecik, eine weitläufige Gebirgs- und Industriestadt. Immer höher steigt der Zug jetzt ins Gebirge, schroff, zerklüftet, an einem Gebirgsbach entlang. Felswände zum Greifen, Tunnel, Brücken in abenteuerlicher Höhe. Der Himmel ist bewölkt, die Wolken sind sehr nah.

Die Schlucht öffnet sich, das Wildwasser ist mit Beton gebändigt, die Straße ist auch wieder da. Sattes Grün, breitflächig blühendes Gelb.

Eifrige Bautätigkeit an der Trasse. Das Wildwasser, das wir so lange begleitet haben, wird zum reißenden Fluss. Jetzt fahren wir drüber, es muss der Sakarya sein.

Mit ½ Std. Verspätung kommen wir um 16.30 Uhr in Istanbul am legendären Bahnhof Hydarpasa an, dem phantastischen Gebäude WilhemsII. Mit der Fähre geht’s nach Karaköy, dann genehmigen wir uns ein Taxi zum bereits vertrauten Hotel Nezih am großen Basar.

Gewürze appertitlich offeriert

Topkapi – Zysterne – Taksim

Es ist kalt in Istanbul. Irmgard entscheidet sich für Topkapi, ich kenne das schon und schlendere durch die Gassen entlang am Goldenen Horn, besichtige nahe Hagia Sophia die Zysterne mit ihren 336 Säulen, die 9 m hoch sind. Aber zu viele Schulklassen lärmen zu laut.

Abends entscheiden wir uns für Taksim, das modernste Viertel Istanbuls.

Mit der Straßenbahn nach Karaköy, per U-Bahn (der kürzesten der Welt?) nach Tuner und mit der nostalgischen Tram, einer Zahnradbahn, bis zum Taksim-Sqare.

nostalgische Tram zum Taksim-Square

Von dort schwimmen wir mit den Menschenmassen bergab, die Istiklal Caddesi, Istanbuls Amusiermeile runter, vorbei an prachvollen Konsulaten und später angesagten Bars. In einer Seitengasse ein edler Fischmarkt, darüber noch edlere Fischlokale. Noch viel gäbe es hier laut Führer zu entdecken, aber das Bett ruft, denn die Strecke U-Bahn und Tram haben wir auf dem Rückweg zu Fuß zurück gelegt.

 

Bosporus-Rundfahrt

Wunderbar!! Straßenbahn nach Eminönü, dann mit dem Linienschiff 10.35 Uhr von Eminönü ab mit leider zu vielen Touris, die das Gleiche wollen. Wir kreuzen hin und her zwischen Europa und Asien, vorbei an prachtvoll pastellfarbenen Holzvillen im Zuckerbäckerstil, besonders in Arnavutköy. Vorbei auch an dem luxuriösen Bebek, der vornehmsten Adresse der Stadt. Wer hier wohnt, hat ein schnittiges Cabrio in der Garage und eine Yacht im Hafen.

Die Mehmet Fati Brücke spannt sich in unglaublicher Höhe und Länge neben der trutzigen Festung Rumeli Hisari über den Bosporus.

Herrlich die Yalis – die Bosporusvillen der Haute Volee.

 

In Anadolu Kavagi endet die Fahrt nach 32 km und wir besteigen die dortige genuesische Festung mit Blick auf die Pforte zum Schwarzen Meer. Die Sehnsucht packt uns, da wollen wir hin!!!

 

In einem leckeren Fischrestaurant dort oben nähren wir unsere Sehnsucht, genießen den Blick auf die winzigen Lastkähne tief unter uns , die durch den Bosporus ins Schwarze Meer fahren.

Gesättigt, bei bester Laune und bestem Licht treten wir die Rückfahrt mit unserer Fähre an.

 

Tour durchs Goldene Horn

Das goldene Horn ist keine Landmasse wie Kap Horn in Südafrika, sondern ein 11km langer und max. 400 m breiter Meeresarm, der den europäischen Teil der Stadt durchschneidet. „Halic“ – Meerbusen nennen ihn die Türken.

Wir starten hinter der Galatabrücke und kurven mit der Fähre hin und her. Schon an der Brücke erreicht uns Festtagsstimmung, die Brücke ist verstopft mit Menschen, die sich fahnenschwingend über uns stauen. Auf Taksim-Square wird bald der Teufel los sein, da gibt’s die Maikundgebungen.

Wir zögern, an der Endstation Eyüp auszusteigen, doch der Hunger treibt uns in ein nahes Straßenlokal und wir teilen uns eine hier berühmte Riesenkartoffel, die im Feuerofen gebacken und dann mit leckeren Inhalten vermischt und gefüllt wird.


 

 

Alle Frauen sind verhüllt, viele ganz in Schwarz – wir sind im heiligsten Viertel Istanbuls. Hier steht neben der Moschee der Sarkophag Eyüps, dem Bannerträger und engsten Freund des Propheten und der Besuch seines Mausoleums ist fast so wichtig wie der Hatch nach Mekka.

Gut gesättigt und verhüllt wallfahren auch wir zu Eyüp und die Inbrunst der Betenden zieht mich in ihren Bann.


 

In der Moschee ist Gottesdienst und ein Immam liest aus dem Koran. Der riesige Raum ist bald dicht gedrängt von auf den Fersen sitzenden Männern. Keine Frauen. Sie sind – von hier unsichtbar – auf einer Tribüne. Wir halten uns am Rande und werden nicht beachtet. Draußen treffen wir dann auch auf die königlich gewandeten etwa 7jährigen Jungen, die an Festtagen hierher zur Beschneidung gebracht werden.

 

Weil sich fromme Muslime in Eyüps Nähe bestatten ließen, ziehen sich die Grabanlagen endlos den Berg hinauf und wir folgen ihnen bis zu Piere Lotes Cafe. Eilige Touris werden hier per Gondel heraufgebracht.

Zurück in der Stadt fahren wir mit dem Bus nach Fener, um die berühmte Chora-Kirche zu besuchen.

Schwer zu finden führen uns drei Kinder durch den morsch-verwitterten Charme des alten Istanbul, das als Hochburg der Islamisten gilt.

 

Die Chora-Kirche klein, uralt, überlaufen, teuer (15 TL, 7,50E) tolle Mosaiken.

Später endloses Verlaufen.

Der Tag ging nicht so gut zu Ende.

 

Schwarzes Meer

Unsere Fahrt ans Schwarze Meer starten wir am Busbahnhof Harem. Nur 3,50 Euro zahlen wir für 1,5 Std einfache Fahrt. Jetzt geht es endlos durch Istanbul, bis man mal rauskommt aus der Stadt durch Wälder und an Seen vorbei.

Dann das Schwarze Meer. Spaziergang am langen Sandstrand, üppiges Essen im Strandrestaurant.

Der Badeort Sile, 72 km von Istanbul entfernt, wirkt ungepflegt mit geringem Angebot. Was könnte man aus diesem Sandstrand machen!!

Erst abends spät kommen wir zurück nach Istanbul, fahren bis zur Endstation, das ist leider der falsche Ausstieg und wir sind sehr weit weg von der Fähre .

 

Prinzen-Inseln

Na ja, eigentlich wollte ich nicht hin. Man muss sie auch nicht gesehen haben. Die Türken nennen sie „Kizil Adalar“, rote Inseln. Ihren Namen haben sie nicht etwa, weil sie so fürstlich sind, sondern weil hier unliebsame Prinzen verbannt wurden, so sie nicht gelyncht wurden. Die Fähre ab Eminönü ist billig und überfüllt. Erst die Rückfahrt am frühen Nachmittag ist angenehm leer und wir haben 2 Std. sightseeing auf dem Marmarameer.


 

Stressig ist später der Gewürzbasar oder Ägyptische Basar an der Neuen Moschee.

Er geht in den Großen Basar quasi über und das tun wir uns nicht lange an.


 

Rückflug

 

Der Shutle-Dolmush holt uns pünktlich um 8,30 Uhr, und Irmgards Ängste, ob das wohl alles klappt, erweisen sich als unnötig. Pünktlicher Abflug in halb leerer Maschine, von oben ein ergreifender Blick auf Marmarameer, Bosporus und Schwarzes Meer. Dann hindern Wolken die Orientierung.

In Frankfurt fehlt meinem neuen Koffer aus Damaskus ein Rad. Nur mühsam komme ich mit dem schwankenden Gefährt zum S-Bahnhof, dann die Rolltreppe hoch und zur Regionalbahn nach Gießen. Per Handy bat ich Minicar Otto, mich am Bahnsteig2

um 16 Uhr abzuholen. Tatsächlich trug mir dann der Taxifahrer meinen lädierten Koffer die lange Strecke zum Auto und schließlich meine hohe Treppe hoch bis in die Wohnung.Unterwegs verloren wir weitere Teile der Rollenhalterung. Der Koffer ist Schrott. Es wird einen neuen geben. Inschallah.

 

Kosten der Reise:

126 E Flug 57 E Bahn u. Taxen

140 E Fahrten u. Hotels 1.200 Bar-Abhebung Ca. 1500 Euro Gesamt.

Auf der Suche nach dem Orientexpress – Tagebuch einer abenteuerlichen Reise 2


Busfahrt Istanbul- Damaskus 2500 km (30 E).

Heute beginnt das Abenteuer.

Nach vergeblichen Versuchen, den Orientexpress aufzutun  – wenigstens bis nach Ankara , haben wir die Busfahrt nach Damaskus beschlossen und schlagen uns durch – diesmal mit Gepäck durch über Straßenbahn und Fähre zum Busbahnhof Harem,  wo wir die Tickets von Sen-Express bekommen und die Frau des Officers extra kommt, um uns zu begrüßen und zu verabschieden. Ihre Geschichte von einer Irrfahrt als Jugendliche über Deutschland, die unglückliche Ehe mit einem Iraner und ihre Rückkehr in die Türkei mit einem Kind geht uns unter die Haut. Frauenschicksale im Orient.

Irmgard und die Frau des Officers

Auf dem Weg zum Klo passiere ich eine Behelfs-moschee, an der sich Männer die Füße waschen, um dann in Reih und Glied zu beten.

 

Behelfsmoschee am Busbahnhof

 

Um 15oo Uhr steigen wir wirklich in den Sen-Express ein gen Ankara, und so ist der Bus, ein moderner, klimatisierter Reisebus, auch voll. Die Videobeschallung mit brutalen Action-Filmen, die uns viele Stunden begleiten wird, wäre gut verzichtbar, sonst ist eine solche Busfahrt jedoch sehr empfehlenswert – preiswert und bequem.

Aber statt – wie zugesagt – nur alle 4 Std. zu halten hält er an jeder Klitsche und wir kommen nur langsam vorwärts. Um 16.30 sind wir noch immer 366 km von Ankara entfernt. Und von Damaskus???

Auf dem Anadolu-Highway und dann auf der 02 geht es am Marmarameer entlang mit herrlichem Blick auf das gegenüberliegende Ufer und die Dörfer und Städte an der Bergkette zur Linken.

Dort ist der Frühling ausgebrochen: Frische grüne Hänge, rosa Mandelbäume,

weiße Apfelbäume.

Die Reise lässt sich gut an. Langsam lernen wir unsere Reisegesellschaft kennen. Der Busstewart, ein Syrer aus Aleppo, möchte mich mit Beschlag belegen und warnt vor allen anderen Verbrechern. Fragen bitte nur an ihn – die anderen Männer – jalla!! jalla!!. In der ersten großen Pause lassen sich einige mit uns fotografieren, wir die einzigen Fremden im Bus und dann auch noch Frauen! –

 

Schutzgeister begleiten uns am Spiegel

 

Weiter durch blühende Frühlings-Landschaft. Seit uns das Marmarameer verlassen hat, rückt das Taurusgebirge näher. Es blüht weiß, rot und gelb, lila die Tamarisken, saftig das satte Grün.

Aber dann klettern wir immer höher, die Berge sind schneebedeckt, der Frühling verabschiedet sich wieder.

Um 19.30 geht die Sonne unter, es dämmert. Jetzt stellen wir uns auf eine lange, ungemütliche Nacht ein.

Um 22 Uhr sind wir in Ankara, nachdem das Thermometer wieder kontinuierlich von 9° auf 15° stieg. Von den Bergen kommend liegt die Stadt riesig erleuchtet unter uns. Unsere Hoffnung, allein im Bus zu bleiben, erfüllt sich nicht – es ist wieder voll nach hektischem Ent- und Beladen.

Adana – Kapadokien – Antakya

Von 2400 bis 24.30 Uhr Boxenstop. Irmgard schläft, ich hole mir einen leckeren Käsefladen und will mit Euro zahlen. 1.40 Euro. Die Münzen werden bestaunt. Nie gesehen. Kein Mensch spricht hier Englisch.

Die Fahrt durch Adana bekomme ich noch mit, auch das Queren eines breiten Flusses, eine ganze Weile fahren wir durch Kapadokien, und ich erkenne den Tuffstein im Scheinwerferlicht, dann tauche ich ab und werde erst um 600 Uhr mit Cola geweckt. Wir werden überhaupt ständig bedient. Kemal so der syrische Stewart, ein fürsorglicher Pascha, bringt Wasser, Kaffee, Tee, sprüht den Gang und unsere Hände mit durftendem Antiseptikum, bringt ein Baby das weint zum Spielen, und ist herzlich rauh um unser Wohl bemüht.

Dann das Mittelmeer. Und eine große Stadt, Antakia. Endstation. Kemal verabschiedet sich herzlich und übergibt unsere Pässe und Tickets an einen jungen Mann, der uns in den Busbahnhof abschleppt zu einem der ca.25 Schalter.

Halep (türkisch) = Sam (syrisch) = Damaskus. Das muss man checken.

 

Halep = Sam = Damaskus das muss man checken

 

Unser "Jet" von Istanbul nach Syrien

Unsere Tickets werden ausgetauscht, Money- change? Bitte ja. In einem Verschlag blättert man mir für 50 Euro jede Menge Scheine hin. Der Kurs scheint unklar zu sein. Schließlich einigen sich die Männer auf 59 SL- 1 Euro.

 

Nur mühsam ist erfahrbar, dass es erst in 2,5 Std. um 11 Uhr weitergeht nach Damaskus und wir dort erst um 18 Uhr ankommen. Wir sind die einzigen Europäer, erregen als allein-reisende Damen wohl Aufsehen und ein anderes Busunternehmen bietet Abfahrt nach Damaskus in 15 min. für 15 TL (7,5o) bei 5 Std. Fahrt an.

Aber unsere Pässe liegen bei Jet-Tourismus.

So gehen wir frühstücken. Ein Bahnhofsvorsteher gesellt sich zu uns und da er in Deutschland war, wird’s kurzweilig.

Um 11 Uhr wird das Gepäck verladen und nun sitzen wir in einem weniger, komfortablen Bus mit zahlreichen schwarz verschleierten Frauen und dunklen Männern. Der Merzedes ,für 45 Pers. ausgelegt, ist nur mit 12 Pers. besetzt.

Wieder gibt es freie Getränke, Gesprühe, Gedufte.

Wir verlassen die Türkei

Gegen 13oo Uhr haben wir die syrische Grenze erreicht, von unzählbaren Lastern angesteuert, die sich in drei Reihen stauen. Mehrfache Kontrollen, im Bus, vorm Bus , am Schalter. Der Lasterstau – kein Wunder. Wenn ich aber bei Lodemann lese, dass das hier vor 20 Jahren noch vermint war …..

 

Dann Syrien.

Würfelförmige, schmucklose Häuser. Riesige, bewässerte Plantagen. Olivenhaine, zwischen denen Mohn blüht.

Wir nähern uns gegen 16oo Uhr Damaskus und jetzt wird das Gelände karstig.

Mühsam behaupten sich junge Pflanzungen im Geröll, liebevoll von kleinen Wällen um jedes Bäumchen umgeben. Sie sollen von Schulklassen angepflanzt worden sein.

Die ockerfarbenen Würfelhäuser verschmelzen mit dem Ocker der Landschaft.

Dennoch – eine 2spurige Autobahn, unbefestigt, immer wieder Bilder des Präsidenten auf imposanten Stelen.

Bei Hama fahren wir über den Orontos und kommen um 17 Uhr in Damaskus an. Es regnet!!! Nicht zu glauben. Während ich einen Abtritt suche, tut Irmgard einen englisch sprechenden Taxifahrer auf. Ob er ein Hotel für uns kennt? Er bringt unser Gepäck zu einem Auto, das aber kein Taxi ist. Dont worry. Auch den Preis verhandeln wir nicht, wir wissen ja nicht, wohin. Das Hotel dann nach ½ Std. Fahrt zunächst besetzt, das nächste hat ein Zimmer für uns. Al Majed.

Al Majed ist sehr schön, sehr orientalisch, sehr livriert, dennoch sehr erschwinglich. Ein üppiges Abendessen. Beim Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte schlafe ich ein.

 

Al Maged Hotel in Damaskus
Al Maged Hotel - sehr orientalisch

 

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen im Maged Hotel ist phantastisch, sehr arabisch mit Fladen, Humus u.a.  Wir nehmen uns Zeit. Im nahen Tourist Info holen wir uns einen Stadtplan und tauschen schwarz in einem Laden 1 E-60 SL. Dann spazieren wir los.

Unverhofft stoßen wir auf den Bahnhof , wieder ein imposanter Bau Wilhelms II, prachtvolle Buntglasfenster, ein Museum heute, viel Eisenbahnnostalgie an den

 

Der Bahnhof in Damaskus - ein Museum

Der Bahnhof in Damaskus - ein Museum

 

 

Wänden und Treppen, aber gähnende Leere da, wo die Schienen einmal waren, obwohl die Bahnstrecke in der Karte eingetragen ist.

Weiter wandern wir zum Souk, der von hohen Mauern umgeben nur durch ein riesiges Tor mit gewaltigen Türen zu betreten ist. Er ist anders als in Istanbul, faszinierender, orientalischer, mehr 1001 Nacht. Es glitzert und funkelt, es dufted – aber es stinkt nirgendwo. Wir werde quasi durchgefüttert: Hier Mandeln, da Gebäck, dort Käse.

Dann öffnet sich der überdachte Soukh al Hamadiyh auf einen großen Platz voller Menschen: Alle Bekleidungen von Pumphosen, eleganten Business-Anzügen , Araber ganz in weiß mit schwarzen Ringen, die das Tuch halten, Palästinesertücher meist in rot, elegante Kopftücher der Frauen, die künstlich zu einem hohen Hinterkopf aufgebaut sind – ich möchte nur schauen.

In der Omajaden-Moschee

Und dann die Omajaden-Moschee!! Als der Muezzin ruft, füllt sie sich, Männern kommen zu hunderten und beten, Frauen bleiben auf der Gegenseite.

Wir bleiben unbeachtet, die Atmosphäre tut gut.

 

Nach ausgedehnter Mittagspause besuchen wir das Cham Palace Hotel im rotierenden Restaurant im 15 Stock. Hier habe ich 1989 einmal ein paar Nächte verbracht. Seit 30 Jahren wurde hier fast nichts verändert, nur der Teppichboden erneuert.

Den uralten Hammam Al Ward finden wir endlich, aber er wird restauriert. Wenigstens die Baustelle können wir besichtigen.

 

 

 

 

Fahrt nach Palmyra

Wir werden beide um 7 wach, frühstücken üppig und ich kläre Wasser, Geld und Taxi. In 20  Minuten bringt uns das Taxi für 300 SL / 5 E) zum Busbahnhof Harras und der Fahrer bedeutet die Richtung, wo wir Tickets bekommen. Wir folgen dem Menschenstrom, dann entdecke ich Schalter, identifiziere zwischen all dem Arabischen den Schriftzug „Palmyra“ und werde sofort umworben von einigen Ausschreiern, die für300 SL Ticketsverkaufen. In 25 Minuten geht der Bus. Langes Prozedere mit den Pässen, bis ich die Tickets bekomme, wieder 300 SL, diesmal aber für mehrere 150 km. Jetzt brauche ich aber noch einen Stempel der Polizei – dort, kleines Haus. Noch 15´. Der unangenehm braun uniformierte Polistist hat viel Zeit, telefoniert, blättert in den Pässen, quatscht mit einem andern. Can I help you? frage ich ihn ungeduldig.

Keine Reaktion. Noch 10´. Dann endlich der Stempel. Ich eile zur fragend-einsamen Irmgard, die das Gepäck bewacht. Was ich verstanden habe: Nr. 25 – andere Richtung. Noch 5 Minuten. Dann endlich der Busbahnhof, viele Busse in Reih und Glied aber was und wo ist Nr. 25? – ich sehe nur arabische Zeichen. Quasi von Hand werden wir zum richtigen Bus geschoben. Als wir mit 15 Minuten Verspätung starten, ist der Bus rappelvoll. Ich blicke über ausschließlich betuchte Köpfe, meist rote Palästinensertücher mit schwarzen Ringen.

 

Im Bus von Damaskus nach Palmyra

 

 

Und dann die Wüste!! Ockergelb. Stundenlang fahren wir an einer Bergkette entlang. Vereinzelt Grün. Hier und da Beduinenzelte.

Dann nimmt die Bebauung zu und wir sind angekommen. Palmyra.

Halt auf offener Straße weitab von der Stadt. Kein Busbahnhof, kein Taxi.

Endstation.

Alle steigen aus und verschwinden in wartenden Autos.

Da spricht uns ein junger Mann an in bestem Englisch, ob wir ein Taxi brauchen. Aber ja, do you have one? Yes, I have.

 

 

 

 

Taxifahrer, Lehrer, Reiseleiter, Beduine

Saley: Taxifahrer, Lehrer, Reiseleiter, Beduine

 

 

 

 

 

Er führt uns zu seinem silbernen PKW und bringt uns in die Innenstadt. Wir bekommen im Alnakheelhotel.net bei Mohammed Homidian, dem Beduinen, ein kleines Zimmer, und zum doppelten Preis eine Suite angeboten.

Wir nehmen begeistert die Suite, denn sie ist die perfekte Nachbildung eines edlen Beduinenzeltes mit all den vielen bunten Kelims an Fenstern, Wänden, Tisch, Bank und Bett.

 

 

Unsere Suite im Beduinenhotel in Palmyra

 

Mit Saley, so unser Führer, auch ein Beduine und Englischlehrer, verabreden wir uns für eine Fahrt zu den Turmgräbern, die aus mehreren Stockwerken für Särge bestehen. Je sechs Sarkophage passen übereinander.

Eine andere Grabanlage liegt unter der Erde. Leider sind zu viele Franzosen da.

Saleh, Mathe- und Sportlehrer, verdient sich mit Taxifahrte als Reiseführer dazu und finanziert so sein Auto.

Zurück am Hotel brechen wir zu einem Bummel durch die Stadt auf, kommen aber nicht weit, weil wir die Einladung eines Rumänen zu Datteln und Tee annehmen.

 

 

Immer wieder: Einladung zum Tee

 

Bei Sonnenuntergang holt uns Saley ab zu einer Fahrt auf die Zitadelle Qalaat ibn Maan, viele Touris warten auch, aber der Sonnenuntergang hält sich in Grenzen.

 

 

Dann bietet Saley eine Fahrt in die Wüste zu Beduinen an. Zögerlich stimmen wir zu. Im Dämmerlicht nähern wir uns nach 15´Fahrt ohne Weg und Steg einer Zeltgruppe, und Saley stoppt bei zwei Frauen. Freundlich aber etwas befangen – oder sind nur wir es- laden sie uns ein in ihr Zelt , das gemütlich eingerichtet ist. Nach allmählichem Auftauen muss Saley „schnell mal 10 ´weg“. Dann werden wir vom Kochzelt zum Wohnzelt geführt und im Festzelt greifen die Frauen nach Instrumenten, singen und tanzen und bald tun wir mit, singen, lachen und tanzen, bis wir nicht mehr können.

 

Singen und Tanzen im BeduinenzeltSaley kommt zurück, es gibt Tee und wir werden eingeladen, in der nächsten Nacht ihr Gast zu sein. Da unsre Suite für die 2. Nacht fraglich ist, halten wir das für eine abenteuerliche Alternative.

 

Mein Lieblingsbild aus Palmyra

 

 

Leider zu spät kommen wir in die Antiken Stätten, zu viele Touris, vor allen Studiosus, es ist zu heiß. 2000 v.Chr. Erstmals erwähnt (Tontafeln) , herrschten hier Aramäer, Byzantiner, Römer ……

Bis 12 halten wir uns im Baalstempel auf, finden dann einen Oasengarten, relaxen bei O-Saft und Tee, genießen in der Horizontalen die plätschernde Atmosphäre und werden auch hier zur Übernachtung eingeladen.

Eine 2. Alternative also für die nächste Nacht, nicht ganz so abenteuerlich wie das Beduinenzelt. Hier wollen wir heute Abend das im Gästebuch so vielgerühmte MANSAAF / Hähnchen essen und den Sonnenuntergang genießen.

Dann kommen wir am Cham Palace vorbei, ein tolles 4Sterne Hotel direkt am Tempel der sagenhaften Königin Zenobia. Man bietet uns ein Zimmer zum gleichen Preis wie unsere Suite im Alnakheel, denn die Vulkanwolke über Europa hat durch Flugausfälle auch hier für leere Hotelzimmer gesorgt . Irmgard beißt total an , will gleich umziehen und so bestellen wir Saley, der uns mit Gepäck hinbringt.

Ein bisschen traurig ist er schon, dass wir nicht mit ihm die Nacht im Beduinenzelt verbringen wollen. Und nun sitze ich hier im Edelhotel direkt vor der Tempelanlage mit einem kühlen Drink im Schatten und schaue und schreibe, während der Muezzin zum Gebet ruft.

Abends essen wir das vielgerühmte Mansaaf, dabei fallen vom beleuchteten Olivenbaum ständig Käfer ins Essen und sterben. Igitt. Viele Kinder erproben an uns ihre Englischkenntnisse, und wir haben viel Spaß und interessante Unterhaltung.

Vorbei an den beleuchteten Tempelanlagen ein herrlicher Spaziergang zurück zum Hotel. Das hat die 4 Sterne nur wegen der Optik verdient.

 

Touri-Kamele in der Tempelanlage

 

 

Und jetzt? Zurück in die Türkei??

Nein, der Euphrat ist nur 200 km entfernt, Das Zweistromland, Euphrat und Tigris, das Land , wo Milch und Honig fließt. Da wollen wir hin, über eine Teilstrecke der Seidenstraße, die sich vom Orontes 150 km zur Oase Palmyra und von dort 200 km zum Euphrat erstreckt. Für die Karawanen von Wasser zu Wasser zu Wasser. Da wollen wir hin, keine Diskussion.

 

Fahrt nach Deir Az zor am Euphrat

Wir frühstücken unmittelbar vor dem Palast der sagenhaften Zenobia mit phantastischem Blick auf die gesamte Anlage Palmyras. Am Nachbartisch drei syrische Paschas, die vom Personal umtanz werden, sodass wir unbehelligt bleiben.

Saley holt uns pünktlich ab und bringt mir sogar die Jacke wieder, die ich beim Tanzen im Beduinenzelt abgelegt hatte und vergaß.

Und nun geht es los durch die syrische Steppenwüste im vollbesetzten Bus voller Araber in weißen oder schwarzen Dschellabas. Wenige Frauen, schwarz verhüllt, eine im Dschaddor. Keine Frage, wir sind die enzigen hellhäutigen, unverhüllten Frauen. Wir haben den Superplatz in der ersten Reihe hinter dem Fahrer erwischt, der leider Kettenraucher ist. An vielen Beduinen kommen wir vorbei, die mit ihren Ziegen- und Schafherden nahe der einzigen Straße lagern.

Nach 3 Stunden Ankunft in Deir Azzor. Ein Taxi mit zersplitterter Scheibe scheint auseinander zu fallen, bringt uns aber sicher zum Zaid Hotel am Euphrat, nachdem uns zwei deutsche Mädchen, Rucksacktouris, ins Schlepptau genommen hatten nach langwierigen Passkontrollen. Deren „Jugendherberge“ war aber (Gott sei dank) ausgebucht und so genossen wir das 2** Hotel Zaid direkt am Euphrat.

 

Geschichtsträchtig - der Euphrat

 

Wir spazieren über die Hängebrücke, wo uns Araham persönlich begrüßt,

und können uns nicht satt sehen an diesem jadegrünen Stömen inmitten der Wüste.

Stundenlang sitzen wir in einem Kaffee am Ufer und schauen auf das Strömen. Jahrtausende alte Völker ziehen an meinem inneren Auge vorbei. „An seinen Ufern saßen wir und weinten“, so klagen die verschleppten Juden in babylonischer Gefangenschaft. Kein Schiff, kein Boot.

Nach Sonnenuntergang mache ich alleine einen Bummel zur nahen Moschee, begleitet von einem Bärtigen in Dschellaba. Ich muss das Ende des Gebetes abwarten, dann werde ich in Begleitung eines Englischlehrers und des Immam in der Moschee herum geführt. Das Thema „Frauen“ vermeide ich lieber.

Der Lehrer bringt mich schließlich in seinem Wagen zum Hotel.

Diese Gastfreundschaft begegnet uns am Abend ständig in der Stadt: Hier Tee,dort Oliven , meine Schuhe werden kostenlos repariert. Überall ein lächelndes „Wellcome“. Als wir einen Käsezopf und Oliven kaufen wollen, werden sie uns geschenkt.

 

Oliven in allen Variationen

Geflochtene Käsezöpfe - lecker scharf

 

 

Von Deir az Zor nach Aleppo

Irmgard stellte den Wecker auf 7, aber wir sind schon um 6 Uhr wach. Dennoch sind wir erst um 9.30 Uhr abreisebereit. Das Taxi von gestern bringt uns zum Busbahnhof. Wieder das endlose Prozedere bei Ticketkauf: Der hat den Pass vor der Nase, lässt sich aber trotzdem Name, Vorname, Vater und Mutter buchstabieren. Er kann wohl nur die arabische Schrift. Die hat Atatürk, der Vater der Türken, in der Türkei abgeschafft. Das bringt den Türken sehr viel mehr Touris als den Syrern.

Und dann geht es stundenlang am Euphrat entlang. Wir drücken uns die Nasen platt.

Der Grüngürtel ist unterschiedlich breit, auch der Fluss. Wo bewässert wird, gedeiht Reis, Gemüse, Weizen. Wo die Straße vom Grüngürtel abweicht, herrscht die Wüste.

Eigentlich wollten wir ja mit dem Zug von Deir az Zor nach Aleppo, um endlich – wenn nicht Orientexpress, so doch Bagdadbahn zu fahren. Aber der Zug fährt nur täglich um 7oo Uhr und dann nicht mehr, und sooo früh sind wir nicht bereit, aufzustehen. Dafür begleiten uns die Schienen fast während der ganzen Fahrt.

So geht es also per Bus nach Aleppo.


Hotel Omajad Hotel Kasr Alandaloss

 

Dort bringt uns das Taxi ins empfohlene Kasr Alandaloss mitten in der Altstadt im uralten Gemäuer aus dem 18. JH. Unser Zimmer hat frisch gestrichene Läden, von denen leider einer in den Angeln hängt. Auch das Bad ist gewöhnungsbedürftig. Eine Kapsel mit Ziehharmonika-Tür wurde ins Zimmer implantiert, eine Duschwanne fehlt. Wie das wohl gehen wird?

Zunächst aber muss die Weiterfahrt geklärt werden zurück in die Türkei. Auch das gestaltet sich sehr schwierig. Das Tourist Office kann keine Auskunft geben und schickt uns zum nahen Busbahnhof. Dort müssen wir hören, dass nur morgens um 5 Uhr ein Bus geht.Wir sollen halt ein Taxi nehmen. 2000 SL. Na bravo.

 

 

Jetzt gehen wir erst mal in die Altstadt.

Dieser Souk ist erschlagend. Zu laut, su viel, zu eng. Im Souk von Alleppo

Zurück im Hotel bringt uns der Wirt ins exzellente Restaurant „Bazar Alcharq“, das wir alleine nie gefunden hätten. Dort diniert eine Hochzeitsgesellschaft.

Vorm Schlafengehen beschließen wir, einen weiteren Tag zu bleiben und die Probleme der Weiterreise zu vertagen. Das wird sich schon soßen.

 

Aleppo

Jeden Morgen beim Erwachen erwarte ich voller Spannung den neuen Tag. Nur wenn Irmgard ihren fleißigen Tag hat und Frühsport macht, schlafe ich noch mal eine Runde. Na ja, manchmal steige ich auch mit ein.

Gemütlich frühstücken wir ganz alleine auf dem bruchreifen Balkon, nachdem wir unseren Wirt auf der Couch geweckt haben. Er kommt aus dem Libanon, hat kein Zuhause und arbeitet hier, um einen Sprachkurs zu finanzieren.

Zunächst schlendern wir durch das alte armenische Viertel, kommen aber nicht weit, weil wir von einem Musiklehrer in seine Musikschule eingeladen werden. Tee, Gebäck, Kinder, ein großer Innenhof. Alles müssen wir besichtigen: Die Schule, die Wohnung des Lehrers, die Klassenräume, die Gästezimmer. Vor dem Tor bedrängende Enge, hier aufatmende Weite.

 

In der Musikschule

 

 

Dann endlich das armenische Viertel. Das ist sehr beeindruckend. Enge,oft überdachte Gassen, abweisende, massive Tore, wenn sie sich aber öffnen, tut sich eine neue Welt auf .

In diesem Viertel gibt es eine maronitische – eine griechisch-katholische -, eine griechisch-orthodoxe – eine syrisch-orthodoxe – eine armenisch-orthodoxe Kirche oder Kathedrale. Alles auf engstem Raum. Wir besichtigen nur eine der vielen.

Unser Stadtplan gibt gute Orientierung und an Moscheen und Palästen, auch alten Flechthäusern vorbei kommen wir wieder zum Souk, der heute – weil Freitag – weitgehend geschlossen ist. Was für ein Unterschied zu gestern.

Tor der Zitadelle

 

Dann die Zitadelle. Eine Stadt auf einem Zikkurat. Junge Leute nehmen mich in ihre Mitte, testen an mir ihr Englisch und finden es toll, ein Gruppenfoto mit mir zu machen.Syrische Studenten

 

Während Irmgard dann die Siesta im Hotel vorzieht, besuche ich die Omajadenmoschee, verfolge eine Weile einen Koranunterricht und genieße die Festtagsstimmung im riesigen Vorhof.

Abendessen im Sheraton. Als wir später in unserem Hotel die Abrechnung erbitten, löst sich auch das Problem der Weiterfahrt.Wir hatten uns ja schon für die Busfahrt um 5 Uhr morgen früh entschieden. Jetzt bietet man uns ein „Sammeltaxi“ / Dolmusch von Aleppo nach Antakia zw. 10.oo und 10.30 und Weiterfahrt um 14 Uhr nach Kapadokien. Ob das mal gut geht?

 

Taxifahrt zurück in die Türkei von Aleppo nach Antakia

 

Wieder Frühstück ganz alleine auf dem Balkon, nachdem wir unseren „Roomboy“ aus dem Tiefschlaf von der Couch in der Rezeption holten. Später erzählt er uns, dass er Libanese ist, kein eigenes Bett, geschweige ein Zimmer hat, von scharfen Autos träumt und hier in Aleppo Sprachen lernt.

Das Hotel ist ein Backpacker mit Australiern, Deutschen, Franzosen und Engländern.

Sie haben bis 4.30 Uhr bei einem Australier gefeiert und getanzt. Ohne Alkohol??

Um 10 bringt er uns dann zu Fuß mit unseren beiden neuen Koffern zum Busbahnhof

Und nun warten wir in der Sen-Agentur auf das Taxi, während der Chef frisiert und barbiert wird. Der alte Barbier hat sein Handwerkszeug im Koffer dabei.

Nach ½ Std. kommt ein Araber in schwarzer Lederjacke, erbittet unsere Pässe und will damit abhauen. Ohne mich. Ich verfolge ihn, während Irmgard beim Gepäck bleibt. Wieder das Prozedere – Ticket – Polizei – Stempel hier und da- Lauferei.

Dann geht’s um 11 Uhr im Taxi mit einem syrischen Pascha auf dem Beifahrer und uns im Heck für 500 SL/pP (8,50E). gen Antakia /Türkei .

In der Agentur Vor der Agentur

 

Es folgen 3 Std. Taxifahrt. Unser männlicher Begleiter spricht kein Englisch und ist sehr still. Erst an der Grenze, wo wir heftig gefilzt werden, wird er sehr hilfsbereit und führt uns durch die verschiedenen Stationen der Passkontrolle. Hier haben wir auch ein Ausreisevisum zu löhnen von 500 SL (8.50E). Das Einreisevisum, das wir mit Passversendung in Berlin ordern mussten, war teurer. (ca. 30 E incl. Porto).

 

Der Taxifahrer ordnete sich an der türkischen Grenze in eine der endlosen Lasterspuren ein, erkennt seinen Irrtum und versucht, rückwärts durch zwei Betonpfeilern hindurch zu kommen. Das klappt, aber nicht straflos. Er hot sich einen Platten. Zügiger Reifenwechsel, den die beiden Männer schnell hinbekommen.

Lasterschlange an der Grenze Reifenpanne am Taxi

 

Wieder filzen. Zitterspiel, ob wirs bis 2 Uhr zum Bus nach Kapadokien schaffen.

Wir kommen fast pünktlich an – aber es ist der falsche Busbahnhof.

Hier geht kein Bus nach Uchisar. Unser Taxifahrer darf uns als Syrer nicht zum richtigen Bahnhof bringen und so müssen wir ein anderes Taxi nehmen. Der fordert 10 TL (5E) für 6 km. Unverschämt.

Dort angekommen ist der Bus um 2 natürlich längst weg. Um 15.45 Uhr geht der ä nächste, aber nicht nach Uchisar, nur nach Adana.

 

Dort soll es aber prompt weitergehen nach Göreme, wir würden gegen 22 Uhr ankommen und bekämen sicher auch noch ein Hotel.

Inschallah! Inschallah!!

 

Also in den Bus nach Adana. Natürlich kommen wir nicht pünktlich an und wir planen schon, ins Zentrum von Adana zu fahren und ein Hotel zu nehmen.

Aber oh Wunder, der Bus nach Nevcehir in Kapadokien hat auf uns gewartet, fliegendes Umladen des Gepächs, ein Ticket für uns ist schon vorbereitet ohne das endlose syrische Prozedere, wir müssen nur noch zahlen, einsteigen und ab geht’s – abends bei Sonnenuntergang nach Nevcehir in Kapadokien.

Zuerst geht’s hinauf ins Taurus-Gebirge (Toros Daglari).

Herrlich die Fahrt mit z.T. atemberaubenden Ausblicken und überwältigendem Lichtermeer. Nachdem der Buswechsel in Nevcehir wieder fliegend ging, kommen wir um 23.30 Uhr in Göreme an. Viele Felstürme sind angestrahlt, es ist ein schier unwirklicher Anblick. Zwei Kanadier, die mit uns hier ankommen, nehmen uns ins Schlepptau zu ihrem vorbestellten Hotel und dort bekommen auch wir ein Bett.

War es vor wenigen Stunden noch im Blick, heute wohl auf einer Parkbank zu übernachten, liegen wir um 24 Uhr im Bett, nicht ohne Dank an unsere hilfreichen Engel und den obligatorischen Schluck Whysky, der langsam zur Neige geht.

 

Göreme – Kapadokien

Nach türkischem Frühstücksbuffet machen wir uns auf zum Freilichtmuseeum, ein Weltkulturerbe wie die ganze Tuffstein-Feenwelt. Aber dort stehen um 10.30 sooo viele Busse, dass wir uns auf eine Tour mit weniger ausgetretenen Pfaden begeben – und das ist atemberaubend. Angesichts der bizarren Felsformen und phantasievoll darin eingehauenen Wohnungen, Kirchen und Kapellen stockt uns der Atem. Wir entdecken noch Gemälde an den einstmals bewohnten Wänden und ich versuche, mir das Leben der frühen Christen vorzustellen, die hier in diese Türme Wohnungen und Kirchen gruben, um sich vor Verfolgung und Raub zu schützen.

 

Vor Millionen Jahren war Kapadokien mit einer hohen Schicht aus Lava, Asche und Schlamm bedeckt durch den Ausbruch mehrerer Vulkane. Das Wunderland in seinem heutigen Zustand ist ein Werk, an dem Mensch und Natur Hand in Hand gearbeitet haben. Wind und Wetter haben aus dem Tuffgestein die skurilsten Denkmäler modelliert. Und die Menschen haben ca. 400 Städte in den weichen Tuff gegraben, die untereinander verbunden waren und bis zu zehn Etagen tief waren. Unglaublich.

Von oben machen wir einen sehr engen Kanyon aus und wir starten, seinen Eingang zu finden.

Das dauert. Wir trennen uns, Irmgard nimmt einen Pfad, ich die Abkürzung über den Hügel, muss schließlich auf dem Hosenboden abrutschen – und –

ich finde den Canyon.

 

Und dann gehe ich ganz alleine durch eine sehr enge Schlucht, bin von 10 oder 20 m hohen Tuffkegeln und Wänden umgeben, in die in schwindelnder Höhe Wohnungen eingegraben sind. Die Schlucht wird immer enger, einen widerständigen Engpass kann ich noch nehmen, dann geht es für mich nicht mehr weiter, obwohl Griffmulden senkrecht in den Stein engearbeitet sind. Ich trete bedauernd den Rückweg an und – treffe draußen bald auf Irmgard. Froh mache ich das Ganze mit ihr noch einmal und zeige ihr stolz „meinen Canyon“.

Während I. Siesta im Hotel ansteuert, wandere ich weiter zum Red Valley, werde von einer picknickenden Großfamilie zu Essen und Tee eingeladen. Es ist fröhlich, sie freuen sich über mein Türkisch, ich über ihr Deutsch. Ich esse eine sehr rote, sehr scharfe Knete, die in ein Salatblatt eingewickelt wird. Wenn das mal gut geht.

Nach einem Gruppenfoto trennen wir uns winkend, und ich trete den Heimweg an, weil ich auf dem Prospekt meines Hotels entdeckte, dass es einen Indoor-Pool hat.

Aber der Rückweg zieht sich und ich treffe mehrmals die falschen Pfade.

Der Pool ist dann eiskalt, ich ziehe dennoch 4 Bahnen und werde danach

kaum wieder warm. Wir sind eben auf 1200 m Höhe.

 

 

Sehr früh am Abend gehen wir nach einem Bummel durch den Ort essen:

Ehemals bewohnte Tufftürme


Die Spezialität hier ist „Testi Kebab“, ein versiegelter Tontopf, der viele Stunden in einem besonderen Ofen schmort, abends dann für den Gast geköpft wird (we kill it). Der Deckel wird abgeschlagen und eine Köstlichkeit aus Lammfleisch und Gemüse entleert sich auf meinen Teller. Dazu Sesambrötchen, Salat und Reis. Hmmmmm. Zwei Gläser Wein nicht zu vergessen. Und Geromy, der uns Gesellschaft leistet.

Testi Kebap wird im Tontopf serviert, der am Tisch zerschlagen wird

Sehr zufrieden gehen wir schlafen.

 

Am nächsten Tag machen wir einen genüsslichen Spaziergang durch das Feental. Neben dem Pfad fließt ein murmelndes Bächlein, dazu blüht es üppig, Vogelgezwitscher, besonders die Nachtigall entzückt mich. Und überall diese ehemals bewohnten Tufftürme.

 

 

Ehemals bewohnte Tufftürme

 

Dennoch – wir haben erstmals einen Interessen-Konflikt.: Irmgard will morgen nach Ankara, ich will noch einen Tag bleiben, eine organisierte Tagestour machen und dann für 30 TL durchstarten nach Istanbul. Wir planen getrennte Wege und Wiedersehen in Istanbul. Dann würde ich morgen früh nach Irmgards Abreise das Ottoman House verlassen und zu Kemals Guesthouse wechseln, worüber Barbara, eine Holländerin sich sehr freuen würde. Dort würde ich dann in einer echten Tuff-höhle wohnen – mit Bad. Am nächsten Tag 11 Std. Busfahrt, alleine. Um 21 Uhr könnten wir wieder vereint sein in Istanbul.

Die Entscheidung fällt für Ankara. Ich mag keine Trennungen.

Um 1600 Uhr gehe ich alleine 1 km zum Freilichtmuseum (15 TL), vermeide die französischen- ,deutschen- , japanischen- usw. Gruppen, die vor jeder Kirche im Pulk Schlange stehen, gehe hinauf und hinab in die Höhlenwohnungen und versetzte mich in das Leben, das hier einmal gelebt wurde in dieser klösterlichen Gemeinschaft.

Gegen 5 wird es leer, ich kann alleine die herrlichen Fresken in den zahlreichen Kirchen genießen, die vorher bei verbrauchter Luft vollgestopft waren mit Menschen aus aller Welt.

In der Sandalenkirche habe ich sogar eine VIP-Führung von einem „Police_Guide“ bei einem Glas Tee.

Fresken in GöremeVip Führung


Abends essen wir wieder Testi Kebab wiederum in Geromys Company, einem langhaarigen Althippy, sehr cool, sehr Kosmopolit, der aus Goa /Indien kommt und seit Januar unterwegs ist. Ein unterhaltsamer Abend, denn Jeromy wirkt intelligent, interessiert, welterfahren und sehr souverän.


 

 

 

Inbteressante Dinner-Gesellschaft

Auf der Suche nach dem Orientexpress Tagebuch einer abenteuerlichen Reise

Mit dem Orientexpress wollten wir von Istanbul nach Damaskus.

Wir – das sind zwei reiseerfahrene Frauen über 65, die gemeinsame Mexiko-Reise-Erfahrung im vergangenen Jahr gemacht hatten.

 

 

 

Tagebuch einer abenteuerlichen Reise

Von Europa nach Asien in Istanbul

 

Von “Lernidee“ Erlebnis-reisen orderte ich das Prospekt

Sonderzugreise 1001 Nacht“

Auf der historischen Bagdad-Bahn von Istanbul nach Damaskus.

Zwischen 3000 und 3500 Euro war die Reise buchbar .

So viel wollten wir nicht ausgeben und überhaupt: Reiseabenteuer gehen nur im Alleingang ohne vorprogrammierte Organisation.

Was wir vorher gelesen hatten, war verwirrend. Gibt es ihn noch oder nicht? Ist es nun der Orientexpress oder die Bagdadbahn?

Inzwischen ist das geklärt, dank vielfältiger widersprüchlicher Literatur und Informationen, doch die Realität sieht dann – besonders im Orient – noch einmal anders aus.

So viel wissen wir jetzt im Nachhinein:

Der Orientexpress ging von Paris nach Istanbul und landete dort am Bahnhof Sirkesi auf der europäischen Seite.

Die Bagdadbahn läuft vom Bahnhof Haydarpasa aus und geht – nach Bagdad?

Inschalah!

Reiseführer warnen: Eisenbahnen in der Türkei solle man meiden, da warte kein Orientexpress, sondern Verfall und Unzuverlässigkeit.

Unter Wilhelm II wurde die Bahn gebaut aus imperialem Interesse. Protz und Prunk sollte sie auszeichnen und Schweiß und Blut soll sie Kurden, Aramäer, Syrer und Türken gekostet haben.

Mit Michael Müllers Reiseführer und Jürgen Lodemanns „Mit der Bagdadbahn durch unbekannte Türkei„ im Gepäck starten wir hoffnungsfroh am 13.04. und pünktlich um 12.30 treffe ich Irmgard, die aus Witzenhausen kommt, am Franfurter Hauptbahnhof. Zusammen fahren wir mit der S-Bahn zum Flughafen Frankfurt /Main.

Alles klappt problemlos, aber wir stehen mit sechs anderen Flugzeugen Schlange für den Abflug. Mit wenig Verspätung starten wir mit Sunxpress, sind bald über dichter Wolkendecke, die erst über Bulgarien aufreißt und üppiges Grün freigibt.

Und dann Istanbul!!

Unter den Flügeln das Glitzern des Marmarameeres, dort die Prinzeninseln – ob wir hinkommen? Kein Dunst, keine Braunsoße wie befürchtet, sondern klarer Himmel, der Bosporus unter uns überraschend breit , das goldene Horn und viele, viele gewaltige Moscheen, ein Gewirr von Minaretten ragt wie Spargelspitzen aus dem Häusermeer.

Der bestellte Dolmush wartet 45 min. auf Gäste mit Visa-Problemen, dann geht die Fahrt im Sonnenuntergang 1 Std. (55 km) vom orientalischen Flughafen „Sabiah“ auf die europäischen Seite. Es ist schon dunkel, als wir über die 8spurige Galatabrücke fahren – knapp überm Wasser.

Eindrucksvoll das Lichtermeer, die Schiffe unter uns, und dann -gewaltig – die Hagia Sophia, wunderbar illuminiert mit ihren vier Minaretten. Es staut auf der Brücke und wir haben Muße, diesen Koloss der Christenheit zu betrachten.

In verwinkelten Gassen finden wir unser Minihotel „Hotel Nezih“, ein Zimmerchen im 5. Stock mit Blick auf eine Lederschneiderei.

Im nahen Restaurant gehen wir essen, hoch oben im 6. Stock, schmucklos, blanke Tische, nur Männer. Wir sind die einzigen Fremden, fast die einzigen Frauen, aber keiner nimmt von uns Notiz.

Zurück im Hotel hat Irmgard Probleme, sich im Internet einzuloggen, schafft es aber noch vor Mitternacht. Jubel.

Der erste Tag in Istanbul steht im Zeichen des Orient-Expresses. Wir wohnen auf der euroäischen Seite am Großen Basar an der gewaltigen Beyazit-Moschee.

Mein Besichtigungsdrang ist groß, aber wir wollen ja erst die Bahnfahrt klären. Keiner weiß Rat im Hotel und man empfiehlt uns den Bahnhof Haydarpasa, der auf der asiatischen Seite im pulsierenden Stadtteil Kadiköy liegt. Zur Straßenbahn, Tolkens kaufen (1,5 TL- 0,75 Euro ), die Fahrt zum Bosporus, die Fähre nach Kadaköy erwischen wir gerade noch, dann landen wir am legendären Bahnhof Haydarpasa.

Wir stehen, bestaunen die deutsche Pracht der Jahrhundertwende aber ein Zug nach Damaskus geht hier nicht ab,bestenfalls nach Ankara. Doch da gibt’s Probleme – Baustellen. Wir sollten aber am Bahnhof Sirkesi fragen. Von dort kommen wir gerade. Wir also zurück mit der Fähre nach Europa, laufen über die Galata-brücke vorbei an der gewaltigen Neuen Moschee zum sehenswerten Bahnhof Sirkesi. Hier gibt es zwar den Orientexpress, aber nur nach Paris, nicht nach Damaskus.

 

Bahnhof Sirkesi

Unter Wilhelm II wurde der Bahnhof gebaut

Bahnhof Sirkesi

 

 

Man empfiehlt uns immer wieder den Bus und stößt auf Unverständnis ob unserer Zugpläne: Umständlich, langsam, teuer, unzuverlässig und überhapt …da starten doch verschiedene Linien von Istanbul nach Damaskus am Bahnhof Harem.

 

 

Wieder zurück nach Asien mit der Fähre zum Busbahnhof HAREM. Hier überbieten sich die Ausschreier der verschiedenen Anbieter und wir lassen uns einfangen von der Linie Sen-Express.

Nach einigen Verhandlungen und Telefonaten mit der deutsch-sprechenden Frau unseres Verhandlungspartners beschließen wir:

Am Fr. 16.04. fahren wir um 15 Uhr von Harem ab nach Damaskus. 16 Std. für 60 TL (30 Euro) p.P.

O.K. Inchalah!!

Zurück nach Europa. Irmgard will zur Siesta ins Hotel und ich besuche die Beyazit-Moschee. 1506 für Beyazit II im Stil der Hagia Sophia fertiggestellt.

Der marmor-gepflasterte Vorhof nimmt gefangen: Draußen Lärm, hier Ruhe. Ein elegant überkuppelter Reinigungsbrunnen in der Mitte. Die Säulen-Arkaden aus edelstem Gestein.

Drinnen setzte ich mich barfuß und tuchverhüllt auf eine „Frauenbank“ und lasse mich von der Atmosphäre einfangen. Langsam füllt sich der Vorderraum mit Männern. Hier nach Süden, nicht wie in Deutschland nach Osten, verbeugen und knien sie, folgen aufmerksam einem Immam und nach 10 Minuten zähle ich 3 Reihen a 25 Männer, 75-80, meist mit weißen Strickkäppchen. Wo sind die Frauen? ?

Irmgard und ich  treffen uns dann für den Gang durch denGroßen Basar.

 

Im Großen Basar

Wir kapitulieren aber noch vor Ablauf einer Stunde vor dem Überangebot, der Zudringlichkeit der Verkäufer und gehen essen. Hühnerspieß.
Um 20oo Uhr sind wir zurück im Hotel. Durchgefroren.
Eine heiße Dusche bringt mich wieder auf Temperatur.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag schlendern wir gemütlich die breite Ordu-Cad. Hinunter gen Bosporus , besuchen Friedhöfe, die eng eingekeilt zwischen hohen alten Häusern liegen,

biegen in Gässchen ein und genießen Sonne, Wärme und Atmosphäre.
Die Luft ist wasserpfeifen-geschwängert.
Dann wieder Blütenduft von blühenden Bäumen, frisches Brot, Bratenspieß. Wir geraten in die Gasse der Schrauben- und Nietenhändler, sehr viel Gold und Silber, glänzende Marmorfassaden neben abbruchreifem Gemäuer mit zahllosen, außen hängenden Klimaanlagen.
Schließlich nähern wir uns der Blauen Moschee. Auf einer Bank vor dem Kaiser-Wilhelm Brunnen machen wir Rast und Irmgard liest mir aus ihrem Global-Player vor: Der mosaikgeschmückte und von 8 Säulen getragene Brunnen war ein deutsches Geschenk für Sultan Abdül Hamit II. Die meisten Teile wurden in Deutschland vorgefertigt und erst in Instanbul montiert.


 

 

 

 

 

 

Als wir dann über den Hippodrom laufen, bringt mir ein junger Mann meine Kamera hinterher. Sie war mir wohl auf der Bank aus der Tasche gerutscht. Danke ihr Engel.

Und dann die Blaue Moschee!!

Ich erinnere mich, wie die 2-jährige Alexandra hier auf dem Boden friedlich schlief. Sie schlief immer und überall zu ihrer Zeit.

Später erholen wir uns in einem nahen Cafe und ich lese nach, was ich sah.

Da muss ich noch einmal zurück: Ich hatte den Mittelpunkt der Welt übersehen.

Und die Kanzel des Sultans. Und auf der gewaltigen Empore war ich auch noch nicht.- Der Weg zur nahen Hagia Sophia ist üppig tulpengesäumt. Da sie ein Museum ist, muss man nicht die Füße entblößen und den Kopf bedecken, dafür 10 Euro löhnen. Schluss mit heilig, gepriesen sei der Mammon.


Abends besuchen wir eine Suffidarbietung. Durchaus ergreifend, aber fremdartig.

Es war ein herrlicher Tag , beschaulich, informativ, lukullisch.

 

Faszination Odenwald

Wanderung mit dem Odenwald e.V.

Pssssssst, nicht weitersagen ;o)

Der Odenwaldclub e.V. geht am Sonntag, 05. Juni 2011, wieder wandern.

Der letzte Wolf vom Odenwald

„Zum Gedenkstein des letzten Wolfes vom Odenwald und zur Teufelskanzel“

Treffpunkt ist um 09:30Uhr in Eberbach a.N. Richtung HD, B37 am Neckarufer

Wer sich das nicht entgehen lassen möchte der kann sich gern anschließen.
Fotos und Bericht folgen am Ende des schönen Tages.

Wandern und den Mohn sehen

„Es ist was es ist, sagt die Liebe“

Quelle: Erich Fried „Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte“, Berlin 1996

 

Doch habe ich auch etwas dazu zu sagen denn nicht die Liebe allein stellt die Bedingungen oder lässt uns sorgenfrei durch das Leben wandern. Was heißt denn Liebe?

Wir Frauen haben doch immer noch ein ABER oder was auch immer der Weisheit hinzuzufügen da nichts ist was es ist und oft genug der Schein trügt, sollten wir einmal nicht genau hinschauen. Was wir suchen sind Antworten. Nicht Lösungen im Schnellschuss, nicht Lösungen die die Richtung weisen, schlimmer noch den Weg bestimmen – sondern dem Dialog. Das langsame Herantasten an uns selbst und das Austauschen mit den Erfahrungen anderer die uns heben, tragen, weiten oder aufhorchen lassen. Zum nachdenken bringen, zum innehalten, zur Momentaufnahme und zur Pause. Menschen, die uns nachhaltig an der Entwicklung behindern spüren wir schon oft im Voraus und spüren vor allem eines. Unbehagen.

Ich starte nun einen Blindflug ohne Pilotenschein aber mit genügend Treibstoff an Bord. Blind, weil ich nicht weiß ob es überhaupt jemanden interessiert.

Lange habe ich, oft nicht nur einmal, über alles nachgedacht was mir passierte. Der große Stolper in die Wechseljahre der mir eine Liebe raubte doch dafür eine neue Liebe schenkte. Die Liebe Zeit zu haben um zu sehen. Die Menschen um mich, die Natur, die Sorgen und die Freude die wir teilen. Wir sollten nur hinschauen und uns mitnehmen lassen.

Vor allem, wenn ich nicht auf die Schnelle eine Antwort auf mein „Warum?“ erhalte genügt oft ein langer Streifzug durch die nahe gelegenen Wälder um mich zu beruhigen. Dann die Idee dies doch nicht länger allein zu tun sondern Menschen zu begeistern, sie mitzunehmen oder mich anzuschließen. Denen die mir in diesen Dingen weit voraus sind, die es wie ich mögen sehend durch diese, unsere Welt zu streifen. Sich kennen lernen, öffnen, miteinander reden und sich helfen. Und was sehe ich dann vor allem? Ich bin nicht allein und die Welt ist schön, wunderschön auch wenn das Klima rauer  wird.

Sieh dich um und rede darüber was du siehst denn Sehen ist viel mehr als das was Augen nur erblicken können.

Von diesen Wanderungen die ich zukünftig unternehme möchte ich erzählen, mit euch ein Buch gestalten oder diesen Blog teilen, falls es euch gefällt. Es gibt so viele Gründe das Menschen sich spontan einer Gemeinschaft anschließen und so unendlich viele schöne und traurige Geschichten die jede für sich bewundernswert und tapfer sind.

Alles fließt und alles was wir nun nur noch benötigen ist der Mut sich einmal treiben zu lassen.

Behutsam, still und friedlich.

Wasserfall

 

 

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